https://www.faz.net/-gqe-y52j

Kritik an Leiharbeit : Von der Leyen droht Schlecker

  • Aktualisiert am

Abermals in der Kritik: Die Beschäftigungsbedingungen bei der Drogeriekette Schlecker Bild: ddp

Die Drogeriekette Schlecker wehrt sich gegen Lohndumping-Vorwürfe. Demnach betreibt das Unternehmen Lohndumping durch den vermehrten Einsatz von Zeitarbeitsfirmen. Die Bundesagentur für Arbeit sieht politischen Handlungsbedarf.

          Die Drogeriekette Schlecker hat die Lohndumping- Vorwürfe von Gewerkschaft und Politik zurückgewiesen. Die Arbeitsbedingungen bewegten sich vollkommen im Rahmen des allgemein Üblichen und entsprächen darüber hinaus in jedem Fall den geltenden Bestimmungen, betonte das Unternehmen am Montag in Ehingen. Die gezahlten Stundenlöhne lägen in vielen Fallen bei bis zu 13 Euro und mehr und seien damit höher als bei Wettbewerbern. „Von Niedriglöhnen oder gar Lohndumping kann vor diesem Hintergrund keine Rede sein“, hieß es.

          Die Gewerkschaft Verdi wirft Schlecker vor, festangestellte Mitarbeiter in neue Verträge mit deutlich schlechteren Arbeits- und Einkommensbedingungen zu zwingen. Dies erfolge über die Zeitarbeitsfirma Meniar („Menschen in Arbeit“) mit Sitz in Zwickau, die einen Stundenlohn von nur 6,78 Euro zahle, sagte Verdi- Unternehmensbetreuer Achim Neumann. Im Bundesdurchschnitt liege der Tariflohn einer Verkäuferin hingegen bei 12,70 Euro. „Wir sind davon überzeugt, dass die Zeitarbeitsfirma konzernintern gegründet wurde, um Tarifverträge zu unterlaufen.“ Die Löhne seien sittenwidrig. Zudem wolle sich Schlecker einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

          BA fordert Politik zum Handeln auf

          Laut Verdi hat Meniar bislang rund 43.000 Leiharbeiter an Schlecker vermittelt. Schlecker konterte, die Gewerkschaft habe bereits in der Vergangenheit „gezielte Desinformations- und Diffamierungskampagnen“ betrieben. „Es muss befremdlich erscheinen, dass nun Politiker, deren Parteien seit langem stets die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse gefordert und gesetzlich gefördert haben, nun hier - offenkundig aus populistischen Motiven - mit einzustimmen scheinen“, hieß es weiter. Meniar sei ein konzernunabhängiger Personaldienstleister. Die Tatsache, dass der Meniar-Geschäftsführer in Ehingen ein Verbindungsbüro zu Koordinationszwecken unterhalte, sei eine „reine Selbstverständlichkeit“.

          Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verwies auf Handlungsbedarf der Politik. „Schlecker hat offenbar Stammbelegschaft entlassen, um sie dann in einer eigens gegründeten Zeitarbeitsfirma zu niedrigeren Löhnen wieder einzustellen“, sagte eine Sprecherin der Nürnberger Behörde am Montag. „Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz verbietet so etwas nicht. Hier sind politische Entscheidungen nötig.“

          Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte am Sonntagabend in der ARD an, den Lohndumping-Vorwürfen nachzugehen. „Bei Schlecker gucken wir sehr genau hin, ob da Missbrauch betrieben wird oder ob Gesetze umgangen werden. Wenn das der Fall ist, werden wir diese Schlupflöcher schließen.“ Eine Sprecherin des Arbeitsministeriums sagte am Montag in Berlin, man habe von Schlecker eine Stellungnahme eingefordert, diese liege aber noch nicht vor.

          Weitere Themen

          Jetzt wird es ungemütlich

          G-7-Gipfel in Biarritz : Jetzt wird es ungemütlich

          Bislang hat Donald Trump auf dem G-7-Gipfel in Biarritz alles und jeden gelobt. Doch an diesem Sonntag stehen die weltweiten Handelskonflikte auf der Agenda. Die Stimmung dürfte frostiger werden – auch bei Angela Merkel.

          Topmeldungen

          G-7-Gipfel in Biarritz : Jetzt wird es ungemütlich

          Bislang hat Donald Trump auf dem G-7-Gipfel in Biarritz alles und jeden gelobt. Doch an diesem Sonntag stehen die weltweiten Handelskonflikte auf der Agenda. Die Stimmung dürfte frostiger werden – auch bei Angela Merkel.

          Bundesbankpräsident Weidmann : „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Bundesbankpräsident Weidmann hält einen Großeinsatz der Geldpolitik aber für falsch. Im Interview spricht er über den drohenden Abschwung, übertriebene Angst vor Inflation – und warum die Zinsen noch tiefer sinken können.
          Der Ort Tasiilaq in Grönland

          Reaktion auf Trumps Kauf-Idee : Wem gehört eigentlich Grönland?

          Das Eis schmilzt, darunter liegen Bodenschätze – und Trump würde Grönland gern kaufen. Was die Bewohner der Insel vom wachsenden Interesse an ihrer Heimat halten, erklärt eine grönländische Filmemacherin im Interview.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.