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Bankenbranche : Krimi um den Wechsel eines Spitzenmanagers zur UBS

Unter Beobachtung: Iqbal Khan, der neue Chef der UBS-Vermögensverwaltung, wird von seinem alten Arbeitgeber beschattet. Bild: Reuters

Es klingt wie eine Räuberpistole: Die Großbank Credit Suisse lässt Iqbal Khan nach seinem Wechsel zum Rivalen UBS beschatten. Aus einem bestimmten Grund.

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          Der Wechsel von Iqbal Khan von der Credit Suisse zum großen Rivalen UBS entwickelt sich unerwartet zu einem aufregenden Krimi mit ungewissem Ausgang. Der 43 Jahre alte Überflieger der Schweizer Bankbranche hatte Anfang Juli seinen gut bezahlten Posten als Chef der internationalen Vermögensverwaltung der Credit Suisse (CS) verlassen, um sich einer neuen Aufgabe zuzuwenden. Acht Wochen später wurde bekannt, wohin es ihn zieht: Er übernimmt Anfang Oktober die Führung der UBS-Vermögensverwaltung, die deutlich größer ist jene der CS. So weit so gut. Doch nun ist etwas passiert, das wie eine billige Räuberpistole klingt, aber tatsächlich wahr ist: Khan ist in den vergangenen Wochen von professionellen Detektiven beschattet worden. Diese haben dabei offenbar aber nicht diskret genug agiert.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Khan hat jedenfalls gemerkt, dass er observiert wird und Strafanzeige erstattet. Die Polizei nahm die Anschuldigungen ernst. Sie rückte aus und verhaftete im Verlauf dieser Woche vorübergehend drei seiner Bewacher. Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen Nötigung respektive Drohung eröffnet, bestätigte ein Sprecher gegenüber dem Zürcher Finanzblog „Inside Paradeplatz“, der am Freitagmittag als erster über die Beschattung berichtet hat. Nach Informationen der F.A.Z. hat die Credit Suisse die Detektive auf Khan angesetzt.

          Die Bank wirft ihrem früheren Vorstandsmitglied vor, einige Führungskräfte aus Reihen der CS angesprochen zu haben mit dem Ziel, sie zur UBS zu locken. Man habe klare Hinweise auf handfeste Abwerbeversuche, heißt es in gut informierten Kreisen der Credit Suisse. Die Bank sah sich daher dazu legitimiert, Khan beschatten zu lassen. Man wollte ihn wohl vor allem – gleichsam auf frischer Tat – beim Treffen mit CS-Kundenberatern ertappen.

          Credit Suisse befürchtet Abwerbeversuche

          Die Credit Suisse wirft Khan nach F.A.Z.-Informationen vor, mit seinem Verhalten gegen die Vereinbarungen im Aufhebungsvertrag verstoßen zu haben, den die Bank Ende Juni mit ihm abgeschlossen hatte. Die CS nimmt diesen Fall sehr ernst und denkt dem Vernehmen nach über juristische Schritte nach. Ein Sprecher Iqbal Khans wies die Vorwürfe als „absurd und vollkommen aus der Luft gegriffen“ zurück.

          In Aufhebungsverträgen ist oft klar geregelt, dass der Manager über eine gewisse Frist niemanden aus seinem alten Unternehmen abwerben darf. Das sind meist zwölf Monate. Falls es wirklich stimmt, dass sich Khan mit ehemaligen CS-Kollegen getroffen hat, heißt das noch nicht, dass man ihm einen etwaigen Abwerbeversuch auch hieb- und stichfest nachweisen kann. Auf der Suche nach Beweisen ist die Führung der Credit Suisse nun allerdings sehr weit gegangen: Selbst in der skandalumwitterten Schweizer Bankenszene kommt es doch eher selten vor, dass man früheren Führungskräften professionell hinterher schnüffeln lässt.

          Als eine mögliche Begründung führen Beobachter das traditionell angespannte Verhältnis der CS zur UBS an: Die CS-Führung habe sich offenbar sehr geärgert, dass Khan ausgerechnet zum größten Rivalen gewechselt ist. Das gilt insbesondere für Vorstandschef Tidjane Thiam, der Khan angeblich nicht sonderlich mochte. Gerüchten zufolge soll Khan irgendetwas gegen Thiam in der Hand haben. Dies sei der Grund dafür gewesen, dass man ihn mit einer Kündigungsfrist von nur drei Monaten habe ziehen lassen.

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