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Künstliche Intelligenz : So soll Deutschland das KI-Rennen gewinnen

Das aktuelle Sorgenthema Nummer eins vieler Aussteller ist die Angst um den freien Welthandel. Für viele der 2600 deutschen Aussteller ist nach der EU China inzwischen der größte Exportmarkt vor den Vereinigten Staaten. Weder die Androhung von Zöllen aus Amerika sei hinnehmbar, noch andere Handelshemmnisse aus Fernost. China verlange für alle Dienste über die Cloud (Internet) eine Speicherung der Daten im Land. „Das bedeutet den Aufbau einer zweiten Serverstruktur“, beklagt Ziesemer. Auf dem BDI-Wirtschaftsforum am Vortag der Messe waren sich BDI-Präsident Dier Kempf, Landesminister Althusmann und Siemens-Chef Joe Kaeser einig, dass „die EU gefordert ist, dem Protektionismus in der Welt mit robusten Streitverfahre vor der WTO entgegenzuwirken“, wie es Althusmann formulierte. „Wir müssen im globalen Handel unbedingt wieder den Multilateralismus und speziell die Welthandelsorganisation WTO beleben“, fordert Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI.

„Wer auf Automatisierung setzt, gewinnt“

Den meisten Unternehmen bereitet der Fachkräftemangel große Sorge. Das geht aus Befragungen kurz vor der Messe hervor. Sowohl der Branchenverband ZVEI als auch der technisch orientierte VDE werden entsprechende Ergebnisse in den kommenden Tagen vorstellen. „Der Fachkräftemangel limitiert zunehmend unser Wachstum“, sagt Ziesemer. Die Schwierigkeiten werden durch die Demographie noch zunehmen – und auch durch die technische Entwicklung. Es sei eben nicht so, wie von manchen Technikkritikern befürchtet, dass weniger Arbeitskräfte gebraucht würden. Mittelbach verweist darauf, dass inzwischen die Annahme, die Maschine ersetze den Menschen abgelöst worden sei durch jene, dass die Maschine den Menschen ergänze.

In der an diesem Montag veröffentlichten Umfrage des VDE geben 90 Prozent an, dass Trends wie Elektromobilität, smart grids (intelligente Stromnetze), smart cities und Industrie 4.0 den Bedarf an Elektroingenieuren und IT-Fachleuten weiter erhöhen. Sami Atiya, Vorstandsmitglied des Elektrokonzerns ABB, verweist darauf, dass die Arbeitslosigkeit in jenen Ländern am niedrigsten sei, welche die höchste Roboterdichte hätten. „In der Summe gewinnen die Nationen, die auf Automatisierung setzen“, sagt Atiya und fügt hinzu, dass nach der Einführung des PC 1500 neue Stellenbeschreibungen in der Industrie hinzugekommen seien. „Die neuen Stellen erfordern fast alle eine höhere Ausbildung und das wird das Fachkräfteproblem noch verschärfen“, fügt Ziesemer hinzu.

Es fehlen in erster Linie Fachkräfte, die eine naturwissenschaftliche Ausbildung an der Hochschule oder in der Lehre vorweisen können. In der Elektroindustrie haben schon heute 60 Prozent der 872.000 Beschäftigten eine MINT-Ausbildung in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Beklagenswert sei der geringe Anteil von Frauen in den Mintfächern und hier besonders im Maschinenbau und der Elektrotechnik. „Maschinenbau und Elektrotechnik klingt offenbar immer noch nach dreckigen Fingern und nassen Füßen“, vermutet Ziesemer, „obwohl das heute nicht mehr zutrifft“. An diesem Image müsse man arbeiten. Schon heute sei jede dritte akademische MINT-Stelle sechs Monate unbesetzt, bevor der neue Kollege seine Arbeit aufnimmt. „Das ist angesichts der Veränderungsgeschwindigkeit in der Industrie viel zu lange.“

Dabei seien die Unternehmen nicht untätig, sondern ließen sich viel einfallen. Viele kooperierten mit Hochschulen. Mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen versuchen, ältere Mitarbeiter länger im Unternehmen zu halten. Fast 90 Prozent locken Akademiker mit besonderen Anreizprogrammen wie einer schnellen Karriere, Möglichkeiten der Teilzeit oder der Hilfe bei der Wohnungssuche. Drei von vier Unternehmen suchen auch im Ausland nach Fachkräften. Ein Zuwanderungsgesetz verbessert laut 77 Prozent der Unternehmen an der Einstellung ausländischer Fachkräfte aber nichts. Nach Ziesemers Ansicht findet man im Ausland selten die für Deutschland typische Kombination von theoretischer und praktischer Ausbildung.

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