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Kostengünstige Produktion : Volkswagen bastelt am Billigauto

China mit großem Abstand Marktführer

Demant hat weit entfernte Märkte im Blick: „Wir würden mit der Produktion in China beginnen. Indien wäre eine Option für später.“ Ein Blick auf die Zahlen erklärt Demants Präferenz: China ist mit zuletzt 3,5 Millionen verkauften Billigautos – das sind 19 Prozent des Gesamtabsatzes – der mit Abstand größte Markt in diesem Segment, gefolgt von Indien mit 1,5 Millionen Einheiten (Marktanteil: 47 Prozent). Natürlich ist China auch in puncto Produktionskosten attraktiv.

VW hat im Reich der Mitte zwei Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Partnern. Einer dieser Partner wird im Fall der Fälle wohl den Zuschlag bekommen. Allerdings brauchen die Wolfsburger dafür zunächst die Genehmigung der chinesischen Regierung. Denn mit einem eigenen sogenannten „Budget Car“ würden sie einheimischen Billiganbietern wie Great Wall und BYB direkt Konkurrenz machen. Auf welcher Plattform der Billigwagen aufgesetzt wird, ist noch offen. Klar ist, dass VW nicht ganz vorne anfängt: „Damit es sich rechnet, müssen wir bestehende Technologie nutzen und Komponenten durch Zulieferer vor Ort fertigen lassen“, erklärt Demant. Für ihn ist dieses Vorhaben ein Exzellenzprojekt, für das er sehr erfahrene Leute braucht. Denn die Anforderungen sind groß.

Kostenziele dürfen nicht verfehlt werden

Gemessen an den Angeboten im Niedrigpreissegment müsste VW sein neues Billigmodell in China für rund 7000 Euro verkaufen. Je niedriger der Preis eines Autos, umso schwieriger ist es, damit Gewinn zu machen. Vom Einkauf über die Produktion bis zum Händler – auf allen Wertschöpfungsstufen müssen die Kosten auf eine Minimum gedrückt werden. Werden die Kostenziele auch nur an einer Stelle verfehlt, ist die zuvor einkalkulierte Gewinnmarge ruck, zuck weg. Wie hoch dieses Marge sein soll, sagt Demant nicht. Vermutlich liegt sie oberhalb von 10 Prozent, weil die Risiken in diesem Projekt größer sind, als wenn beispielsweise Audi ein neues Premium-Modell auflegt.

Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach, glaubt, dass VW mit dem Billigauto nur dann erfolgreich sein kann, wenn der Konzern für dieses Projekt seine Mentalität und seine Arbeitsweise ändert. „Die Fachleute, die damit befasst sind, dürfen nicht auf dem gleichen Flur arbeiten wie die Mitarbeiter von VW oder Audi.“ Demant sieht das so ähnlich: Es müsse die Freiheit geben, Dinge anders zu machen, betont der VW-Manager.

Wenn der Konzernvorstand ihm die Freigabe erteilt, will Demant von 2016 an schrittweise mehrere Billigmodelle in China auf den Markt bringen. Er glaubt, ein komplettes Werk mit der Produktion auslasten zu können. Das würde vermutlich bedeuten, dass VW im eingeschwungenen Zustand 300 000 bis 400 000 Wagen in China verkaufen könnte. Dieser Erfolg ließe sich freilich nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen. „Das globale Budget Car, das überall erfolgreich sein kann, gibt es nicht“, sagt Demant. Dazu seien die Wünsche und Vorstellungen der Kunden zu unterschiedlich. In China seien eher geräumige Wagen mit einem großen Kofferraum gefragt, während die Inder am liebsten Kleinwagen führen.

Der Branchenfachmann Stefan Bratzel glaubt, dass VW das schwierige Experiment „Billigauto“ wagen wird. Schließlich wolle der Konzern der größte Autohersteller der Welt werden: „Da kann man ein so großes Marktsegment nicht einfach links liegenlassen.“

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