https://www.faz.net/-gqe-9584t

Jürgen Schachler im Gespräch : Kupferhütte Aurubis wandelt sich zum Metallkonzern

Bereit, sich zu wandeln: „Wir wollen nicht warten, bis der Markt uns zu Veränderungen zwingt“, sagt der Aurubis-Vorstandsvorsitzende Jürgen Schachler. Bild: Henning Bode

E-Autos, Windrädern und Smartphones sei Dank: Das Kerngeschäft brummt. Trotzdem will der Vorstand Aurubis breiter aufstellen. Der Schlüssel sind seltene Industriemetalle – und neue Partnerschaften.

          5 Min.

          Im Privatleben von Jürgen Schachler spielt die Elektromobilität noch keine Rolle. Gerade hat er sich ein neues Auto gekauft, keinen Stromer oder Hybrid, sondern einen klassischen Verbrenner, eine Mercedes E-Klasse in der Kombi-Variante. Auf der Arbeit wird das Thema für den Vorstandschef des Kupferkonzerns Aurubis dagegen immer wichtiger. Denn der staatlich forcierte Aufstieg der Elektroautos dürfte die Nachfrage nach seinem Hauptprodukt befeuern. Der Grund: In einem Stromwagen stecken bis zu 100 Kilogramm Kupfer, viermal so viel wie in Dieseln oder Benzinern. Wenn die Verkäufe steigen, könnte Aurubis profitieren. „Das wird sich positiv auf unser Geschäft auswirken“, sagt Schachler.

          Christian Müßgens
          (cmu), Wirtschaft

          Aber nicht nur die Elektromobilität, die neben dem Fahrzeugbau auch Investitionen in Ladesäulen, Stromleitungen und andere kupferhaltige Infrastruktur nach sich zieht, spielt Europas größtem Produzenten in die Hände. Landauf, landab werden Windräder in die Landschaft gestellt, die bis zu 30 Tonnen Kupfer enthalten. RFID-Chips, Smartphones und 3D-Drucker: all diese Megatrends lassen die Nachfrage steigen. Das Umfeld für Aurubis ist also günstig. Aber trotzdem will der studierte Wirtschaftswissenschaftler nicht die Füße hochlegen, im Gegenteil: Er will die ehemals als Norddeutsche Affinerie bekannte Kupferhütte effizienter machen und in Teilen neu ausrichten. „Wir wollen nicht warten, bis der Markt uns zu Veränderungen zwingt, sondern frühzeitig die Weichen stellen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Unabhängiger von Marktschwankungen

          Seit seinem Amtsantritt im Juli 2016 hat der Manager, der seine Karriere in der Chemieindustrie begann und anschließend für den Stahlkonzern Arcelor-Mittal gearbeitet hat, an Ideen für die zukünftige Ausrichtung gefeilt. Herausgekommen ist eine Strategie namens „Vision 2025“, die Aurubis breiter aufstellen und unabhängiger von Marktschwankungen machen soll. Der dafür entworfene Fahrplan, der zwar in weiten Teilen steht, an dessen Details aber noch immer gearbeitet wird, enthält eine Vielzahl von Ansätzen. Doch ein Punkt ist besonders wichtig. „Wir wollen neben Kupfer verstärkt andere Metalle verarbeiten und verkaufen“, sagt der 63 Jahre alte Manager. „Ziel ist es, Aurubis von einem Kupferkonzern zu einem Multi-Metall-Konzern zu entwickeln.“

          Im Kern geht es dabei um gefragte Industriemetalle, die schon heute in dem von Minen gelieferten Rohmaterial enthalten sind, das Aurubis an seinen Standorten zu reinen Kupferplatten, sogenannten Kathoden, verarbeitet. Iridium und Palladium, Selen, Antimon oder Wismut werden aber häufig in einem frühen Produktionsstadium abgeschieden und allenfalls in verunreinigter Form weiterverkauft. Grund ist, dass ihre Veredelung aufwendig ist und spezielle Anlagen erfordert. Um die Voraussetzungen zu schaffen, hat der Konzern unter anderem das Projekt „Future Complex Metallurgie“ gestartet, eine 320 Millionen Euro teure Investition, die die Verarbeitung komplexer Rohstoffe an den Standorten in Hamburg und dem belgischen Olen verbessern soll.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          David Schneider (r.), Robert Gentz (l.) und Rubin Ritter

          Online-Händler : 130 Millionen Euro für die Zalando-Chefs

          Die Geschäfte von Europas größtem Online-Modehändler Zalando laufen prächtig. Das zeigt sich nun auch in den fürstlichen Salären der Chefs.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.