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Krankenakten : Drogeriekette Müller soll Daten ausgeforscht haben

  • Aktualisiert am

Hat auch Müller illegal Daten gesammelt? Ein Bericht legt dies nahe Bild: Dieter Rüchel / F.A.Z.

Die Serie der Datenaffären in deutschen Unternehmen scheint kein Ende zu nehmen. Nach Lidl und Daimler soll nun auch die Drogeriekette Müller illegal die Krankendaten ihrer Mitarbeiter gesammelt haben.

          Die Serie der Datenaffären in deutschen Unternehmen scheint kein Ende zu nehmen. Nach Lidl und Daimler soll nun auch die Drogeriekette Müller illegal die Krankendaten ihrer Mitarbeiter gesammelt haben. Die Gewerkschaft Verdi glaubt, derartige Praktiken könnten im Handel sogar noch weiter verbreitet sein.

          Die Drogeriekette Müller kam nun durch einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ ins Visier. Das Blatt schreibt, ihm liege ein Formular mit der Überschrift „Krankenrückkehrgespräch“ vor, mit dem Beschäftigte Auskunft geben müssen. Wer wegen Krankheit fehle, werde nach seiner Rückkehr zum Gespräch mit den Vorgesetzten gebeten, zitierte die Zeitung einen Mitarbeiter, der aus Angst um seinen Arbeitsplatz seinen Namen nicht nennen wolle.

          Der Fragebogen werde gemeinsam ausgefüllt und von beiden Gesprächsteilnehmern unterzeichnet. Unter anderem soll der Mitarbeiter dem Bericht zufolge Auskunft geben, ob er wegen „derselben Ursache im laufenden Kalenderjahr bereits krank gewesen“ oder „die Genesung vollständig abgeschlossen“ sei. Die Müller-Geschäftsführung habe Anfragen zu den Krankenrückkehrgesprächen am Freitag unbeantwortet gelassen, schrieb die Zeitung. Müller beschäftige 18.000 Mitarbeiter.

          Laut Verdi kein Einzelfall

          „Solche Fragebögen sind illegal“, wurde Rainer Dacke von der Gewerkschaft Verdi zitiert. Woran ein Beschäftigter leide und ob er wieder vollständig gesund sei, gehe den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an (siehe dazu auch: Krankheit und Sexualleben sind Privatsache). Dacke liegen laut dem Blatt Hinweise von Mitarbeitern vor, wonach solche Gespräche zum Krankheitsverlauf bei der Drogeriekette üblich seien. „Viele der Betroffenen trauen sich nicht, solche Auskünfte zu verweigern, obwohl sie wissen, dass dies gesetzlich nicht zulässig ist“, sagte Dacke.

          Das gezielte Ausforschen und Sammeln von Krankendaten sei im Handel weit verbreitet. Auch beim Müller-Konkurrenten Schlecker führten leitende Angestellte Buch über die Krankheiten ihrer
          Untergebenen, sagte Dacke laut der Zeitung.

          Auch Mercedes sammelte Krankheitsdaten

          Zuletzt war bekanntgeworden, dass auch das Mercedes-Werk in Bremen illegal Krankheitsdaten sammelte. Der Konzern hatte am vergangenen Mittwoch einen entsprechenden Bericht von „Radio Bremen“ bestätigt. Erst im Januar war der Autobauer vom baden-württembergischen Datenschutzbeauftragten wegen rechtswidriger Speicherung und Weitergabe von Gesundheitsakten der Beschäftigten im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gerügt worden.

          Im Mercedes-Werk in Bremen wurden im Frühjahr vergangenen Jahres trotz anderer Anweisung Mitarbeiterdaten unzulässig gespeichert und außerhalb des Unternehmens gebracht. Mindestens eine Abteilung mit mehr als hundert Mitarbeitern habe Krankendaten der Beschäftigten illegal erfasst. Eine CD-Rom mit Beweismaterial sei dem Sender anonym übermittelt worden. Vorgesetzte hätten ihre Kollegen über Einzelheiten ihrer Krankheiten gefragt. Anschließend seien die Daten auf einer wöchentlichen Sitzung ausgewertet worden. Daimler erklärte, es handle sich dabei um einen bereits aufgeklärten Einzelfall aus dem Bereich Werkssicherheit aus dem April 2008. Datenaffären hatten zuvor auch schon die Deutsche Bahn, die Deutsche Telekom und Lidl erschüttert.

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