https://www.faz.net/-gqe-y4fu

Kräftemessen der Messen : China plant die größte Messe der Welt

Das neue Megavorhaben soll in Schanghai entstehen Bild: AFP

Kein anderer Auslandsmarkt ist für die deutschen Messegesellschaften so wichtig wie China. Doch jetzt droht Konkurrenz im Land selbst, denn die Volksrepublik plant den Bau des größten Ausstellungsgeländes der Welt.

          Kein anderer Auslandsmarkt ist für die deutschen Messegesellschaften so wichtig wie China. Doch jetzt droht Konkurrenz im Land selbst, denn die Volksrepublik plant den Bau des größten Ausstellungsgeländes der Welt. Damit fiele die Deutsche Messe AG in Hannover, die bisher der unangefochtene Marktführer ist, auf Platz zwei zurück.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Noch ist Fernost für die deutschen Messeveranstalter ein wahres Juwel. In keinem anderen Land halten sie mehr Eigenveranstaltungen ab als hier, auch bei den Gemeinschaftsauftritten der Veranstalter, dem Auslandsmesseprogramm, liegt die Volksrepublik vorn. „China rangiert für unsere Mitglieder seit Jahren an der Spitze“, sagt Marco Spinger, Leiter Globale Märkte im Messeverband Auma.

          Die Bedeutung zeigt sich auch darin, dass die deutschen Gesellschaften nirgendwo sonst an einem derart großen Gelände beteiligt sind wie in Schanghai. Seit 2001 halten die Messen Hannover, Düsseldorf und München 50 Prozent am Shanghai New International Expo Centre (Sniec). Das Areal in der östlichen Stadthälfte Pudong gilt als sehr erfolgreich. Seit 2003 fährt das Gemeinschaftsunternehmen Gewinne ein. Die Auslastung gilt als die höchste der Welt. Bis November will man die Hallenfläche auf 200.000 Quadratmeter erweitern.

          Hallenkapazität von 500.000 Quadratmetern

          Damit dürfte sich das Sniec von Platz 24 auf Rang 14 der größten Gelände der Welt katapultieren. Schon jetzt ist die Messe die führende in Asien hinter jener in Kanton, die international Position 3 belegt. Doch gegen das neueste Projekt in China verblassen selbst solche Rekorde: Die Zentralregierung plant ein Terrain mit einer Hallenkapazität von 500.000 Quadratmetern und damit die größte Messe der Welt. Noch hält die Deutsche Messe AG in Hannover diesen Titel mit 495.300 Quadratmetern.

          Nicht nur ihre Marktführerschaft ist gefährdet, sondern möglicherweise auch der Erfolg in Schanghai, denn das Megavorhaben soll ebenfalls dort entstehen. Nach Angaben des Handelsministeriums ist der Bau in der Entwicklungszone Hongqiao in Schanghais Westhälfte Puxi geplant. Nach Presseinformationen betragen die Investitionen 23 Milliarden Yuan (2,5 Milliarden Euro). Das Projekt werde noch in diesem Jahr beginnen und 2015 eröffnen. Die Zentralregierung übernehme 60 Prozent an dem Vorhaben, den Rest die Stadt. Das Areal sei nötig, da der Ausstellungsbedarf jedes Jahr um 15 bis 20 Prozent wachse.

          „Ein unnötiges Vorzeigeprojekt“

          Genau das aber bezweifeln Fachleute. „Das ist ein weiteres unnötiges Vorzeigeprojekt“, sagt Max Henry, Chef des Global Supply Chain Council in Schanghai. „Schon jetzt gibt es riesige Überkapazitäten.“ Die Lage sei noch schlechter geworden, seit die für die Weltausstellung gebauten Hotels große Kongresshallen unterhielten und der Themenpavillon der Expo als Ausstellungsfläche diene. Er ist 80.000 Quadratmeter groß.

          Henry vermutet hinter dem Projekt zweierlei: alte Rivalitäten zwischen Puxi und Pudong und ein zunehmendes Interesse der Zentralregierung am Messegeschäft. Möglicherweise wolle man auch zeigen, dass man künftig ohne ausländische Hilfe in Chinas wichtigstem Wirtschaftszentrum Messen ausrichten könne.

          Die Deutsche Messe in Hannover weist die Bedenken zurück. „Der Kuchen ist groß genug für zwei große Messegelände, unseres und das in Hongqiao“, sagt der für das Auslandsgeschäft zuständige Vorstand Andreas Gruchow. „Schließlich hat der Großraum Schanghai ein Viertel der Einwohnerschaft von Deutschland.“ Bis 2025 werde sich der Messebedarf in der Region verdoppeln. „Gefährdet sind höchstens die veralteten Gelände, aber sicher nicht das hervorragend positionierte Sniec.“

          Gruchow gesteht aber ein, dass es in China nicht eine einzige Veranstaltung gibt, die das geplante Riesengelände in Hongqiao füllen könnte. Ob das Terrain wirklich so groß werde, müsse sich erst erweisen. „Und falls doch: Unser Herzblut hängt nicht am Weltmeistertitel. Wichtiger als die Größe eines Geländes ist, dass man es sinnvoll nutzt.“

          Weitere Themen

          Kampf gegen den Dampf Video-Seite öffnen

          San Francisco : Kampf gegen den Dampf

          Nicht nur das Rauchen, auch die Herstellung von E-Zigaretten wird in San Francisco verboten. Eine schwierige Situation für die Ortsansässigen wie Juul Labs, einer der größten Hersteller von E-Zigaretten.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.