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Krankenkassen : Dicke Prämien trotz großer Krise

Nicht mehr im Schatten: Die Barmer-Führungskräfte können sich über 25.000 Euro Bonus freuen Bild: dpa

Jedes Jahr müssen Krankenkassen und Ärzteverbände offenlegen, wie viel Geld ihre Chefs verdienen. Die Gehälter sind weiter üppig - während wie bei der Barmer GEK aus Kostengründen gleichzeitig Tausende Stellen abgebaut werden.

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          Jedes Jahr Anfang März müssen Krankenkassen und Ärzteorganisationen bekanntgeben, was ihre Vorstände im Jahr zuvor verdient haben. Die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte die Regel vor zehn Jahren eingeführt. So soll mehr Transparenz entstehen, die Einkommen der Selbstverwalter sollen vergleichbar gemacht und es soll für Finanzdisziplin gesorgt werden. Schließlich werden die Gehälter, Boni, Zulagen, Pensionsansprüche, Übergangsgelder, Dienstfahrzeuge und Entschädigungen bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Amt aus Mitteln der Beitragszahler aufgebracht.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Mit der Transparenz ist es bei Einzelmeldungen von 133 Kassen und ihrer Bundesverbände sowie der Datenblätter der je 18 Vereinigungen der Kassenärzte und Zahnärzte aber nicht weit her. Denn Veränderungen zum Vorjahr werden nicht ausgewiesen. Ein Jahresvergleich der im Bundesanzeiger veröffentlichten Daten lohnt deshalb. Er bringt manche Überraschung an den Tag, auch wenn sich am Aufbau der Einkommenspyramide nichts ändert: Ganz oben stehen die Vertreter der Ärzte und Zahnärzte mit mehr als 300.000 Euro Jahresgehalt, dahinter kommen die Chefs der großen Kassen.

          Mit dem Stellenabbau habe die Prämie nichts zu tun

          Unter den Kassenmanagern steht Jens Baas ganz oben. Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, die seit Jahresbeginn so viele Versicherte wie sonst keine Kasse zählt, bekam voriges Jahr 289.000 Euro überwiesen, das waren 12.000 Euro mehr als im Vorjahr. Knapp dahinter folgt Christoph Straub von der Barmer/GEK. Er und seine beiden Vorstandskollegen haben 2013 wohl den größten Gehaltssprung gemacht. Statt wie zuvor auf 249.999,96 Euro Jahressalär brachte Straub es 2013 auf knapp 283.000 Euro.

          Das waren 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie seine beiden Vorstandskollegen bekam er unter anderem eine Erfolgsvergütung von 25.000 Euro. Die Barmer/GEK hatte unlängst wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage Entlassungen angekündigt. Bis 2018 sollen 3.500 der knapp 17.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, das Geschäftsstellennetz auf 400 halbiert werden. Ein Sprecher sagte, damit habe die Prämie nichts zu tun. Sie sei vielmehr eine Anerkennung für den seit Mitte 2011 vollzogenen Umbau der Hauptverwaltung, die damit einhergehende Produktoffensive und den neuen Markenauftritt der Kasse.

          Bei den Ortskrankenkassen ist das Bild gemischt

          „Dafür gab es den Bonus.“ Mit einigem Abstand folgen die Vorstände anderer großer Ersatzkassen. Ihre Zuwächse bewegen sich eher im Bereich des Inflationsausgleichs: DAK-Vorsitzender Herbert Rebscher verdiente 247.000 Euro, sein Kollege Ingo Kailuweit von der KKH 204.000 Euro. Auch diese beiden Kassen stecken seit Jahren in der Umstrukturierung. Beim Spitzenverband der Kassen bringen die drei Vorstände bis zu 240.000 Euro nach Hause, 5.000 Euro mehr als im Vorjahr.

          Bei den Ortskrankenkassen ist das Bild gemischt. In vielen Fällen wurden nur geringe Gehaltsanpassungen vorgenommen. Die Vorstände des Bundesverbands bekamen wie im Vorjahr 180.000 Euro Gehalt und eine Prämie von 35.000 Euro. Vorstände der AOK Hessen, Nordost, Niedersachsen und Baden-Württemberg konnten sich dagegen über Zuwächse freuen. So gab es in Stuttgart für AOK-Landeschef Christopher Hermann zum Fixgehalt von 172.500 Euro noch eine Prämie von 51.000 Euro, 11.500 Euro mehr als im Vorjahr.

          Nachmeldungen von Prämien sind kein Einzelfall

          Variable Vergütungen sind auch bei den Betriebskrankenkassen (BKK) beliebt. Die wohl höchste bekam der Chef der Energie-BKK, Dieter Poppe, der Anfang dieses Jahres nach 25 Jahren aus dem Amt schied. Sein Bonus von 74.200 Euro entsprach rund 60 Prozent des Festgehalts. Auch sonst sind Betriebskrankenkassen kreativ. So meldet die BBK firmus (wie die Siemens BKK), abweichend von üblichen Gepflogenheiten, kein Jahresgehalt, sondern 13 Monatsgehälter.

          Doch die 164.450 Euro sind längst nicht alles. Die BKK meldet für das vorvergangene Jahr eine Prämie von 30.000 Euro nach. Solche Nachmeldungen sind kein Einzelfall. So berichtete die BKK Linde im Januar 2014 nachträglich für 2012 von einer Bonuszahlung an den Vorstand von knapp 40.000 Euro. Dessen Entgelt 2013 betrug übrigens 126.360 Euro. Nur wenige in der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens durchbrechen die Marke von 300.000 Euro.

          Die drei Vorstände der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) gehören dazu. Sie kommen samt Prämie von knapp 51.000 Euro auf 305.000 Euro. Mehr verdient hat nur der soeben aus dem Amt geschiedene Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). 335.000 Euro schlugen 2012 zu Buche.

          In den 17 Kassenärztlichen Vereinigungen schwankten die Jahresbezüge der Vorstandsvorsitzenden zwischen 257.000 Euro in Bayern und 170.000 Euro in Baden-Württemberg. Was die KBV und ihre 17 Regionalorganisationen ihren Vorständen 2013 überwiesen haben, blieb bis Dienstag allerdings im Dunkeln. Die Daten, die laut Gesetz „jährlich zum 1. März“ veröffentlicht werden müssen, sollen laut KBV zur Monatsmitte verbreitet werden.

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