https://www.faz.net/-gqe-14r0y

Krisenjahr 2009 : Manager im Regen

Kämpfen bis zur letzten Minute: Der frühere Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick Bild: AP

Selten sind in Deutschland so viele prominente Vorstandsvorsitzende gestürzt wie im Krisenjahr 2009. Und selten waren personelle Veränderungen so eng mit dem Wort „Insolvenz“ verknüpft. Ein Blick auf die - zumeist tragischen - Managergeschichten des Jahres.

          9 Min.

          Selten sind in Deutschland so viele prominente Vorstandsvorsitzende gestürzt. Selten war mit den personellen Querelen so häufig das Wort von der Insolvenz verknüpft. Noch nie wurde so viel über die Entlohnung und die Leistung von Managern diskutiert, über längerfristigere Anreizsysteme, über das Versagen nicht nur von operativ verantwortlichen Chefs, sondern auch von Aufsichtsräten. Und wann jemals haben sich die Querelen an der Spitze zahlreicher Unternehmen so sehr in der Öffentlichkeit abgespielt?

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Die Betroffenen standen draußen vor der Tür, im Regen und im Sonnenschein. Aber gut waren die Nachrichten, die es zu verkünden gab, nie – oder vielleicht doch für einen, für Ferdinand Piëch, den Aufsichtsratsvorsitzenden von Volkswagen und MAN. Piëch ist der Gewinner des Jahres 2009. Dafür braucht man keine Jury: Der Österreicher mit dem eiskalten Blick steht auf dem Gipfel, und er lächelt.

          Sein Cousin Wolfgang Porsche hingegen, der Aufsichtsratsvorsitzende des Sportwagenherstellers, der seinen Namen trägt, musste am 23. Juli im strömenden Regen vor seinen Mitarbeitern stehen. Es war ein emotionaler Moment. Er hat geweint und gesagt, Porsche bleibe Porsche: „Verlassen Sie sich auf mich: Der Mythos Porsche lebt und wird nie untergehen.“ Dann haben sich alle auf dem Podium umarmt oder auf die Schulter geklopft. Die Mitarbeiter ließen das Wasser an ihren Regenschirmen herunterlaufen. Wenigstens dieses Bild hat gestimmt. Denn in Wahrheit ist in Stuttgart-Zuffenhausen, am Stammsitz von Porsche, seit diesem emotionalen Auftritt nichts mehr so, wie es früher war. In den Tagen zuvor musste Porsche sich sogar Fragen zu einer drohenden Insolvenz gefallen lassen, hatte sich mit dem angestrebten Kauf von Volkswagen übernommen, durch sein rüpelhaftes Verhalten die Bankenpartner an den Finanzmärkten verprellt – und am Ende zu allem Überfluss auch noch um Staatshilfe gebettelt.

          Eicks Vorgänger bei Arcandor, Thomas Middelhoff

          Jetzt werden die stolzen Stuttgarter einfach von VW geschluckt. Porsche wird eine Marke von vielen im großen Reich der Wolfsburger unter der Führung von Piëch, der nicht nur Aufsichtsratschef von Volkswagen ist, sondern auch Mitglied des entsprechenden Gremiums bei Porsche. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Klar war damit jedenfalls, dass Piëch so oder so auf der Seite der Gewinner stehen würde, dass er sein Ziel, die beiden auch historisch eng verbundenen Unternehmen Porsche und Volkswagen gemeinsam zu neuer Stärke zu führen, in jedem Fall erreichen würde. So, wie die Karten gelegt waren, war das Spiel von Piëch genial. Gefallen sind andere, die es gewiss auch verdient haben, doch davon später.

          Mit Megafon und roter Leiter

          Wesentlich schlechter als für Piëch waren auch die Karten für Karl-Gerhard Eick gemischt, den ehemaligen Finanzvorstand der Deutschen Telekom und danach nur sehr kurzzeitigen Vorstandsvorsitzenden des Handelskonzerns Arcandor in Essen. Eick ist, ganz anders als Wolfgang Porsche, an einem schönen Sommersonnentag im Juni mit dem Megafon auf einer roten Leiter vor seine Mitarbeiter getreten, um ihnen Mut zuzusprechen: „Wir kämpfen bis zur letzten Minute“, schallte es über die Köpfe der Angestellten hinweg, und Eicks Hemd strahlte weiß. Kurz danach ist Eick mit ein paar Millionen Euro aus seinem bestehenden Vertrag von dannen gezogen. Das war insofern korrekt, als dass ihn der Aufsichtsrat von Arcandor unter der Führung der inzwischen ebenfalls gescheiterten Banker des Bankhauses Sal. Oppenheim mit entsprechenden Zusagen gelockt hatte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Notstand ausgerufen : In Venedig wächst die Wut

          Mehr als 80 Prozent der Stadt stehen zwischenzeitlich unter Wasser, die Bewohner sind entsetzt – und sauer auf die Politik: Diese gibt zwar jetzt Millionen Soforthilfe, habe beim Hochwasserschutz aber komplett versagt und stattdessen rücksichtslos den Tourismus gefördert.

          Altmunition im Meer : Sprengstoff im Fisch

          1,6 Millionen Tonnen Munitions- und Sprengstoffreste werden in der deutschen Nord- und Ostsee vermutet. Sie lösen sich langsam auf – und belasten schon jetzt stellenweise Tiere und Pflanzen.
          Der Stoff, aus dem sich viel mehr als eine leckere Suppe kochen lässt: Hokkaido-Kürbis

          Leckeres aus Kürbis kochen : Hitze tut ihm richtig gut

          Die Kürbissaison ist auf ihrem Höhepunkt angelangt. Aber was anstellen mit den Riesenbeeren? Köche sagen: in den Ofen schieben. Wir stellen ein Rezept von Johann Lafer vor und eines, das auf Paul Bocuse zurückgeht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.