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Adidas und Co. in der Kritik : Rette sich, wer kann?

Ein geschlossenes Adidas-Geschäft in Berlin Bild: Reuters

Vor dem Ausbruch der Corona-Krise ist unter Managern pausenlos vom „Purpose“ ihres Unternehmens die Rede gewesen. Jetzt können die Entscheider beweisen, wie ernst sie es damit meinen.

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          Diese Nachricht schlägt hohe Wellen: Adidas hat ebenso wie Deichmann oder H&M die Mieten für seine zwangsweise geschlossenen Läden ausgesetzt. Ausgerechnet der Sportartikler, der gerade erst einen Gewinn von fast 2 Milliarden Euro ausgewiesen hat, scheint also bei erstbester Gelegenheit ein Rettungsinstrument zu nutzen, das anders gedacht waren. Sollen hier mit Hilfe des Staates künftige Gewinne von Konzernen gesichert werden, wo es eigentlich um Existenzen von Mittelständlern gehen soll?

          Auch wenn Adidas-Chef Kasper Rorsted in der F.A.Z. erläutert, warum die Dinge nicht so holzschnittartig seien, wie sie scheinen mögen, ist die Empörung in der Regierung parteiübergreifend groß: CSU-Verkehrsminister Scheuer spricht von einer „völlig inakzeptablen Botschaft“, SPD-Justizministerin Lambrecht wittert einen unanständigen Missbrauch. Aus diesen heftigen Reaktionen mag auch ein Stück weit Ohnmacht sprechen. Denn der Staat hat in nie gekanntem Tempo gigantische Schutzschirme zur Rettung von Unternehmen und Arbeitsplätzen aufgespannt und auf die meisten Prüfungen verzichtet, weil es entscheidend auf die Geschwindigkeit ankommt. Nun gilt in der Wirtschaft das Motto: Rette sich, wer kann!

          Zu den ersten Kandidaten gehören Unternehmen, denen schon vor Ausbruch der Pandemie die Intensivstation drohte wie Vapiano, Douglas oder Ceconomy. Wer jedoch nicht mehr über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügte, dem werden staatliche Hilfen vielleicht Zeit bescheren, aber keine Zukunft. Für die vielen Unternehmen, die während des Daueraufschwungs klotzig verdient haben, ergibt sich dagegen aus einem marktwirtschaftlichen Verständnis heraus die Verantwortung, gewissenhaft zu prüfen, ob sie sich wirklich als Ultima Ratio aus öffentlichen Töpfen bedienen müssen – und damit einen Schuldenberg weiter auftürmen, dessen Last nachfolgende Generationen tragen.

          Oder ob die drohenden Verluste nicht doch zu schultern sind. Vor dem Ausbruch der Corona-Krise ist unter Managern pausenlos vom „Purpose“ ihres Unternehmens die Rede gewesen – vom gesellschaftlichen Wert, den das unternehmerische Treiben schaffen müsse. In der aktuellen Krise können die Entscheider beweisen, wie ernst sie es damit meinen.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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