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Korruptionsaffäre : KMW-Führung war in Panzergeschäft wohl nicht verwickelt

Rüstungsgeschäfte im Zwielicht: 170 Leopard 2 hat Griechenland geordert Bild: dpa

Krauss-Maffei-Wegmann muss sich in der Korruptionsaffäre über ein Panzergeschäft mit Griechenland für ihre Vorgänger-Gesellschaft verantworten. Der griechische Beamte, der die Verfehlungen gestand, wurde wohl vor der Gründung geschmiert.

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          Der mit Korruptionsvorwürfen konfrontierte Panzerhersteller Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) muss sich mit mutmaßlichen Vergehen seiner Vorgängergesellschaft auseinandersetzen. Denn der ehemalige Spitzenbeamte im griechischen Verteidigungsministerium, der im Zentrum der Ermittlungen der Athener Staatsanwaltschaft steht, gab Verfehlungen in einer Zeitspanne zu, die vor der Gründung der heutigen KMW liegt. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf Basis von Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwar wurde der Kaufvertrag für die Lieferung im Jahr 2003 unterzeichnet. Aber die für die endgültige Auswahl erforderliche öffentliche Ausschreibung der griechischen Militärs sowie die technische Erprobung der zur Wahl stehenden Panzer fand in den Jahren 1990 bis 1998 statt. In dieser Zeit hätten mehrere Rüstungshersteller versucht, die Entscheidung der staatlichen Rüstungseinkäufer in Athen zu ihren Gunsten zu erkaufen, sagte Antonios Kantas während seines gerade abgelegten Geständnisses. Er selbst war von 1996 bis 2002 mitverantwortlich für die Rüstungseinkäufe Griechenlands und wurde Mitte Dezember festgenommen.

          1,7 Millionen Euro Schmiergeld

          Die heutige Führungsriege von KMW war in diese Machenschaften vermutlich nicht involviert. Denn der Hersteller entstand erst im Jahr 1999 durch den Zusammenschluss von Krauss-Maffei und Wegmann. Zuvor stand die Krauss Maffei AG in München unter der Regie des Düsseldorfer Mannesmann-Konzerns. Gleichwohl müssten „die Fehler der Vorgängergesellschaft vom KMW-Management penibel untersucht und aufgearbeitet werden“, hieß es im Unternehmen an diesem Sonntag.

          Kantas nannte bei seiner Vernehmung in Athen weitere Geschäfte mit deutschen Rüstungsherstellern, für die er Schmiergeld erhalten habe. Dabei sei es beispielsweise um die Modernisierung von U-Booten durch Rheinmetall und den heute von Thyssen-Krupp geführten Ausrüster Atlas gegangen. Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen mutmaßlicher Bestechung griechischer Amtsträger. Das Rheinmetall-Büro in Athen wurde bereits durchsucht.

          Von KMW will er für den Verkauf von 170 Kampfpanzern des Typs „Leopard 2A6“, die größtenteils schon ausgeliefert sind, Schmiergeld in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro erhalten haben. Die Zahlungen kamen wohl von einem griechischen Repräsentanten von Krauss-Maffei. Der Hersteller, der nach der Fusion mit Wegmann heute als KMW firmiert, stellt den „Leopard“ gemeinsam mit dem Partner Rheinmetall in Düsseldorf her.

          Griechenland gehört seit langem zu den – gemessen an seiner Größe – größten Waffenimporteuren in der Nato und war noch im Krisenjahr 2011 das EU-Mitgliedsland mit den höchsten Ausgaben für sein Militär gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Laut dem schwedischen Friedensforschungsinstitut Sipri gab es 2011 fast 6 Milliarden Euro für sein Militär aus.

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