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Künstliche Intelligenz : Warum Roboter jetzt sogar schwitzen

Mit Fliege und leuchtenden Augen: Ein Roboter namens Pepper Bild: Marcus Kaufhold

Die Zeiten, als Computer graue Kisten waren, sind vorbei. Roboter werden immer menschlicher: Sie sehen aus wie Menschen, sie lernen, sie springen - und die Entwicklung geht immer weiter.

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          Der Computer steht vor einer neuen Entwicklungsstufe. Nachdem sich die kleinen grauen Rechenkisten in den vergangenen Jahrzehnten als wahre Meister der Mathematik und der Textverarbeitung erwiesen haben, rücken nun die sogenannten humanoiden Maschinen ins Zentrum des Geschehens. Technologien wie Big Data und künstliche Intelligenz machen es möglich. Wissenschaftler sprechen auch gern von Cognitive Computing, selbstlernenden Systemen oder dem Machine Learning. Der deutsche IT-Branchenverband Bitkom sieht darin ein riesiges wirtschaftliches Wachstumspotential.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Während auf diesem Markt im vergangenen Jahr in aller Welt 4,3 Milliarden Euro erlöst wurden, soll die Computerindustrie mit ihren hochintelligenten menschengleichen Systemen schon in vier Jahren damit mehr als 20 Milliarden Euro umsetzen. Bis dahin werden nach Angaben der International Federation of Robotics 1,9 Millionen neue Roboter in den Fabriken rund um den Globus installiert sein. Derzeit sind alles in allem 2,6 Millionen Roboter in der Industrie im Einsatz. Allein in Deutschland werden jedes Jahr mehr als 20.000 Roboter in Fabriken und Betrieben installiert.

          Unternehmen wie Siemens, BMW, Toyota oder auch General Electrics haben schon viel Geld in die Hand genommen, um in die Forschung und Entwicklung zu investieren. Apple, Google und Samsung haben sprachgesteuerte Handys mit selbstlernenden Systemen bereits zu veritablen Alltagswerkzeugen gemacht. Solche Techniken werden nun auch bei Maschinen eingesetzt. Computer werden zu künstlichen Intelligenzsystemen weiterentwickelt - und die orientieren sich oft an der Natur.

          Kühlflüssigkeit schützt vor Überhitzung

          Gerade haben Wissenschaftler der Universität von Tokio einem ihrer menschengleichen Roboter das Schwitzen beigebracht. Die Maschine namens Kengoro ist so groß wie ein Mensch, wiegt etwas mehr als einen Zentner und hat mehr als hundert chipgesteuerte Elektromotoren unter ihrer Kunststoffhaube. Die werden durch eine sogenannte Verdunstungskälte gekühlt. Dafür fließt durch ihre porösen Aluminiumknochen gleich literweise eine Kühlflüssigkeit. Die erwärmt sich bei Bewegungen der einzelnen Teile, kühlt diese gezielt ab und verflüchtigt sich schließlich über die Oberfläche, wenn sie ausgedient hat. Ähnlich wie der Schweiß beim Jogginglauf eines Menschen soll das den Roboter vor Überhitzung schützen.

          In Australien haben Wissenschaftler der La-Trobe-Universität von Melbourne einen Roboter entwickelt, der Personalabteilungen von Unternehmen bei der Auswahl von Bewerbern für einen Arbeitsplatz helfen kann. Die Maschine namens Matilda sieht ein wenig aus wie ein zu groß geratener Reiskocher, hat zwei Augen, einen Lautsprecher und zwei Mikrofone, kann ans Internet und an große Datenbanken angeschlossen werden. Sie soll einem Job-Bewerber binnen einer halben Stunde 76 Fragen stellen, ihn bei den Antworten beobachten, das Minenspiel analysieren und Schlüsse daraus ziehen.

          Forscher in den Vereinigten Staaten haben sich die Klettertechnik der Affen zum Vorbild genommen und einen Roboter gebaut, der viel Sprungkraft besitzt. Sie haben die Maschine mit muskelgleichen Energiespeichern versehen, die es ihr ermöglicht, aus der eigenen Bewegungsenergie Reserven aufzubauen, die in den Speichern abzulegen und gezielt über eine Feder wieder abzurufen. Damit soll der Roboter die komplizierten Abläufe beim Hüpfen imitieren können. Die Maschine soll einmal bei gefährlichen Rettungsoperationen eingesetzt werden. Die Wissenschaftler tauften sie auf den Namen Salto.

          Hersteller von Industrierobotern wie Mitsubishi, Kuka oder Fanuc blicken mit Argusaugen auf diese technischen Meisterleistungen. Kein Wunder, haben sie doch seit den siebziger Jahren mit ihren Last-, Transport- und Schweißrobotern die modernen Fabriken in aller Welt ausgestattet, Produktionsabläufe verbessert und die Qualität der Produkte gehoben.

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