https://www.faz.net/-gqe-8gbym

Earlybird und Heilemann : Zwei große deutsche Wagniskapitalisten kooperieren

Die Internetunternehmer und Brüder Fabian Heilemann (links) und Ferry Heilemann. Bild: Sky & Sand GmbH

Earlybird und die Brüder Heilemann schließen ihre Digital-Teams zusammen und legen einen neuen Fonds auf. Beide sind auf junge Unternehmen spezialisiert.

          Zwei prominente Akteure der deutschen Wagniskapitalszene bündeln ihre Ressourcen für einen neuen Fonds: die auf Beteiligungen an jungen Unternehmen spezialisierte Gesellschaft Earlybird unter ihrem Mitgründer Hendrik Brandis und die Gebrüder Heilemann, die durch den deutschen Schnäpchenanbieter Dailydeal bekannt wurden, ein deutsches Pendant von Groupon.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie Brandis und Fabian Heilemann im Gespräch mit der F.A.Z. sagten, schließen sie zum einen ihre Digitaltechnik-Teams zusammen. Zum anderen haben sie gemeinsam begonnen, einen neuen Fonds aufzulegen, der am Ende etwa 150 Millionen Kapital eingesammelt haben soll. Es geht um einen neuen Fonds für Westeuropa, den Brandis der F.A.Z. bereits vor Monaten angekündigt hatte (F.A.Z. vom 28. Juli). Earlybird konzentriert sich auf Beteiligungen an IT- und Medizintechnikunternehmen, und zwar überwiegend in Westeuropa. Die 1997 gegründete Venture-Capital-Gesellschaft hatte bisher fünf Generationen von Fonds aufgelegt: die ersten vier bestanden aus Europafonds, die fünfte war in drei Geldtöpfe aufgeteilt: einen für Medizintechnik und je einen für IT in Westeuropa und Osteuropa.

          Der jüngste IT-Fonds Westeuropa war mit 150 Millionen Euro ausgestattet. Der jetzt mit den Heilemanns aufgelegte Fonds strebt dieselbe Größenordnung an, er richtet sich wie bisherige Earlybird-Fonds auf „disruptive“ digitale Geschäftsmodelle, also solche, die althergebrachte Modelle stürzen oder jedenfalls stark beeinträchtigen. Der Fonds hat vor sechs Wochen begonnen, Geld einzusammeln und aus diesen ersten Mitteln sogar schon Beteiligungen gespeist, wie Brandis sagte. „Es sind aktuell fünf Investitionen getätigt aus diesem gemeinsamen Fonds“, sagte Fabian Heilemann. 20 bis 25 Beteiligungen soll der Fonds nach Angaben beider Risikounternehmer insgesamt finanzieren.

          Earlybird und die Heilemanns institutionalisieren mit dem neuen Fonds eine Zusammenarbeit, die sie seit einigen Jahren pflegen. „Wir kennen uns auf einer persönlichen Ebene seit 2010“, sagte Heilemann. Seit 2012 seien die Heilemanns auch Geldgeber für Earlybird. Im vergangenen Jahr traten beide Parteien als Ko-Investoren auf, als sie Mittel zur Finanzierung des Umzugsunternehmens Movinga sowie des Anlageportals Cashboard bereit stellten. Movinga wird nun auch durch Geld aus dem frisch aufgelegten Fonds mitfinanziert.

          Gute Investitionschancen im IT-Sektor

          Die beiden Kooperationspartner versprechen sich Mehrwert durch ihre komplementären Fähigkeiten: Verkürzt ausgedrückt, tritt Earlybird vor allem mit seiner Perspektive als Beteiligungsgesellschaft für Risikokapital auf, während die Heilemanns in erster Linie ihre operative Erfahrung einbringen. Die Brüder beteiligen sich an dem Projekt über ihre Gesellschaft Heilemann Ventures. Das neue gemeinsame Digitaltechnik-Team besteht aus 14 Mitgliedern, davon acht mit unternehmerischem Hintergrund und sechs Venture-Partnern.

          Einen Namen in der Branche machten sich Fabian und Ferry Heilemann vor allem durch das Gutscheinportal Dailydeal, das sie im Jahre 2009 gründeten. Ähnlich wie bei Groupon bieten Händler oder Dienstleister Rabattaktionen für ihre Waren und Dienstleistungen an, um so neue Kunden in die Geschäfte zu locken. Die Brüder verkauften Dailydeal an Google, erwarben es aber später von den Amerikanern zurück. Insgesamt haben sie über zwei Ventures-Fonds seit 2011 in 26 Unternehmen investiert und davon bisher sechs verkauft.

          Earlybird gehört mit mehr als 700 Millionen Euro zu den größten deutschen Wagniskapitalgebern, hat bisher 111 Transaktionen getätigt, sechs Börsengänge gemacht und 16 Unternehmen verkauft. So beteiligte sich die Gesellschaft am Online-Mitfahrdienst Carpooling.com und verkaufte ihn später an den französischen Wettbewerber Blablacar. An den amerikanischen Softwarekonzern Microsoft ging das Berliner Start-up 6Wunderkinder, das durch eine App für die Verwaltung von Aufgaben (To-do-Listen) bekannt wurde. Besonders lukrativ war die Investition in Interhyp, einen Berater für private Immobilienfinanzierung, den Earlybird 1999 erwarb und 2005 an die Börse brachte. Später erwarb ING die Gesellschaft.

          Start-ups klagen in Deutschland darüber, dass es schwer sei, Anschubfinanzierung zu bekommen – Investoren seien weniger risikobereit als etwa in angelsächsischen Ländern. Brandis sieht besonders gute Chancen im IT-Sektor, weil das Internet Jungunternehmen die Chance bietet, neue Geschäftsideen mit vergleichsweise geringen Kosten zu verwirklichen.

          Weitere Themen

          Musterklage gegen Soli-Abbau

          Nach Gesetzentwurf : Musterklage gegen Soli-Abbau

          Ein Ehepaar aus Bayern wendet sich mit einer Klage gegen die kürzlich beschlossenen Regelungen zum Soli-Abbau. Unterdessen äußert die FDP weiterhin Bedenken an der Verfassungsmäßigkeit der Soli-Pläne.

          Topmeldungen

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

          Der Exosuit : Was uns nach den E-Tretrollern erwartet

          Noch hat sich Deutschland nicht an die E-Tretroller gewöhnt, da kommt schon die nächste Innovation aus Amerika: Die E-Buxe könnte den Straßenverkehr revolutionieren oder noch mehr belasten. Eine Glosse.

          Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

          Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.
          Amerikas Botschafter Richard Grenell kritisiert eine neue EU-Verordnung zu Medizinprodukten.

          F.A.Z. exklusiv : Richard Grenell kritisiert neue EU-Verordnung

          Die EU sorgt mit neuen Verordnungen für Medizinprodukte für neuen bürokratischen Aufwand. Der amerikanische Botschafter Grenell meint: „Viele werden sich für die Patienten nicht positiv auswirken.“ Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.