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Laborausrüster in Corona-Krise : Sartorius zeigt sich offen für Zukäufe

Sartorius investiert zunehmend in Technologien zur Medikamentenentwicklung und zur Analyse. Bild: Sartorius AG

Kaum ein Impfstoff werde ohne Produkte von Sartorius hergestellt, sagt der Vorstandschef des Göttinger Unternehmens. Nicht nur deshalb sieht er durchaus auch Chancen in der Krise.

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          Es sind unruhige Zeiten, auch für den Göttinger Laborausrüster Sartorius, der von Waagen über Membrane bis hin zu Fermentern alles für die biopharmazeutische Produktion von Medikamenten und Impfstoffen herstellt. „Wir gehen davon aus, uns noch für einige Zeit auf erhebliche Unsicherheiten und Risiken einstellen zu müssen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des M-Dax-Konzerns, Joachim Kreuzburg, anlässlich der Zahlen für das erste Quartal. Zudem kündigte er an, die Hauptversammlung, die eigentlich für den 26. März anberaumt war, nun online abhalten zu wollen.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Interessant war dabei die Aussage, die Kreuzburg mit Blick auf die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr traf: „Es gibt drei Aspekte, die in die Entscheidung, die Dividende womöglich anzupassen, einfließen“, sagte der Manager im Gespräch mit der F.A.Z. Bisher hatte das Unternehmen eine Dividende von 0,71 Euro je Vorzugs- und 0,70 Euro je Stammaktie in Aussicht gestellt.

          Man sei zwar gut durch das erste Quartal gekommen und wage auch einen positiven Ausblick für das aktuelle Geschäftsjahr, aber es seien „unglaublich unsichere Zeiten, die schwierig vorherzusehen sind“, sagte Kreuzburg. Es gebe aber auch offensivere Argumente, die in die Entscheidung eingingen. „Es ergeben sich in solchen Zeiten auch Opportunitäten, um in Innovationen zu investieren“, sagte er. In den vorigen Jahren sei der Markt mit Blick auf Zukäufe und Übernahmen „sehr überhitzt“ gewesen, da auch Private-Equity-Unternehmen mit viel Geld am Markt gewesen seien und generell „sehr hohe Preise“ gezahlt wurden. „Wir könnten uns schon vorstellen, dass sich hier derzeit die eine oder andere Möglichkeit bietet, sich zu verstärken“, auch wenn es noch kein konkretes Übernahmeobjekt gebe.

          Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg
          Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg : Bild: dpa

          Eine dritte Stoßrichtung richtet sich auf die gesellschaftlich-soziale Verantwortung von Sartorius. Man sei erst am Anfang der Krise. „Hierzulande sehen wir die wirtschaftlichen Folgen auch dank Kurzarbeit und anderer Instrumente noch nicht so stark“, sagte Kreuzburg. Das sei aber etwa in den Vereinigten Staaten schon „ein ganz anderer Einschlag“. „Wir sehen unsere unternehmerische Verantwortung ganz praktisch, insbesondere an unseren Standorten“, sagte er. Schon vor Corona-Zeiten habe man mit Krankenhäusern und Kommunen eng zusammengearbeitet. Man überlege, wie man der sozialen Verpflichtung noch stärker nachkommen könne. In den kommenden Wochen will Sartorius einen neuen Termin für die virtuelle Hauptversammlung sowie die etwaige Dividendenanpassung mitteilen.

          „Innerhalb der nächsten Wochen“ rechnet der Manager auch mit dem 750 Millionen Dollar schweren Abschluss der Übernahme mehrerer Geschäftseinheiten des amerikanischen Unternehmens Danaher. Eigentlich hätte das schon Ende des ersten Quartals passieren sollen. Nun rechnet Kreuzburg „in Kürze“ mit der letzten Freigabe aus China. Für die Integration der Standorte – unter anderem in Amerika, Großbritannien und China – hat sich Sartorius speziell vorbereitet, Mitarbeiter geschult, IT-Systeme angepasst. „Wir mussten andere Formate finden“, die keinen persönlichen Kontakt erforderten.

          Pipettenspitzen, Membrane und Luftkeimsammler

          Auch die Prognose für das Gesamtjahr hat Sartorius nun angepasst und die Danaher-Geschäfte schon miteinbezogen. Demnach soll der Umsatz nunmehr um bis zu 19 Prozent wachsen anstatt bislang um maximal 13 Prozent. Die operative Rendite (Ebitda) soll weiterhin bei 27,5 Prozent liegen. Die Zuversicht speist Kreuzburg auch aus dem Jahresauftakt. „Wir sind in Summe sehr zufrieden mit unseren Ergebnissen des ersten Quartals und zuversichtlich für den weiteren Jahresverlauf“, sagte er. Auch die eigene Produktion und Lieferkette sei bislang nicht durch die Corona-Krise nachhaltig beeinträchtigt gewesen.

          Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 16,5 Prozent auf rund 510 Millionen Euro, der Auftragseingang erhöhte sich gar um rund ein Drittel auf rund 630 Millionen Euro. Die operative Marge (Ebitda) lag bei 27 Prozent nach 26,2 Prozent im Vorjahr. In der Laborsparte habe man im Januar und Februar in China Einbußen gehabt, die im März mit Hochlaufen der Produktionen nachgeholt worden seien. Dieser Effekt werde sich in anderen Märkten wohl zeitversetzt zeigen, so Kreuzburg.

          In der Laborprozess-Sparte habe man insofern von der Krise profitiert, als viele Kunden Lager aufgefüllt hätten und man Vorzieheffekte sehe. „Allerdings haben wir teilweise auch zusätzliche Nachfrage, beispielsweise nach Pipettenspitzen oder Membranen, die in Test-Kits verbaut werden“, sagte er. Auch biete man Geräte wie einen Luftkeimsammler an, der infektiöse Partikel in der Luft nachweist. Zudem werde generell „kaum ein Impfstoff“ ohne Produkte von Sartorius hergestellt, so dass Kreuzburg mit Blick auf die Impfstoff- und Medikamentenentwicklungen künftig auch in dem Bereich Chancen sieht.

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