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Kredit noch immer nicht gesichert : Durchhalteparolen im Quelle-Versand

Ihm wurde die Show vermasselt: Eigentlich wollte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer das erste Exemplar des Quelle-Katalogs mit strahlendem Lächeln entgegennehmen Bild: AP

Die Geduld der Druckereien ist fast am Ende. Seit Freitag produzieren sie den Katalog. Das Geld dafür ist immer noch nicht zugesichert. Während es bei Quelle Durchhalteparolen gibt, droht nun eine Druckerei, die Exemplare nicht auszuliefern.

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          Der Auftritt war anders geplant: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wollte am Donnerstag bei seinem Besuch im Quelle-Vertriebszentrum in Nürnberg nicht nur den ersten Herbst/Winter-Katalogs als Dankeschön für seinen Rettungseinsatz entgegennehmen, sondern auch den neuen Aufbruch für das insolvente Versandunternehmen verkünden. Doch statt in großer Siegerpose trat er als Bittsteller auf: „Ich appelliere mit großem Nachdruck an die Bundesregierung, dass sie ihre Detailprüfungen rasch abschließt und eine Entscheidung trifft.“

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Noch immer gibt es keine definitive Entscheidung über den Notkredit, der anstatt der abgelehnten Bürgschaft von Bund sowie den Ländern Bayern und Sachsen bereit gestellt werden soll (siehe auch Steinbrück lässt Seehofer und Quelle zappeln). Damit fehlt den Druckereien Prinovis und Schlott immer noch eine verbindliche Zusage von Quelle und dessen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, die Kosten für Druck, Binden und Ausliefern der insgesamt 8,7 Millionen Exemplare zu übernehmen. In diesem Katalog findet sich gesamte Quelle-Angebot für die Herbst/Wintersaison.

          Zwar wird die Produktion fortgesetzt. Doch kamen von der Schlott Gruppe AG, die einen kleineren Teil der Auflage fertigt, am Donnerstag nach dem Hick-hack auf der politischen Bühne in Berlin und Bayern scharfe Töne: „Die für morgen geplante Auslieferung der Kataloge kann erfolgen, wenn eine verbindliche Gewährleistung über die Finanzierung des Drucks vorliegt“, sagte Heiko Arnold, Finanzvorstand der Schlott Gruppe, der F.A.Z. Damit wird das Unternehmen aus Freudenstadt, das selbst in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt, die Kataloge quasi als Pfand auf dem Hof behalten, sollte der verbindliche Auftrag bis diesen Freitag nicht auf dem Tisch liegen. Vor einer Woche gab Insolvenzverwalter Görg einen „bedingten“ Auftrag für das 20 bis 25 Millionen Euro teure Katalogprojekt, weil es bisher nur mündliche Zusagen über die inzwischen abgelehnte Bürgschaft gegeben hatte.

          Im Quelle-Versandzentrum in Leipzig
          Im Quelle-Versandzentrum in Leipzig : Bild: AP

          Die Chance für die offizielle Auftragsvergabe am Freitag ist nahe null, da der Notkredit bis dahin nicht zugesagt sein wird, selbst wenn Görg genügend erforderliche Masse im Quelle-Unternehmen nach eigenen Angaben festgestellt hat.

          Wie Horst Seehofer hatte auch Görg in Nürnberg seine Zuversicht geäußert. Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers verstieg sich sogar zu der Aussage: „Wir warten stündlich auf die KfW-Kreditzusage aus Berlin.“ Das kann nicht nur geschehen, weil es noch keinen Beschluss des Bürgschaftsausschusses gibt. Es fehlt auch die erforderliche Zustimmung der EU-Kommission.

          Der Ministerpräsident ergänzte indes, dass der Druck gesichert sei. Der Druck schon, aber die Auslieferung? Anders als Schlott hält die Prinovis – das Druckerei-Gemeinschaftsunternehmen von Bertelsmann, Gruner + Jahr sowie Axel Springer – still. „Wir lassen zum jetzigen Zeitpunkt den Prozess ganz normal weiter laufen, auch weil wir uns auf die mündlichen Zusagen der unterschiedlichen Seiten verlassen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Der Kommentar bedeutet aber nicht, dass nicht doch die Produktion heruntergefahren und/oder die Auslieferung gestoppt werden kann. Die Unternehmen befinden sich in einer äußerst unangenehmen Situation: Ihnen könnte der Schwarze Peter für das endgültige Quelle-Schicksal zugeschoben werden, sollten sie so handeln.

          Dabei muss ausgerechnet die Druckerei-Branche herhalten, die ihrerseits mit schwerwiegenden konjunkturellen und strukturellen Problemen zu kämpfen hat. Schlott-Vorstandsvorsitzender Bernd Rose war am Donnerstag nicht zu erreichen, weil er mit Gewerkschaft und Betriebsräten über den Abbau von 350 Arbeitsplätzen verhandeln musste. Prinovis hat mit seinen fünf Druckstandorten und 3700 Mitarbeitern ebenso Probleme. An den Standorten Ahrensburg und Itzehoe mit insgesamt 1500 Mitarbeitern muss gegenwärtig zum Teil kurz gearbeitet werden.

          Beide Druckereien sind dennoch für den langjährigen Kunden in Vorleistung getreten, weil Quelle ganz einfach die Zeit zerronnen ist. Denn die Kataloge müssen vor dem Beginn der Sommerferien bei den Kunden sein. Einmal hatte das Fürther Versandhaus gedacht, die Auslieferung reiche auch Ende der Sommerferien. Den Fehler hatte Quelle mit einem empfindlichen Auftragseinbruch bitter bereut – und nie wiederholt.

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