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Künstliche Intelligenz : So soll Deutschland das KI-Rennen gewinnen

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Bild: EPA

Die Kanzlerin entwirft einen Plan, wie es Deutschland mit der kommenden KI-Weltmacht China aufnehmen kann. Dabei hapert es hierzulande schon an den Grundlagen für die künftige Ausrichtung.

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          Die Bundesregierung will alle deutschen Aktivitäten zur Künstlichen Intelligenz in Forschung und Entwicklung bündeln. Das kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel an, während sie am Sonntagabend die Hannover Messe eröffnete. Damit wolle man der Herausforderung besonders durch China begegnen; die Führung in Peking hat im vergangenen Sommer einen Plan auf den Weg gebracht, der die bislang zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bis zum Jahr 2030 zur dominierenden KI-Nation des Planeten machen soll. „Wir wollen auch im Wettbewerb bestehen und vorne mit dabei sein“, mahnte die Kanzlerin.

          Merkel und auf der französische Präsident Emmanuel Macron hatten mehrfach mehr Investitionen im Bereich der KI in Europa angemahnt. Merkel will dazu auch die Richtlinien für staatliche Beihilfen für die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) in der EU prüfen lassen. Zudem hatte sie sich dafür stark gemacht, dass strategisch wichtige Jungfirmen im Bereich der KI einen besonderen Schutz vor Übernahmen genießen.

          Merkel sagte den in Hannover versammelten Industrievertretern auch zu, die lange angekündigte steuerliche Forschungsförderung nun umsetzen zu wollen.  „Diesmal müssen wir es schaffen. Wir sprechen schon mehrere Jahre davon, um es vorsichtig zu sagen.“ Dies sei nötig, um gerade kleine und mittlere Unternehmen bei Innovationen zu unterstützen. Die Kanzlerin setzt sich seit Jahren für die steuerliche Absetzbarkeit von Forschungsausgaben ein, trifft dabei aber immer wieder auf den Widerstand von Haushaltspolitikern auch ihrer eigenen Partei. Wirtschaftsverbände fordern dagegen ebenfalls schon lange eine steuerliche Förderung von Forschungs- und Entwicklungsausgaben.

          Merkel hat die größte Investitionsgütermesse der Welt gemeinsam mit dem mexikanischen Präsidenten Enrique Pena Nieto eröffnet. Bis zum Freitag zeigen 6000 Aussteller aus mehr als 50 Ländern ihre Produkte zur Automatisierung, zur Energietechnik und zur Logistik. Im Vordergrund steht die Digitalisierung der Produktion unter dem Stichwort Industrie 4.0, das 2011 auf der Hannover Messe kreiert wurde. Stand bisher die Digitalisierung bestehender Fabriken im Vordergrund, stellen in diesem Jahr einige Hersteller weitergehende Konzepte vor. Herausragend ist Bosch mit seiner Fabrik der Zukunft, in der alles mobil und flexibel variierbar sein wird.

          Ab ins 5G-Netz

          Die Technik sei derzeit aber dem digitalen Infrastrukturausbau weit voraus. Beklagt wird abermals der zu langsame Ausbau des schnellen Internets. Aktuell geht es der Industrie aber auch um das neue Funknetz 5G. Der Zentralverband der Elektroindustrie ZVEI fordert, dass von dem zur Verfügung stehenden Übertragungsband zwischen 3,4 und 3,8 Gigahertz nicht alle 400 Megahertz vergeben werden, sondern 100 Megahertz der Industrie für lokale Anwendungen zur Verfügung bleiben.

          Am Dienstag wird auf der Messe eine branchenübergreifende „5G Alliance for Connected Industries and Automation“ ins Leben gerufen, die den industriellen Interessen stärkeres Gehör verschaffen soll. „Insgesamt muss die Politik der hohen Veränderungsgeschwindigkeit in der Wirtschaft künftig stärker gerecht werden als bisher“, fordert ZVEI-Präsident Michael Ziesemer. Es werde den industriellen Anforderungen nicht gerecht, wenn eine für Ende 2017 zugesagte Zertifizierung beispielsweise der intelligenten Stromzähler (Smart Grid Gateway) vier Monate später immer noch ausstehe. Auch Klaus Helmrich, Vorstandsmitglied der Siemens AG betonte am Vortag der Messe, dass Deutschland in der Entwicklung von Technik und Software im internationalen Vergleich eine Spitzenstellung einnehme, „die Anwendung andernorts, vor allem in China, schneller und beherzter angegriffen wird“.

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