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Kreuzfahrten : Costas Erfolgsgeschichte bricht jäh ab

Da war noch alles in Ordnung: Die „Concordia“ im Jahr 2009 vor Zypern Bild: dapd

Zehn Jahre war die Schifffahrtslinie Costa auf Expansionskurs. Der Untergang des Kreuzfahrtschiffs „Concordia“ unterbricht die Erfolgsgeschichte jetzt schlagartig. Costa ist auch die Muttergesellschaft der deutschen Linie Aida.

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          Für die Genueser Schifffahrtslinie Costa ist der Untergang des Kreuzfahrtschiffs "Concordia" vor der toskanischen Insel Giglio eine jähe Unterbrechung einer jahrelangen Erfolgsgeschichte. Die Linie war seit zehn Jahren auf Expansionskurs und hatte dafür zehn neue Schiffe mit einem Wert von 5 Milliarden Euro in Auftrag gegeben, von denen die 2006 in Dienst gestellte "Costa Concordia" das erste Schiff einer neuen Generation von fünf Schiffen mit einer Länge von fast 300 Metern und Platz für 3000 Passagiere sein sollte. Das vorerst letzte dieser Art, die "Costa Fascinosa", soll im Sommer zur Jungfernfahrt starten. Für 2014 ist die Fertigstellung eines noch größeren Kreuzfahrtschiffs geplant, mit dem die Erweiterung der Flotte auf vorerst 16 Schiffe abgeschlossen werden sollte. Die Linie wollte sich in den kommenden Jahren mehr der millionenteuren Renovierung der vier älteren Schiffe zuwenden, die von 1992 bis 1996 gebaut wurden.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die spärlichen Finanzdaten, die von der Reederei in Genua veröffentlicht werden, deuten darauf hin, dass sie das Krisenjahr 2008 längst hinter sich gelassen hatte. Für die Unternehmensgruppe Costa Crociere wird als Umsatz für 2010 ein Umsatz von 2,8 Milliarden Euro angegeben, mit einem Plus von 12 Prozent gegenüber 2009. Die Zahl der Passagiere sei um 18 Prozent auf 2,1 Millionen gewachsen. Costa mit seinen bisher 14 Schiffen fungiert dabei gleichzeitig als europäische Konzernmutter für die international größte Kreuzfahrtgesellschaft Carnival Cruise mit Sitz in Miami. Damit ist Costa auch die Muttergesellschaft der in Rostock ansässigen deutschen Schifffahrtslinie Aida (acht Schiffe) und der spanischen Iberocruceros (vier Schiffe).

          Unglücksfirma sieht sich als Pionier der Kreuzfahrten

          Costa hatte in der Krise versucht, die Schiffe auf jeden Fall zu füllen und dafür bei den Preisen nachzugeben. Abnehmenden Einnahmen stand offenbar auch ein Sparprogramm im Unternehmen gegenüber. Nach der Erholung von Nachfrage und Umsatz 2009 und 2010 wurde in der Branche für 2011 von einer gewissen Stagnation und Kreuzfahrtmüdigkeit berichtet.

          Costa Crociere sieht sich als internationaler Pionier der Kreuzfahrten und war noch bis 1997 ein italienisches Familienunternehmen. Die Familie begann im 19. Jahrhundert ihre Aktivitäten im Handel mit Olivenöl. Der Name "Olio Dante" wurde früh zur internationalen Exportmarke. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb der charismatische Unternehmer Angelo Costa zwei amerikanische Marineschiffe und lancierte als neue Aktivität Schiffspassagen über den Atlantik, vor allem für italienische Auswanderer. Als deren Andrang wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs in Italien abnahm, erfand Costa für seine Schiffe die Urlaubskreuzfahrten. Die Familie brachte später die Schifffahrtslinie an die Börse und verkaufte schließlich ihre Anteile 1997 für umgerechnet 235 Millionen Euro an Carnival und einen weiteren Investor, der 2000 seine Beteiligung an Carnival weiterreichte.

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