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Künstliche Intelligenz : 30.000.000.000.000 Rechenvorgänge in einer Sekunde

Die Daten, die dafür nötig sind, sammelt das Fahrzeug über Kameras, Radar- und Lasersensoren und über GPS. Die Signale fließen alle gleichzeitig zum „ZF Pro AI“, der daraus Zusammenhänge konstruiert und die passenden Handlungen ableitet, basierend auf Wahrscheinlichkeiten: Wie wahrscheinlich ist es zum Beispiel, dass ein Radfahrer einfach weiterfährt, obwohl er keine Vorfahrt hat? Wie wahrscheinlich ist es, dass ein still am Straßenrand stehender Mensch plötzlich auf die Fahrbahn läuft? „Ein Mensch hat einen sehr agilen Bewegungsraum und kann mit einem Schritt stehenbleiben oder auch weiterlaufen. Die Bewegungsmodelle von Fußgängern hier zu berücksichtigen ist wichtig“, sagt Gollewski über das so gesammelte Erfahrungswissen und die daraus abgeleiteten Handlungsmuster: „Das ist unser Beitrag aus unseren Simulationen und Erfahrungen in den Feldern autonomes Fahren und vorausschauender Sicherheit.“

Und so wie es heute Autos gibt, die eine bessere Kurvenlage haben oder eine sanftere Gangschaltung, so wird es künftig verschiedene Arten dieser intelligenten Systeme geben. Die Differenzierung wird dadurch entstehen, dass die Zahl und Ausprägung der Eingabesignale unterschiedlich ist, aber auch in deren Verarbeitung. Verbesserungen des Systems sind über eine Cloud-Lösung während der gesamten Lebensdauer des Geräts möglich.

Die Konkurrenz macht es vielleicht anders, aber sie schläft nicht. Delphi und Valeo, Denso und Conti: Alle befassen sich mit der Steuerung von autonomen Fahrzeugen. Auf Seiten der Chiphersteller dürften als Wettbewerber für Nvidia Motorola eine Rolle spielen oder auch Intel, die schon mit BMW und Mobileye kooperieren. Das Prognoseinstitut Gartner geht davon aus, dass in den 2020er Jahren etwa 200 bis 250 Millionen Autos als vernetzte Fahrzeuge auf Level 3 existieren werden, also solche Autos, die weitgehend selbständig auf Autobahnen fahren können, knifflige Fahrabschnitte aber dem menschlichen Fahrer überlassen. Der gerade vorgestellte neue Audi A8 befindet sich als erstes Auto auf diesem „Intelligenzniveau“.

„Das wird eines Tages Standard sein“, registriert nüchtern der ZF-Vorstandsvorsitzende Stefan Sommer: „Jetzt ist es aber der Schlüssel fürs Autonome Fahren.“ Bei ZF drückt man daher aufs Tempo, um den Markt zu besetzen. Das Gerät selbst, das im ZF-Werk Espelkamp (bei Osnabrück) hergestellt wird, dürfte gar nicht so viel kosten, erwartet man, viel weniger als ein Getriebe jedenfalls. Obwohl auch die Hardware keineswegs trivial ist.

„Künstliche Intelligenz wird alles ändern“

Vor allem müssen die High-End-Rechner ein gutes Thermomanagement haben, denn durch die extrem hohe Rechenleistungen entsteht große Wärme. Bei ZF spricht man von 30 Watt: „Damit könnte man fast ein Haus heizen.“ Außerdem muss das System in der kalifornischen Hitze funktionieren, wo an der Windschutzscheibe in der Sonne schon einmal Temperaturen jenseits von 200 Grad gemessen werden, aber auch bei nordischen Minusgraden. Außerdem muss es aushalten, was ein Auto eben so mit sich bringt: Lärm, Vibrationen und enorme Beschleunigungskräfte.

So sehr sich im Augenblick alles ums Auto dreht: ZF hat viel mehr im Blick als den autonomen Personenwagen. „Künstliche Intelligenz wird ein Game Changer auf allen Ebenen“, sagt Mamatha Chamarthi, die als CDO die Digitalisierung des ZF-Geschäfts vorantreibt. ZF habe den Vorteil, in vielen Branchen aktiv zu sein, von der Autoindustrie über Bau- und Landwirtschaft bis hin zur Industrietechnik, und entsprechende Skaleneffekte zu erzielen. Für eine intelligent gesteuerte Erntemaschinen-Flotte lässt sich die schlaue Steuerbox ebenso einsetzen wie für die bedarfsgerechte Wartung von Windparks.

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