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S-Bahn-Ausbau : Liegt das neue Stuttgart 21 in München?

Eine Journalistin fotografiert 2015 eine Computer-Darstellung des Planungsmodells für die Haltestelle Marienhof. Damals beliefen sich die Kosten noch auf 2,9 Milliarden Euro. Bild: dpa

Der Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke wird der Stadt von 2019 an Dreck, Lärm und Reisestress bringen. Das Milliardenprojekt weckt aber noch mehr Befürchtungen.

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          Im Januar soll die Schallschutzwand am Marienhof, der sich auf der Rückseite des Münchner Rathauses befindet, errichtet werden. Hinter dem 445 Meter langen und 4,50 Meter hohen Konstrukt klafft schon bald eine tiefe Baugrube. Während dort in den nächsten sieben Jahren einer von drei großen Tiefbahnhöfen der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in 40 Meter Tiefe entsteht, sollen Anwohner, Geschäftsleute und Passanten möglichst wenig unter dem unvermeidbaren Lärm und Schmutz leiden. Schon im Mai werden S-Bahn-Fahrgäste auf der bestehenden, ohnehin hoffnungslos überlasteten alten Stammstrecke zeitweise mit Einschränkungen im Fahrplan rechnen und an zwei Wochenenden in diesem Jahr ganz auf die S-Bahn verzichten müssen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          2019 wird München zur Großbaustelle und das auf alle Fälle erst einmal bis 2026. Dann soll die umstrittene zweite Stammstrecke fertiggestellt sein, zehn Kilometer lang, davon sieben untertunnelt. Die Hauptbaumaßnahmen beginnen. Am 5. April 2017 gab es am nun umzäunten Marienhof den offiziellen Spatenstich. Seitdem laufen die vorbereitenden Baumaßnahmen für das größte Baustellenprojekt seit der Fertigstellung eines damals modernen S- und U-Bahn-Systems anlässlich der Olympischen Spiele 1972. Die alte Stammstrecke galt für andere Städte als wegweisend und war für 250.000 Fahrgäste am Tag ausgelegt. Heute sind es 850.000 Menschen, die alltäglich mit Ausfällen, Verspätungen und Pannen zu kämpfen haben. Seit 16 Jahren wird an der Entlastung laboriert.

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