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Landesbanken : NordLB schmiedet Bankallianz in Ostseeraum

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Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) schmiedet eine Bankallianz im Ostseeraum. Sie bringt ihr Geschäft in Dänemark, Polen, Finnland, Lettland, Litauen und Estland in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem größten norwegischen Finanzdienstleister DNB Nor ein.

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          Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) schmiedet eine Bankallianz im Ostseeraum. Sie bringt ihr Geschäft in Dänemark, Polen, Finnland, Lettland, Litauen und Estland in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem größten norwegischen Finanzdienstleister DNB Nor ein. Ab Januar 2006 wird die neue Gemeinschaftsbank namens DNB Nord mit 1450 Mitarbeitern in 111 Filialen rund 550000 Kunden betreuen. Sie startet mit einer Bilanzsumme von 2,5 Milliarden Euro, soll aber in den nächsten Jahren kräftig wachsen. Dies kündigte NordLB-Vorstandschef Hannes Rehm auf einer Pressekonferenz in Hannover an.

          Mit dieser grenzüberschreitenden Kooperation betrete die NordLB in mehrfacher Hinsicht Neuland: "Dies ist das erste Mal, daß eine deutsche und eine skandinavische Bank eine solche Verbindung eingehen, und es ist auch das erste Mal, daß ein deutsches öffentlich-rechtliches Institut eine Bank gemeinsam mit einer ausländischen Privatbank gründet", sagte Rehm. Für Rehms Vorstandskollegen Gunter Dunkel ist die Transaktion zudem modellhaft für die strategische und operative Weiterentwicklung der Landesbanken in Deutschland: "Wir müssen uns öffnen und alte Dogmen ablegen." Im Moment gebe es keine Pläne, die Zusammenarbeit mit den Norwegern über das Joint-venture hinaus auszudehnen, hieß es. Am Rande der Pressekonferenz sagte Tom Grohndahl, stellvertretender Vorstandschef von DNB Nor, daß man grundsätzlich an einem Ausbau der Geschäfte in Deutschland interessiert sei. Wenn sich also eines Tages die Option ergebe, sich bei der NordLB zu beteiligen, "werden wir uns das anschauen". Im Moment gibt es diese Option nicht: Die Träger der NordLB - also die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie die Sparkassen dieser beiden Länder und Mecklenburg-Vorpommerns - haben sich gerade erst mühsam darauf geeinigt, das Kapital ihrer schwachbrüstigen Bank deutlich zu stärken.

          Wegen des fortschreitenden Konzentrationsprozesses im internationalen Bankenmarkt sei die NordLB schon im vergangenen Jahr zu dem Schluß gekommen, das Geschäft in Nordosteuropa künftig gemeinsam mit einem starken Partner weiterentwickeln zu wollen, sagte Rehm. Mit dem Ziel vor Augen, "Kampfgewicht zuzulegen", habe man mit mehreren internationalen Häusern gesprochen. Doch schon bald habe sich abgezeichnet, daß sich die Stärken von NordLB und DNB Nor, beispielsweise in der Schiffsfinanzierung, ideal ergänzten. Die beiden Häuser hätten zudem ihre Wurzeln in der Sparkassen-Organisation ihrer Heimatländer und bei den öffentlichen Miteignern. An DNB Nor sind der norwegische Staat mit 34 Prozent und norwegische Sparkassen mit 10 Prozent beteiligt.

          Dunkel räumte freilich ein, daß die Partner auch mit vereinten Kräften im Ostseeraum noch weit von dem Erreichen einer kritischen Größe entfernt seien. Das Ziel laute, bis 2008 in allen relevanten Märkten auf Position fünf zu sein. Das dazu erforderliche Wachstum von über Kapitalmaßnahmen flankiert werden, an denen sich die NordLB freilich nicht beteiligen müsse. Schon jetzt sind die Hannoveraner der Juniorpartner: Sie sollen 49 Prozent an der neuen Bank halten, während die Norweger mit 51 Prozent mit von der Partie sind. Dennoch, so betonte Rehm, sei man auf Augenhöhe mit DNB Nor, denn die NordLB stelle den Vorstandschef der Gemeinschaftsbank. Deren Aufsichtsrat werde paritätisch besetzt. Im übrigen würden alle wichtigen strategischen und personellen Fragen im Einvernehmen geregelt.

          Dank der Minderheitsbeteiligung kommt es in der Bilanz der NordLB zu einem Entkonsolidierungseffekt, der die Kernkapitalquote zum Jahresende um 0,2 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent hieven dürfte. Nicht zuletzt deshalb rechnet der Vorstand fest mit einer positiven Reaktion der Rating-Agenturen. Die Zusammenlegung der Vermögenswerte beschert der NordLB zudem einen Buchgewinn von rund 65 Millionen Euro. (rit.)

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