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Landesbank : Finanzmarktkrise belastet Bayern LB mit 4,3 Milliarden Euro

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Die Finanzkrise hat bei der BayernLB deutlich tiefer ins Kontor geschlagen als bislang angenommen. Insgesamt summierten sich die Belastungen für die zweitgrößte deutsche Landesbank bislang auf 4,3 Milliarden Euro. Das teilte die BayernLB in München mit.

          Die Finanzmarktkrise hat bei der Bayern LB weit größere Löcher in die Bilanz gerissen als bisher angenommen. Die zweitgrößte deutsche Landesbank schloss einen Verlust im laufenden Jahr nicht aus. Insgesamt summierten sich die Belastungen bis Ende März auf 4,3 Milliarden Euro. Nach heutigem Stand ist die Bayern LB damit - nach der beinahe pleitegegangenen und inzwischen verkauften SachsenLB - die am schwersten von der Kreditkrise getroffene Landesbank.

          Die Summe übersteigt selbst die jüngste Ankündigung von Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), der vier Milliarden Euro Belastung als „möglich“ bezeichnet hatte. Die kritischen Papiere sollen nun nach dem Vorbild der West LB in eine Zweckgesellschaft ausgelagert werden, für die eine Garantie von sechs Milliarden Euro notwendig wird. Diese soll zumindest zum Teil das Land und damit der Steuerzahler tragen.

          Der neue Bankchef Michael Kemmer konnte bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in München nicht ausschließen, dass die Bank in diesem Jahr in die Verlustzone rutscht. Es sei aber „unseriös“, in dieser Marktlage Prognosen zu machen. 2007 war der Gewinn bereits um über 82 Prozent auf 175 Millionen Euro eingebrochen. „Die Krise hat für die Bayern LB erhebliche Auswirkungen“, sagte Kemmer. Eine „unmittelbare Bedrohung“ für die Bank bestehe aber nicht.
          Allein in den ersten drei Monaten 2008 sind mit zwei Milliarden Euro fast so hohe Wertberichtigungen entstanden wie im gesamten vergangenen Jahr, als die BayernLB 2,3 Milliarden Euro verkraften musste. „Die Märkte sind zu Beginn von 2008 noch einmal massiv zurückgegangen“, sagte Kemmer. Er hatte Anfang März den Chefposten von Werner Schmidt übernommen, der wegen einer fehlgeschlagenen Kommunikationsstrategie in Zuge der Krise von der Landesregierung aus dem Amt gedrängt wurde. Auch andere Geldhäuser wie die Deutsche Bank hatten von Januar bis März noch einmal massive Abschreibungen verbucht.

          Rote Ampel oder rote Karte? Die BayernLB muss Belastungen in Milliardenhöhe verkraften

          EU-Kommission eingeschaltet
          Um weitere Belastungen zu verhindern, will die Bayern LB Risikopapiere von 24 Milliarden Euro in eine Zweckgesellschaft auslagern. Davon sollen rund 25 Prozent, also sechs Milliarden Euro, mit Garantien abgedeckt werden. Die Bayern LB selbst muss mit 1,2 Milliarden Euro für die zuerst entstehenden Verluste aufkommen. Wegen der Übernahme des Restes gebe es Gespräche mit den Eigentümern, sagte Kemmer. Das Land und die Sparkassen sind je zur Hälfte an der Bank beteiligt. Denkbar sei auch, dass sich Dritte - also Finanzinvestoren oder andere Banken - an den Garantien beteiligten. Die EU-Kommission sei in die Gespräche eingeschaltet. Die West LB hat ebenfalls riskante Wertpapiere ausgelagert und sich Garantien über fünf Milliarden Euro beim Land und den Sparkassen beschafft. Die EU muss noch prüfen, ob dies den Wettbewerb behindert.

          Bis jetzt sind nach Angaben der Bayern LB aus den riskanten Papieren tatsächliche Verluste von 100 Millionen Euro entstanden. Bis zum Laufzeitende der Anlagen sei nach jetzigem Stand mit Gesamtausfällen von 1,2 Milliarden Euro zu rechnen.

          „Wir müssen erst unsere Hausaufgaben machen“

          Kemmer pocht bei der Frage nach der Zukunft der Bayern LB zunächst auf Eigenständigkeit. „Eine Fusion steht momentan nicht auf der Tagesordnung. Jetzt geht es erst einmal darum, Hausaufgaben zu machen“, sagte er. Die Debatte um Fusionen von Landesbanken werde erst starten, wenn die wegen der Finanzkrise aufgetretenen Probleme aus der Welt geschafft seien. Nahezu alle Landesbanken haben mit massiven Abschreibungen zu kämpfen. Immer wieder wird spekuliert, die BayernLB plane einen Zusammenschluss mit der Landesbank Baden-Württemberg.

          Eine Kapitalerhöhung zur Stärkung der Bank schloss Kemmer aus. Allerdings könne die Lage im Falle einer möglichen Übernahme auch schnell anders aussehen. Die Münchener hatten ein unverbindliches Gebot für die Mittelstandsbank IKB abgegeben, die´selbst mit massiven Abschreibungen in Folge der Finanzkrise zu kämpfen hat.
          Mit Blick auf die Entwicklung des Kerngeschäfts zeigte sich Kemmer zufrieden. Der Zinsüberschuss stieg gegenüber 2006 um ein Fünftel auf 2,17 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss ging leicht zurück. „Die Bayern LB besteht nicht nur aus Subprime und Finanzkrise, sondern hat auch ein solides Kundengeschäft“, warb er um Vertrauen in die Bank.

          Infobox: BayernLB

          Die BayernLB ist mit einer Bilanzsumme von rund 416 Milliarden Euro und 19.200 Mitarbeitern die zweitgrößte Landesbank in Deutschland. Eigentümer sind je zur Hälfte der Freistaat und der bayerische Sparkassenverband.

          Die BayernLB ist die Hausbank des Freistaats und die Zentralbank für die 75 bayerischen Sparkassen. „Gemeinsam mit unseren Eigentümern sind wir bei der Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben tätig und unterstützen die Wirtschaft Bayerns“, heißt es in ihrer Aufgabenbeschreibung.

          Dazu ist die BayernLB auch weltweit als Geschäftsbank tätig, betreut Staats- und Kommunalkunden sowie mittlere und große Unternehmen, vergibt über die Bausparkassen Kredite an Häuslebauer und beschafft sich mit eigenen Anleihen Geld. Die in Osteuropa starke Kärntner Bank Hypo Alpe Adria, die Direktbank DKB sowie die saarländische Landesbank gehören mehrheitlich der BayernLB.

          Vorstandschef Michael Kemmer ist erst seit März im Amt. Sein Vorgänger Werner Schmidt musste nach der überraschenden Bekanntgabe der Fehlspekulationen in den Vereinigte Staaten zurücktreten. Verwaltungsratschef ist der bayerische Sparkassenpräsident Siegfried Naser, Stellvertreter der bayerische Finanzminister Erwin Huber.

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