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Air Berlin in der Krise : „Wir wollen nicht verstaatlicht werden“

Air Berlin schreibt seit Jahren rote Zahlen. Bild: Reuters

Die Führung der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin verteidigt auf der Hauptversammlung eine mögliche Staatsbürgschaft. Zu einer einer anderen Option sagte der Chef nichts.

          Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin sieht keine akuten Finanzengpässe: An der Aussage vom April, dass die Liquiditätslage gesichert sei, habe sich nichts geändert, versicherte Thomas Winkelmann, der Vorstandschef der Airline auf der Hauptversammlung in London an diesem Mittwoch.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Air Berlin hat vergangene Woche eine Voranfrage auf Prüfung einer staatlichen Bürgschaft der Bundesländer Berlin und Nordrhein-Westfalen gestellt. Eine Bürgschaft wäre „willkommen“, sagte Winkelmann. Das Unternehmen, das jährlich rund 140 Millionen Euro an Zinsen zahle,  könne damit seine Bonität verbessern und die Kosten seiner hohen Schulden verringern. Bisher aber gebe es nur eine Voranfrage.

          „Diese Frage stellt sich nicht“

          „Wir wollen keine Steuergelder, wir wollen nicht verstaatlicht werden“, sagte Winkelmann in London. Das Management habe die Verantwortung für fast 8000 Mitarbeiter in Düsseldorf und Berlin, die auch Steuern zahlten. Er wollte nicht kommentieren, was die Konsequenzen wären, wenn ein möglicher Bürgschaftsantrag negativ beschieden würde. „Diese Frage stellt sich nicht“, sagte der Air-Berlin-Chef. Auch zu den Spekulationen über einen möglichen Einstieg der Deutschen Lufthansa sagte er nichts.

          Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hat die Lage von Air Berlin in dieser Woche als „prekär“ bezeichnet. „Wir prüfen allen Möglichkeiten“, erklärte Joachim Hunold, der Verwaltungsratschef der Fluggesellschaft, in London. Er verwies darauf, dass der arabische Großaktionär Etihad Airways Ende April seine finanzielle Unterstützung für Air Berlin bestätigt habe. Etihad unterstütze die neue Strategie der Fluggesellschaft „voll und ganz“.

          Winkelmann versicherte, die schweren Betriebsstörungen bei der Airline in den vergangenen Monaten seien behoben: „Air Berlin ist seit dem 1. Juni wieder das, was sie immer war: eine sichere, zuverlässige und pünktliche Fluggesellschaft“, sagte er. Das Management habe sich über die Probleme „maßlos geärgert“.

          Unter anderem wegen Personalengpässen sind bei Air Berlin im Frühjahr zahlreiche Flüge ausgefallen, die Pünktlichkeit hat ebenfalls stark gelitten. Winkelmann berichtete, Air Berlin habe in diesem Jahr in Deutschland bereits 900 Neueinstellungen vorgenommen. Die Kunden hielten Air Berlin trotz aller Probleme die Treue. „Unsere Flugzeuge sind auch heute noch zu mehr als 80 Prozent ausgelastet.“

          Air Berlin leidet unter chronischen Verlusten und milliardenschweren Schulden. Das Eigenkapital war Ende 2016 stark negativ. Eine geplante Kooperation mit dem Touristikkonzern Tui im Ferienfluggeschäft ist geplatzt. Laut Winkelmann hat die Bürgschafts-Voranfrage damit aber nichts zu tun. Das Unternehmen werde sich in Zukunft auf Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Deutschland und Europa konzentrieren. Das Ferienfluggeschäft unter der Marke Niki soll verkauft werden. Air Berlin habe „keinen Zweifel, dass Niki einen neuen Partner finden wird“, sagte Winkelmann. Finanzvorstand Dimitri Courtelis bekräftigte auf dem Aktionärstreffen, Air Berlin solle ab 2018 wieder einen Betriebsgewinn (Ebit) erreichen.

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