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Südafrika : Schmiergeldskandal holt SAP ein

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SAP-Chef Bill McDermott Bild: EPA

SAP in Erklärungsnot: Ein Korruptionsfall in Südafrika könnte auch in Amerika handfeste Folgen haben. Der Software-Konzern entschuldigt sich und beschließt drastische Maßnahmen.

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          Bestechung in Afrika, Strafe in den Vereinigten Staaten – dieses Szenario droht dem Walldorfer Softwarekonzern SAP. Das deutsche IT-Vorzeigeunternehmen räumte am Donnerstag erstmals ein, dass sowohl das amerikanische Justizministerium als auch die Börsenaufsicht SEC Ermittlungen aufgenommen haben. Man habe die beiden Behörden „über die Situation“ selbst in Kenntnis gesetzt. Die Situation bedeutet in diesem Fall: Um an öffentliche Aufträge in Südafrika zu kommen, haben SAP-Mitarbeiter offenbar Schmiergeld an ein Unternehmen der Gupta-Familie gezahlt. Die drei Gupta-Brüder gelten als enge Berater von Staatspräsident Jacob Zuma und stehen im Mittelpunkt eines weitreichenden Schmiergeldskandals.

          Erstmals öffentlich wurde der Sumpf durch Recherchen einheimischer Journalisten im Juli. Die damals von SAP beauftragte Anwaltskanzlei Baker KcKenzie habe nun „Hinweise auf mögliches Fehlverhalten im Umgang mit Drittanbietern aus dem Umfeld der Gupta-Familie“ zu Tage gefördert. SAP-Mitarbeiter haben demnach für lukrative Verträge mit den staatlichen Unternehmen Transnet und Eskom 6,8 Millionen Euro an eine Gupta-nahe Firma gezahlt. Gegen drei von vier Beschuldigten sei ein formelles Disziplinarverfahren eingeleitet worden, sie sind zurzeit beurlaubt. Ein Vierter sei nicht involviert und arbeite wieder.

          Dass nun amerikanische Behörden untersuchen, ob SAP – deren Aktien auch in Amerika gelistet sind – gegen Antikorruptionsbestimmungen verstoßen haben könnte, kann für den Konzern schmerzhafte Folgen haben. In einem ähnlichen Fall musste der Industriedienstleister Bilfinger wegen Bestechung in Nigeria nicht nur einen zweistelligen Millionenbetrag zahlen, sondern, was deutlich schlimmer ist, einen vom amerikanischen Justizministerium verordneten „Bilanz-Monitor“ akzeptieren. Ein solcher Aufpasser bekommt weitreichend Rechte im Unternehmen. Von seinem Urteil über die internen Kontrollsysteme hängt es ab, ob ein Unternehmen Geschäfte in Amerika machen kann. Die Vereinigten Staaten sind der größte Softwaremarkt der Welt. Dort, wo Präsident Trump seine „America first“-Politik ausgerufen hat, sind zudem die meisten Konkurrenten der Walldorfer beheimatet. Belastend könnte sich auswirken, dass SAP in einem ähnlichen Fall schon einmal Ärger hatte. Ein ehemaliger Manager war Ende 2015 zu 22 Monaten Gefängnis wegen Bestechung in Panama verurteilt worden.

          Entschuldigung und Konsequenzen

          In Südafrika, wo der Gupta-Skandal hohe Wellen schlägt, bat der Konzern jetzt um Entschuldigung, kündigte eine umfassende Kooperation mit den Behörden an und zog zugleich erhebliche Konsequenzen. Der Vorstand habe mit sofortiger Wirkung beschlossen, in Ländern mit einem Korruptionsindex unter 50 ganz auf Vertriebsprovisionen im öffentlichen Sektor zu verzichten. Diese Maßnahme kann das Geschäft spürbar bremsen, sind doch Provisionen wichtige Anreize im Vertrieb. Neben Südafrika sind große Märkte wie China, Brasilien, Indien, Mexiko und selbst Italien betroffen. Zudem habe der Vorstand „weltweit intensive Kontrollen und Prüfungen“ veranlasst, um die Zusammenarbeit mit Vertriebsmaklern und Wiederverkäufern zu untersuchen.

          Der Schmiergeldskandal schlägt seit Wochen hohe Wellen. Im Zuge der Ermittlungen um das Beziehungsgeflecht zwischen den Guptas und Staatspräsident Zuma haben auch die Unternehmensberatung McKinsey und die Wirtschaftsprüfer von KPMG Fehler eingestanden. Aus Protest kündigten mehrere südafrikanische Unternehmen ihre Verträge mit KPMG. Seit ein paar Tagen ermitteln britische Behörden auch gegen die Großbanken HSBC und Standard Chartered. Sie sollen fragwürdige Zahlungen für die Guptas abgewickelt haben. Auch die Darmstädter Software AG wird in den Enthüllungen der Journalisten genannt. Man nehme das Thema sehr ernst und ermittle intern mit Hochdruck, sagte ein Sprecher. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor.

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