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Krankenhaus-Übernahme : Fresenius will privater Klinik-Riese in Europa sein

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Noch mächtiger: Der in Bad Homburg ansässige Gesundheitskonzern Fresenius Bild: dpa

Still haben die Spitzen von Fresenius und Rhön-Klinikum einen Plan ausgeheckt, der nun überrascht: Fresenius übernimmt nicht den Klinikbetreiber selbst, sondern 43 Krankenhäuser. Ein Coup.

          Ein neuer Krankenhaus-Gigant entsteht: Der Gesundheitskonzern Fresenius kauft für gut drei Milliarden Euro 43 Kliniken der Krankenhausbetreibers Rhön-Klinikum. Das Geschäft, das beide Konzerne in der Nacht zum Freitag um 0.52 Uhr verkündeten, nimmt der monatelange Kampf um die Vorherrschaft am deutschen Klinikmarkt eine unerwartete Wendung: „Die Blockade ist aufgehoben - die Kuh ist vom Eis“, sagte ein Beteiligter.

          Fresenius wollte noch im vergangenen Jahr Rhön-Klinikum selbst übernehmen, scheiterte damals aber daran, dass sich der Wettbewerber Asklepios in letzter Minute in die fränkische Klinikkette eingekauft hatte. Kürzlich kündigte der Medizintechnikkonzern B. Braun dann an, seinen Anteil an Rhön auf mehr als 25 Prozent aufzustocken - damit hätte der Konzern einen Verkauf von Rhön dauerhaft verhindern können. Braun und Asklepios wollten verhindern, dass ein aus ihrer Sicht übermächtiger Anbieter auf dem deutschen Klinikmarkt entsteht.

          Die Spitzen von Fresenius und Rhön haben in den vergangenen Monaten mit ihren Juristen jedoch in aller Stille einen Plan ausgeheckt, der nun überrascht: Der im Dax notierte Konzern übernimmt eben nicht den gesamten Rhön-Konzern, sondern nur viele Kliniken. Die Aufsichtsräte und Vorstände beider Unternehmen hätten das Geschäft bereits abgesegnet und entsprechende Verträge unterschrieben, sagte ein Fresenius-Sprecher. Eine Zustimmung der Rhön-Aktionäre sei nicht mehr nötig.

          Rhön will sich auf Spitzenmedizin konzentrieren

          Fresenius erwirbt 43 Kliniken und 15 medizinische Versorgungszentren, die im laufenden Jahr zusammen einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 250 Millionen Euro und einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro erzielen sollen - das entspricht rund zwei Dritteln der Gesamterlöse von Rhön. Fresenius legt dafür 3,07 Milliarden Euro auf den Tisch.

          Rhön will sich in Zukunft vor allem auf Krankenhäuser konzentrieren, an denen Spitzenmedizin und universitäre Forschung betrieben wird. Die Basis des nun deutlich kleineren Konzerns bilden die Häuser in Bad Berka und Frankfurt/Oder, der Stammsitz in Bad Neustadt sowie die Universitätskliniken in Gießen und Marburg. Die „neue Rhön“ startet mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro und rund 15.000 Mitarbeitern.

          Das Bundeskartellamt muss noch grünes Licht für das Geschäft geben. Bei bestimmten Krankenhäusern ist auch die Zustimmung der ehemaligen Eigentümer nötig, meist der jeweiligen Kommune. Fresenius will den „überwiegenden Teil der Transaktion“ bis Ende des Jahres über die Bühne bringen.

          Der Traum der Rhön-Gründers wird wahr

          Die Fresenius-Tochtergesellschaft Helios wird nach der Übernahme mit 117 Kliniken und einem Umsatz von rund 5,5 Milliarden Euro der größte private Klinikbetreiber in Europa sein. In Deutschland wird Helios als erster Anbieter ein flächendeckendes Kliniknetz betreiben und kann somit Angebote wie eine private Zusatzversicherung für gesetzlich Versicherte einführen. Damit wäre ein großer Traum von Rhön-Gründer Eugen Münch erfüllt, der den Verkauf an Fresenius vor rund zwei Jahren einfädelte.

          „In Zukunft wird die Mehrheit der Menschen in Deutschland binnen einer Stunde eine Helios-Klinik erreichen können“, erklärte Fresenius. Zudem will der Konzern künftig eng mit den verbliebenen Rhön-Kliniken zusammenarbeiten und ist offen, auch weitere Krankenhäuser in dieses Netzwerk aufzunehmen. Die Übernahme sei „ein bedeutender Schritt im weiteren Ausbau unseres Krankenhausgeschäfts“, sagte Fresenius-Chef Ulf Schneider. Der Zukauf, der ausschließlich über Fremdkapital finanziert wird, werde sich bereits im ersten vollen Jahr nach seinem Abschluss positiv auf das Ergebnis je Aktie auswirken. Einmalige Aufwendungen in Höhe von rund 80 Millionen Euro vor Steuern sind dabei allerdings nicht eingerechnet.

          Schneider hat den Konzern aus dem hessischen Bad Homburg in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Milliarden-Übernahmen zu einem globalen Firmenkonglomerat ausgebaut. Die in aller Öffentlichkeit gescheiterte Übernahme von Rhön-Klinikum im Jahr 2012 war für ihn ein großer Rückschlag, den er aber allem Anschein nach bestens weggesteckt hat.

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