https://www.faz.net/-gqe-ckq

Landesbank Hessen-Thüringen : Helaba fällt überraschend im Stresstest durch

Zentrale der Heleba in Frankfurt: Stress mit dem Stresstest Bild: dpa

Die Helaba fällt im Stresstest durch. Die Europäische Bankenaufsicht erkennt die stille Einlage des Landes Hessen an der Landesbank trotz Umwandlungsbeschluss nicht an.

          Der Streit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) mit der Europäischen Bankenaufsicht EBA über das im Stresstest anzurechnende Kapital ist am Mittwoch eskaliert. Offenbar hat die Helaba nach der Definition der EBA für hartes Kernkapital die Probe auf die Krisenanfälligkeit überraschend nicht bestanden. Daher ging das Spitzeninstitut der hessisch-thüringischen Sparkassen am Mittwoch in die Offensive. Die Helaba kam damit einer Mitteilung der EBA, die erst am Freitag nach Börsenschluss die Ergebnisse aller 91 am Stresstest teilnehmenden europäischen Banken veröffentlichen will, zuvor.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In ihrer Mitteilung gibt die Helaba bekannt, sie habe auch im Testszenario mit den schärfsten Annahmen zu Wirtschaftsabschwung und steigenden Zinsen eine Kernkapitalquote von 6,8 Prozent erreicht. Damit habe sie die von der EBA gesetzte Hürde, die bei einer Quote von 5 Prozent hartem Kernkapital liegt, „erfolgreich bewältigt“. Außerdem habe sie mit 325 Millionen (Vorjahr: 129) Millionen Euro vor Steuern den höchsten Gewinn in einem ersten Halbjahr in ihrer Geschichte erzielt.

          Bestanden hat die Helaba den Stresstest allerdings nur dann, wenn die stillen Einlagen des Landes Hessen zum harten Kernkapital gezählt werden. Dies ist nach geltender Rechtslage noch bis mindestens 2013 der Fall. Doch die EBA hat für ihren Test eine eigene Kapitaldefinition gewählt, in der schärfere Vorschriften von „Basel III“ berücksichtigt werden. Basel III müssen die Banken schrittweise von 2013 bis 2019 einführen. Der Test untersucht, welche Kredit- und Wertpapierverluste wegen eines Konjunkturabschwungs Banken bis Ende 2012 drohen und ob sie diese Verluste mit ihrem Kernkapital tragen können. Die eigenwillige Kernkapitaldefinition der EBA war auch von Jochen Sanio, dem Präsidenten der deutschen Bankenaufsicht Bafin, kritisiert worden. Helaba-Chef Hans-Dieter Brenner hatte schon Anfang April durchblicken lassen, die Helaba werde den Test unter den Bedingungen der EBA nicht bestehen, da 52 Prozent des gesetzlich gültigen Kernkapitals bei der Helaba stille Einlagen seien. Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) hatte daraufhin erklärt, das Land werde seine 1,9 Milliarden Euro stille Einlage umwandeln. Am 28. April beschloss das Landeskabinett, dass die stille Einlage stärker als bisher Jahresverluste der Helaba tragen und das Land im Insolvenzfall wie ein Eigentümer herangezogen wird. Die stille Einlage wird damit, abgesehen vom Stimmrecht, dem Stammkapital gleichgestellt.

          Mit dieser Entscheidung, die stillen Einlagen für den Verlust- und Insolvenzfall zu „härten“, schien ein Durchfallen der Helaba im Stresstest abgewendet. Denn die EBA soll die verbindliche Erklärung des Landes Hessen zunächst anerkannt haben. Nach einigem Hin und Her aber zeichnete sich dann ab, dass die EBA die verbindliche Verpflichtungserklärung des Landes Hessen zur Umwandlung der stillen Einlage für den Stresstest nicht berücksichtigt. Damit war offenbar für die Helaba klar, dass sie den Stresstest nicht bestehen kann. Zuvor hatte es so ausgesehen, als ob alle 13 am Stresstest teilnehmenden deutschen Banken bestehen würden.

          Weitere Themen

          Thomas Cook ist pleite

          Reisekonzern : Thomas Cook ist pleite

          In der Nacht wurde das Aus besiegelt: Der älteste Reisekonzern der Welt steht vor der Zwangsliquidation. Das betrifft auch Zehntausende deutsche Urlauber. Condor-Ferienflieger sollen weiter im Einsatz bleiben.

          Thomas Cook kämpft ums Überleben

          Ältester Touristikkonzern : Thomas Cook kämpft ums Überleben

          600.000 Touristen könnten betroffen sein von einer Insolvenz des Reisekonzerns. Nun versucht der Verwaltungsrat, das Schlimmste zu vermeiden. Auch Staatshilfen sind im Gespräch. Immerhin versprach Condor nun, der Flugbetrieb weiter aufrecht zu halten.

          Topmeldungen

          TV-Kritik: Anne Will : Welche Zukunft hätten Sie gern?

          Wer Klimaschutzpolitik als Kampf zwischen den Generationen etikettieren will, ist schief gewickelt. Die Zahl besorgter Eltern und Großeltern, die vergangenen Freitag an der Seite von Kindern und Enkeln auf die Straße gingen, war beachtlich. Der ganzen Debatte fehlt es an Optimismus.
           Ein Flugzeug von Thomas Cook steht auf dem Rollfeld des Flughafens von Manchester.

          Reisekonzern : Thomas Cook ist pleite

          In der Nacht wurde das Aus besiegelt: Der älteste Reisekonzern der Welt steht vor der Zwangsliquidation. Das betrifft auch Zehntausende deutsche Urlauber. Condor-Ferienflieger sollen weiter im Einsatz bleiben.

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.