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Kostensenkung : Deutsche Bank schließt jede fünfte Filiale

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Eine Filiale der Deutschen Bank in der Frankfurter Innenstadt Bild: dpa

Die Deutsche Bank will mehr als 100 Zweigstellen in Deutschland schließen. Die Commerzbank arbeitet angeblich an noch herberen Einschnitten.

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          Nach der Commerzbank verschärft nun auch die Deutsche Bank ihre Sparpläne im deutschen Filialgeschäft. Die Bank will jede fünfte Filiale in Deutschland schließen. „Wir planen, die Zahl der Filialen so rasch wie möglich von gut 500 auf etwa 400 zu verringern“, sagte Philipp Gossow, Leiter des Privatkundengeschäfts der Marke Deutsche Bank, der Nachrichtenagentur Reuters. „Das wollen wir hauptsächlich in Städten tun, in denen wir ohnehin mit mehreren Filialen vertreten sind.“ In ländlicheren Gebieten wolle die Bank bleiben, um ein flächendeckendes Filialnetz zu erhalten. Mit den Schließungen sei auch ein Stellenabbau verbunden, die Zahl der Berater solle aber stabil bleiben. Die wegfallenden Arbeitsplätze gehören zu den 18.000 Stellen, deren Abbau Vorstandschef Christian Sewing bereits im Juli 2019 angekündigt hatte.

          Die nun bekanntgewordenen Schließungen sind eine Kehrt wende zur bisherigen Haltung der Bank. Noch vor zwei Monaten hatte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bank, Karl von Rohr, im Gespräch mit der F.A.Z. gesagt: „Filialen dauerhaft zu schließen ist bei uns nicht geplant. Wir haben unser Filialnetz in den vergangenen drei Jahren um ein Viertel und damit deutlich stärker als die meisten unserer Wettbewerber verkleinert.“ Er sagte damals lediglich, dass die Bank weiter arrondieren werde.

          Doch die Erfahrungen der Pandemie und die damit verbundenen Veränderungen haben offensichtlich auch bei den Kunden der Bank einiges bewegt: „Die Anforderungen an die Beratung und das Filialgeschäft haben sich durch Corona weiter verändert“, sagte Gossow. „Selbst Kunden, die früher nicht viel anfangen konnten mit Online-Banking, erledigen mittlerweile viele einfache Bankgeschäfte am Computer oder iPad von zu Hause aus.“ Selbst komplexe Beratungen wie etwa bei Wertpapieren fänden mittlerweile häufiger über Video oder Telefon statt. Seit Ausbruch der Pandemie seien auch Bargeldabhebungen weniger geworden, Kunden zahlten mehr mit Karten oder dem Smartphone. „Die Nachfrage der Kunden nach Beratung ist seit der Corona-Krise deutlich gestiegen. Die Kunden gehen aber für die Beratung seltener in die Filiale.“

          Auch die Commerzbank will Zweigstellen schließen

          Künftig werde sich das Geldhaus mehr über Video und Telefon an Kunden wenden, erläuterte Gossow, der die Pläne in Frankfurt bei einer Bankenkonferenz präsentierte. Dafür werde mehr Geld in den Ausbau von Technologie investiert, um etwa Produktabschlüsse über das Internet zu ermöglichen. Nach Informationen der F.A.Z. sollen dabei auch die Möglichkeiten für die Heimarbeit der Bankmitarbeiter ausgebaut werden. So soll die Videoberatung etwa zu Wertapapiergeschäften auch vom Home-Office des Bankberaters weiter ausgebaut werden. 

          Ausprobieren will die Deutsche Bank auch sogenannte Anlagezentren. „Kunden können diese bei Bedarf nach vorheriger Terminvereinbarung aufsuchen und werden von ihrem Berater in einer Art Bankbüro beraten“, sagte Gossow. „Auf die sonst übliche Infrastruktur einer Filiale wie Selbstbedieungszone oder Schalterraum verzichten wir.“

          Deutsche Geldhäuser betreiben noch immer deutlich mehr Filialen als etwa britische oder niederländische Banken. Dort sind Kunden tendenziell offener für digitale Dienstleistungen und Beratungen. Das anhaltend niedrige Zinsumfeld und mögliche Kreditbelastungen in Folge der Corona-Pandemie erhöhen den Druck auf Banken, die Kosten zu senken. Auch die Commerzbank will Zweigstellen schließen und arbeitet derzeit eine neue Strategie aus. Insidern zufolge könnte von den rund 1000 Filialen jede zweite wegfallen.

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