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Krisensitzung im Aufsichtsrat : Karstadt schließt sechs Kaufhäuser

Karstadt-Filiale in Stuttgart, aufgenommen im November 2007 Bild: Picture-Alliance

Der Karstadt-Konzern verschärft seinen Sanierungskurs und schließt sechs Kaufhäuser. Insgesamt könnten 3000 Stellen gestrichen werden. Und Aufsichtsratschef Stephan Fanderl wird Geschäftsführer.

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          Der schwer kriselnde Karstadt-Konzern macht Ernst und verschärft seinen Sanierungskurs. Auf seiner Sitzung hat der Aufsichtsrat der Essener Warenhauskette am Donnerstag entschieden, sechs Häuser zu schließen. Das bestätigte das Unternehmens am Abend nach mehrstündiger Sitzung.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Vor dem Aus sollen demnach zwei klassische Karstadt-Warenhäuser und zwar die Standorte in Hamburg-Billstedt und Stuttgart stehen. Zudem werden die auf junge Mode spezialisierten „K-Town“-Filialen in Köln und Göttingen sowie die Schnäppchenmärkte in Paderborn und Frankfurt/Oder aufgegeben.

          Vom neuen Eigentümer in die Pflicht genommen

          Darüber hinaus bestätigte das Aufsichtsratstreffen die Wahl des bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Fanderl als neuen Karstadt-Geschäftsführer. Schon seit längerem galt der Handelsexperte als Kandidat für den Chefsessel. Die Suche nach einem externen Nachfolger für Eva-Lotta Sjöstedt verlief offenbar erfolglos. Beobachter rechnen deshalb damit, dass sich Fanderl jetzt vom neuen Karstadt-Eigentümer René Benko in die Pflicht nehmen lässt.

          Anfang Juli war Karstadt-Chefin Sjöstedt nach nur gut vier Monaten wieder abgetreten. Zuvor hatte der Brite Andrew Jennings drei Jahre lang vergeblich versucht, das Geschäft mit flippigen internationalen Marken zu beleben. Nachfolger von Fanderl als Vorsitzender des Aufsichtsrats wurde Wolfram Keil gewählt, der als Vertrauter Benkos gilt und auch Geschäftsführer der für das Handelsgeschäft zuständigen Benko-Firma Signa Retail GmbH ist.

          Für die 17.000 Mitarbeiter geht die Zitterpartie um den künftigen Kurs der Warenhauskette und ihre Arbeitsplätze weiter. Es könnten weitere Schließungen drohen, mehr als ein Viertel der 83 Warenhäuser gelten als gefährdet. Wettbewerber kämen auf vergleichbarer Fläche mit 20 Prozent weniger Personal aus, hatte die Karstadt-Führung mitgeteilt. Demzufolge könnten rund 3000 der 17.000 Arbeitsplätze von Streichungen betroffen sein.

          Der Konzern gehört seit August der Signa-Holding des österreichischen Immobilieninvestors Benko. Er erwarb Karstadt zum symbolischen Preis von 1 Euro von Nicolas Berggruen, der das Unternehmen 2010 aus der Insolvenz heraus übernommen hatte. Schon bei der ersten Aufsichtsratssitzung nach dem Eigentümerwechsel im September war deutlich geworden, dass der Warenhauskette ein umfassendes Restrukturierungsprogramm bevorsteht.

          In einem internen Brief stimmte auch Finanzchef Miguel Müllenbach die Belegschaft in dieser Woche auf harte Maßnahmen ein. Er sprach von entschiedenen Einschnitten bei den Personal- und Sachkosten. Karstadt arbeite nach wie vor mit Verlust. Das Ende September ausgelaufene Geschäftsjahr habe zu den schwersten der Unternehmensgeschichte gehört.

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