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Kritik an „FCK-Steuer“ : „Sollen Rentner und Familien die Finanzprobleme der Roten Teufel lösen?“

Teures Vergnügen „Betze“: Bis 2036 müssen die 65 Millionen Euro für das Fritz-Walter-Stadion getilgt werden. Bild: Picture-Alliance

Die Stadt Kaiserslautern will die Grundsteuer anheben, damit der abstiegsbedrohte FCK weiter Fußball spielen kann. Für diese Ankündigung hagelt es nun heftige Kritik. Doch der Oberbürgermeister hat auch darauf eine Antwort.

          Zwar wird der Profifußball in Deutschland vielerorts mit öffentlichen Mitteln subventioniert. Aber noch nie ist eine Kommune so weit gegangen wie jetzt Kaiserslautern: Mit scharfer Kritik haben der Steuerzahlerbund sowie der Eigentümerverband Haus und Grund aus Rheinland-Pfalz auf die Ankündigung der hochverschuldeten Stadt reagiert, mit der Erhöhung der Grundsteuer Verluste aus der Vermietung des Fritz-Walter-Stadions ausgleichen zu wollen. Zu befürchten ist, dass damit indirekt der marode und abstiegsbedrohte Zweitligaklub 1. FC Kaiserslautern unterstützt würde.

          René Quante, Landesgeschäftsführer des Steuerzahlerbundes, sprach von einer „einzigen Unverschämtheit“. Den FCK-Fans in der Stadtspitze und im Stadtrat stehe es frei, ihre Privatschatulle zu öffnen und den Roten Teufeln großzügige Spenden zukommen zu lassen, wenn sie es für so dringend geboten hielten. „Aber ganz gewiss ist es nicht Sache aller Bürger, für den sportlichen Misserfolg und die Finanzprobleme des 1.FC Kaiserslautern in Haftung genommen zu werden.“ Schon ist die Rede von einer „FCK-Steuer“.

          Oberbürgermeister sieht keine Alternative

          Ähnlich argumentiert Ralf Schönfeld, Verbandsdirektor von Haus und Grund. Die Stadt Kaiserslautern sei mit der jahrelangen großzügigen Finanzhilfe für den FCK eine riskante Sportwette eingegangen. Diese Wette habe die Stadt verloren, nun sollten alle Immobilieneigentümer und Mieter in Kaiserslautern dafür bezahlen. Das sei ein Unding. „Sollen gerade Sozialschwache, Rentner und Familien mit Kindern höhere Wohnkosten hinnehmen, um die selbstverschuldeten Finanzprobleme der Roten Teufel zu lösen? Für wen will der Stadtrat Politik machen?“

          Kurt Beck (links) im Fritz-Walter-Stadion im Meister-Jahr 1998. Jahre später initiierte der damalige Ministerpräsidenten einen fragwürdigen Deal für das Stadion.

          Der Oberbürgermeister der pfälzischen Stadt, Klaus Weichel (SPD), verteidigt seinen Vorstoß und kündigte an, als Ergänzung weitere Steueranpassungen prüfen zu wollen. Die Erhöhung der Grundsteuer sei aber der „gerechteste und beste Weg“, weil sie eine breite Bevölkerungsgruppe beträfe. Es handele sich um eine „bittere Pille“, sei allerdings aufgrund der Situation „alternativlos“. Die Erhöhung soll drei Millionen Euro einspielen.

          Teures WM-Stadion ist das Problem

          Das Problem ist: Die Stadt sitzt auf dem einstigen WM-Stadion. Über einen vom damaligen SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck initiierten fragwürdigen Deal ging die Arena im Jahr 2003 zur Entschuldung des fast insolventen Vereins an die Stadt Kaiserslautern. Beck handelte damals als Mitglied und Fan des FCK. Den Kredit zum Kauf des Stadions in Höhe von 65 Millionen Euro muss die Stadt bis zum Jahr 2036 bedienen. Zugleich sackte der Klub in den vergangenen zehn Jahren aufgrund von schwerem Missmanagement ab, erhielt jedoch von der Stadt weiter unterschiedlichste finanzielle Zuwendungen.

          Nun droht wieder die Insolvenz. Während die städtische Stadiongesellschaft jedes Jahr 3,2 Millionen Euro Miete vom FCK brauchte, um ihren Kreditverpflichtungen nachzukommen, sind es derzeit nur 2,4 Millionen. Im Fall des Abstiegs in die dritte Liga bietet der Verein nur noch 425.000 Euro an. Den Verlust will das Rathaus mit einer Erhöhung der Grundsteuer ausgleichen.

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