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Künstliche Intelligenz : Mark Zuckerberg schimpft mit Elon Musk

„Wer gegen künstliche Intelligenz argumentiert, argumentiert gegen sicherere Autos“, sagt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Bild: AFP

Wenn es um künstliche Intelligenz geht, gehört der Tesla-Gründer zu den lautstark Warnenden. Der Facebook-Chef hat nun klipp und klar erklärt, wie er über solche Untergangsszenarien denkt. Die Antwort folgt prompt und ebenso deutlich.

          Eigentlich muss man sich den schillernden Technik-Unternehmer Elon Musk als Optimisten vorstellen. Mit Tesla will er die Autoindustrie umkrempeln, gerade entsteht eine riesige Fabrik („gigafactory“), in der er Batterien in sehr großer Zahl herstellen lassen möchte - und nicht nur für Fahrzeuge. Mit seiner Unternehmung Space X will er in der Raumfahrt große Geschäfte machen, visiert eine Expedition zum Mars an, sein Tunnelbohrer „Godot“ bohrt mittlerweile, sein Start-up Neuralink soll menschliche Gehirne und Computer verbinden.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          In einem Bereich macht der Milliardär, der um große Worte nie verlegen ist, jedoch seit einiger Zeit vor allem als Warnender von sich reden: Es geht um das Voranschreiten künstlicher Intelligenz. Gerade erst trat er vor einer Runde amerikanischer Gouverneure auf und bezeichnete künstliche Intelligenz als nicht weniger als die „größte Bedrohung, der wir als Zivilisation gegenüberstehen“.

          Fachleute aus diesem Bereich, vornehmlich gestandene Informatiker, mokierten sich darüber etwa über den Kurznachrichtendienst Twitter schon ausführlich. Die dort mitgeteilte Ansicht, dass Musk nicht gerade ein ausgewiesener Experte für künstliche Intelligenz sei, ist einer der freundlichen Hinweise. Nun hat sich kein Geringerer als der Facebook-Gründer und Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg in die Diskussion eingeschaltet und Musk ziemlich deutlich widersprochen.

          „Ich bin viel optimistischer“

          Während einer Facebook-Live-Unterhaltung fragte ein Zuschauer Zuckerberg, wie er über die Zukunft der künstlichen Intelligenz denkt und dabei ausdrücklich Musk zitiert. Zuckerberg antwortete nach einem Bericht des Internetportals „Inc.“: „Ich denke Menschen, die Schwarzseher sind und die versuchen, diese Untergangsszenarien hoch zu halten - ich verstehe das nicht.“ Und er fügte hinzu: „Das ist wirklich negativ, und in mancher Hinsicht, denke ich, ist es auch unverantwortlich.“

          Zuckerberg nannte dann Beispiele, wie künstliche Intelligenz das Leben vieler Menschen schon verbessert habe, etwa durch bessere Diagnosen und Therapievorschläge für Kranke. „Eine der häufigsten Todesursachen sind nach wie vor Autounfälle“, erklärte er weiter: „Wenn man das durch künstliche Intelligenz eliminieren kann, dann wird das einfach nur eine dramatische Verbesserung des Lebens der Menschen sein.“

          Generell sei er, Zuckerberg, für diese Technologie „wirklich optimistisch“: „Technologie kann immer für Gutes und Schlechtes verwendet werden, und man muss vorsichtig sein, wie man sie konstruiert und was man konstruiert und wie das dann verwendet wird. Aber einige argumentieren dafür, den Prozess zu verlangsamen, künstliche Intelligenz zu konstruieren - ich finde das einfach sehr fragwürdig.“

          Und schließlich legte Zuckerberg noch einmal nach: „Wer gegen künstliche Intelligenz argumentiert, argumentiert gegen sicherere Autos und gegen bessere Diagnosen für Kranke. Ich sehe einfach nicht, wie jemand guten Gewissens das tun kann (...) Ich bin generell einfach viel optimistischer in dieser Hinsicht als viele andere, denke ich.“

          Musk wiederum ließ die deutliche Kritik Zuckerbergs nicht an sich abperlen, sondern reagierte mittlerweile mit ebenso klaren wie persönlichen Worten. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter teilte er mit, er habe mit „Mark“ über die Sache gesprochen. „Sein Verständnis davon ist begrenzt.“

          Tatsächlich setzen sowohl Facebook als auch Tesla auf künstliche Intelligenz. Das soziale Netzwerk hat unlängst viele neue Fachleute in diesem Bereich angeheuert. Im Jahr 2013 stellte es beispielsweise mit Yann LeCun (Interview mit FAZ.NET hier) einen der Pioniere der gerade angesagten, auf künstlichen neuronalen Netzen basierenden, Methoden an. Tesla wiederum braucht solche Expertise für das autonome Fahren. Gerade erst verlautbarte das Unternehmen, mit Andrej Karpathy ebenfalls eine KI-Koryphäe engagiert zu haben als Forschungschef, der den Autopiloten voranbringen soll.

          Musk hat außerdem eine auf künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmung namens Open AI ins Leben gerufen, an der auch andere Internetinvestoren wie Peter Thiel beteiligt sind. Sie soll sich um die Erforschung einer „sicheren“ künstlichen Intelligenz kümmern. Wenn Elon Musk lautstark warnt, dürfte er denn auch neben seiner eigenen Öffentlichkeitswirkung nicht im Sinn haben, diese Technologie abzuschaffen - er ist ja selbst stark investiert. „Künstliche Intelligenz ist einer der seltenen Fälle, in denen ich denke, dass wir eine proaktive Regulierung brauchen eher als eine reaktive.“

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