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Kurznachrichtendienst : Twitter geht an die Börse

Twitter-Chef Dick Costolo Bild: dpa

Gut ein Jahr nach dem pannenreichen Börsengang von Facebook hat der Kurznachrichtendienst Twitter  seinen Börsengang bei der Aufsichtsbehörde SEC angemeldet.

          2 Min.

          Das Unternehmen teilte in einer Kurznachricht auf Twitter mit, die entsprechenden Unterlagen bei der SEC eingereicht zu haben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Anders als im Falle von Facebook hat Twitter seinen Börsenprospekt in vertraulicher Form eingereicht. Damit bleiben der Öffentlichkeit zunächst Einblicke in die Geschäftszahlen des Unternehmens verwehrt. Twitter machte sich damit eine im vergangenen Jahr eingeführte Regel zunutze, wonach Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als einer Milliarde Dollar ihren Börsengang anmelden können, ohne gleichzeitig den Prospekt zu veröffentlichen.

          Somit ist vorerst also nur klar, dass der Umsatz von Twitter nicht im Milliardenbereich liegt. Das Marktforschungsunternehmen Emarketer hat geschätzt, dass Twitter im vergangenen Jahr einen Umsatz von 288 Millionen Dollar erzielt hat. Für 2013 rechnen die Marktforscher mit 583 Millionen Dollar und für 2014 mit 950 Millionen Dollar. Twitter macht seine Umsätze mit Werbung. So werden zum Beispiel auf der Seite kleine Anzeigen geschaltet, die das Format eines Twitter-Eintrags haben.

          Offen blieb zunächst, welche Bewertung Twitter an der Börse anpeilt. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg wurde Twitter zuletzt von einem seiner Investoren mit 10,5 Milliarden Dollar bewertet.

          Täglich werden mehr als 400 Millionen „Tweets“ verschickt

          Twitter gehört zu den Aufsteigern der amerikanischen Internetbranche und hat sich in den vergangenen Jahren neben Facebook als eine der wichtigsten Online-Kommunikationsplattformen etabliert. Twitter hat auf der ganzen Welt mehr als 200 Millionen Nutzer, die jeden Tag zusammen mehr als 400 Millionen Kurznachrichten – sogenannte „Tweets“ – verschicken.

          Das Unternehmen wurde im Jahr 2006 von Jack Dorsey, Evan Williams und Biz Stone gegründet. Von den dreien fungierte zunächst Dorsey, auf den die ursprüngliche Idee für den Kurznachrichtendienst zurückgeht, als Vorstandsvorsitzender, danach rückte Williams an die Spitze. Seit dem Jahr 2010 wird Twitter von Dick Costolo geführt, der vorher bei Google gearbeitet hatte. Dorsey ist dem Unternehmen noch immer als Vorsitzender des Verwaltungsrates (Chairman) verbunden, daneben führt er das auf Online-Bezahlungssysteme spezialisierte Unternehmen Square.

          Die Anmeldung des Börsengangs kommt zu einer Zeit, in der sich der zunächst so gescholtene Börsendebütant Facebook die Gunst der Wall Street zurückerobert hat. Der Aktienkurs von Facebook war nach dem Börsengang im Mai vergangenen Jahres zunächst weit unter den Ausgabepreis von 38 Dollar gefallen. Seit einem viel besser als erwarteten Quartalsbericht vor knapp zwei Monaten ist die Aktie von Facebook aber im Höhenflug und hat in dieser Woche ein Allzeithoch erreicht. Am Donnerstag lag der Kurs bei 44,75 Dollar.

          Facebook-Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg wurde erst am Mittwoch auf einer Konferenz in San Franscisco gefragt, was er Twitter für seinen erwarteten Börsengang raten würde. Er sagte im Scherz: „Ich bin wohl der letzte, den man fragen sollte, wie man einen Börsengang reibungslos über die Bühne bringt.“ Zuckerberg sagte außerdem, im Nachhinein betrachtet sei Facebook durch die Börsennotierung ein stärkeres Unternehmen geworden.

          Medienberichten zufolge wird Goldman Sachs die führende Konsortialbank für den Börsengang von Twitter sein. Bei Facebook hatte Morgan Stanley diese Rolle.

          Sonderregeln bei Twitter-Börsengang: Der „JOBS Act“

          Twitter geht unter den Regeln des „JOBS Act“ an die Börse: „Jumpstart Our Business Startups“, zu deutsch „Starthilfe für unsere jungen Firmen“. Mit dem Gesetz, das seit vergangenem Jahr gilt, soll Unternehmen mit einem Umsatz unter einer Milliarde Dollar (750 Mio Euro) der Zugang zum Kapitalmarkt erleichtert werden. Dazu gehört, dass Firmen zunächst im Geheimen die nötigen Dokumente für einen Börsengang bei der Aufsichtsbehörde SEC einreichen können. Die SEC-Experten klopfen das Börsenprospekt dann auf Fehler wie fehlerhafte Bilanzkennzahlen ab. Das Dokument muss schließlich 21 Tage vor dem Beginn der sogenannten Roadshow veröffentlicht werden, also dem Start der Werbekampagne bei Investoren. Ein Unternehmen kann seinen Börsengang aber auch klammheimlich noch absagen. (dpa)

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