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Glyphosat-Prozess : Krebskrankes Ehepaar fordert eine Milliarde Dollar von Bayer

  • Aktualisiert am

Monsantos Unkrautvernichter Roundup Bild: Reuters

Ein Ehepaar verklagt Bayer wegen des Unkrautvernichters Roundup auf eine Milliarde Dollar. Falls die beiden Recht bekommen, würde das den Druck auf den Konzern weiter erhöhen. Am Ende könnte es für Bayer noch viel teurer werden.

          Die Anwälte der Gegenseite im dritten Glyphosat-Prozess gegen die Bayer AG haben eine Bußzahlung von einer Milliarde Dollar gefordert. Das Unternehmen Monsanto, das seit dem vergangenen Jahr zu Bayer gehört, soll über Jahrzehnte die Gesundheitsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittels Roundup verschleiert haben.

          Die Kläger, das ältere Ehepaar Alva und Alberta Pilliod, behaupten, dass sie an Krebs erkrankt seien, weil sie dem Monsanto-Unkrautvernichter Roundup ausgesetzt waren. In zwei vorangegangenen Roundup-Verfahren wurde Bayer zur Zahlung von insgesamt 159 Millionen Dollar verurteilt.

          Der Anwalt des Paares, Brent Wisner, erklärte, dass die Milliardenforderung auf dem Profit von Monsantos Abteilung für landwirtschaftliche Chemikalien basiere. Der hatte vor Steuern im Jahr 2017 892 Millionen Dollar betragen. „Das ist eine Zahl, die einen Unterschied macht“, sagte Wisner am Mittwoch. Er forderte außerdem weitere 55 Millionen Dollar als Schadenersatz für die finanziellen Schäden, die dem Ehepaar Pilliod unter anderem durch Krankenhausaufenthalte entstanden waren, sowie für immaterielle Schäden durch Schmerzen. Wisner argumentierte, dass Monsantos interne Dokumente und Daten „Manipulation und Fabrikation“ wissenschaftlicher Ergebnisse belege.

          Bayer-Aktienkurs fällt weiter

          Investoren verfolgen die Entwicklungen in den kostspieligen Roundup-Verfahren sehr genau. Die Bayer-Aktie verlor am Donnerstag 2,6 Prozent an Wert. Seit dem Monsanto-Kauf im Juni ist der Kurs der Aktie um etwa 40 Prozent gefallen.

          Bayer-Anwalt Tarek Ismail versuchte am Mittwoch hingegen, Zweifel am Argument der Pilliods zu schüren, dass sie das Non-Hodgkin-Lymphom nicht auch dann entwickelt hätten, wenn sie nicht über 30 Jahre Roundup bei Gartenarbeiten eingesetzt hätten. Er sagte, dies sei ein unlogischer Schluss, da Alva Pilliods geschwächtes Immunsystem ihr Krebsrisiko deutlich erhöht habe.

          BAYER

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          Ismail zitierte aus Pilliods Krankengeschichte, die 22 verschiedene Hautkrebsarten, fünf Hirninfektionen, andere Vireninfektionen sowie Colitis umfasst: „Wie jemand hier stehen kann und die Belege für ein geschwächtes Immunsystem abstreiten kann, ist unglaublich.“ Alberta Pilliod habe geraucht, seit sie 20 Jahre alt war, und ebenfalls ein erhöhtes Krebsrisiko gehabt. Er wies auf die Aussage eines Arztes hin, der darlegte, die Art des Krebses, an der das Paar erkrankt sei, stehe nicht in Verbindung mit Unkrautvernichtern.

          Baumann unter Druck

          Der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann sieht sich erhöhtem Druck der Anleger ausgesetzt, seitdem sein Unternehmen mit Monsanto auch zahlreiche Gerichtsverfahren übernommen hat. Das Unternehmen aus St. Louis ist der Beklagte in amerikanischen Verfahren zu Roundup. Aktuell gibt es 13.400 Kläger, die Zahl steigt aber stetig weiter.

          Bayer bestreitet, dass Roundup krebserregend ist. Das Unternehmen hofft auf einen juristischen Sieg, der Baumann ein wenig Luft verschaffen könnte. Eine dritte Niederlage könnte den Druck auf Bayer erhöhen, einem globalen Vergleich zuzustimmen. Das könnte das Unternehmen 5 Milliarden Dollar kosten, glauben Analysten.

          Kläger-Anwalt Wisner präsentierte derweil Beweismaterial, dass frühere Jurys nicht gesehen hatten, unter anderem interne E-Mails und Werbematerialien des Konzerns. Er spielte ein Monsanto-Werbevideo, in dem ein Mann in kurzen Hosen und einem kurzärmligen Hemd Unkraut vernichtet. Monsantos eigene Studien hätten aber empfohlen, dass bei der Arbeit mit den Chemikalien Stiefel und Overalls getragen werden müssen. „Das ist absichtliche und wissentliche Vernachlässigung der Sicherheit von Menschen und es ist direkt mit den Pilliods verknüpft“, sagte Wisner.

          Eine Bußzahlung von einer Milliarde Dollar könnte Bayer möglicherweise anfechten, weil amerikanische Gerichte in der Vergangenheit der Auffassung waren, dass Bußzahlungen die Höhe des Schadenersatzes nicht um mehr als das Zehnfache überschreiten sollten.

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