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Konzernumbau : Nokia streicht bis zu 10.000 Stellen

Der Mobilfunkausrüster Nokia will Kosten senken. Dafür müssen auch Arbeitsplätze weichen. Bild: Reuters

Der Netzausrüster bleibt im Rennen um die neuen 5G-Netze zurück. Jetzt wollen die Finnen ein umfangreiches Kostenprogramm starten.

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          Ausgerechnet mitten im 5G-Boom steckt der Netzwerkausrüster Nokia in Schwierigkeiten. Der Konzern kann vom stark wachsenden Geschäft mit dem neuen Mobilfunkstandard im Gegensatz zur Konkurrenz nur eingeschränkt profitieren – er befindet sich in einer Umstrukturierung. Jetzt haben die Finnen ein umfassendes Programm angekündigt, um Kosten zu senken. Damit verbunden ist voraussichtlich ein kräftiger Arbeitsplatzabbau, wie der einstige Handy-Weltmarktführer am Dienstagmorgen mitteilte.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nokia könnte demnach bis in den Zeitraum 2022/2023 hinein bis zu 10.000 Stellen streichen. Man erwarte, dass mit den Kostenplänen innerhalb einer Periode von 18 bis 24 Monaten sich der Stamm der Mitarbeiter in eine Größenordnung von 80.000 bis 85.000 entwickele. Die exakte Zahl hänge von den Marktentwicklungen in den nächsten beiden Jahren ab, hieß es. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 90.000 Menschen. „Entscheidungen, die einen möglichen Einfluss auf unsere Beschäftigten haben, werden niemals leichtfertig getroffen“, sagte Vorstandschef Pekka Lundmark. Es sei für ihn vorrangig, dass jeder Betroffene durch diesen Prozess unterstützt werde.

          Laut Planung sollen im Rahmen des Umbaus die Kosten bis Ende 2023 dauerhaft um 600 Millionen Euro gesenkt werden. Dabei fallen bis 2023 Kosten von rund 600 bis 700 Millionen Euro an – etwa die Hälfte davon im laufenden Jahr, 15 Prozent 2022 und 35 Prozent 2023. Parallel zum Stellenabbau will Nokia mehr Geld in die Forschung und Entwicklung rund um 5G stecken, in digitale Infrastruktur und in Cloud-Leistungen.

          Nachlassende Nachfrage macht Nokia zu schaffen 

          Den Geschäftsausblick für das laufende Jahr ließ der Konzern unverändert. Lundmark sagte, Nokia verfüge nun über vier Geschäftsbereiche, von denen jeder ein klaren Pfad zu nachhaltigem und profitablem Wachstum identifiziert habe. Jeder ziele auf Technologie-Führerschaft: „In den Bereichen, in denen wir uns für den Wettbewerb entscheiden, werden wir spielen, um zu gewinnen.“

          Dem im Euro Stoxx börsennotierten Konzern machte zuletzt eine abflauende Nachfrage zu schaffen. Wie seit Februar bekannt ist, rechnet Lundmark in diesem Jahr mit einem bestenfalls nur stabilen Erlös, weil vor allem in Nordamerika die Nachfrage nach einer Aufrüstung der Mobilfunknetze auf den schnelleren 5G-Datenfunk nachlassen dürfte. Das Margenziel für das operative Ergebnis liegt bei 7 bis 10 Prozent auf vergleichbarer Basis. Mehr Details zur Strategie wird der Management am Donnerstag im Rahmen eines Kapitalmarkttages vorstellen.

          Nokia war zuletzt hinter Wettbewerber wie Ericsson zurückgefallen, die sich im 5G-Geschäft deutlich besser schlagen. Vor kurzem hatte zudem der Aktienkurs im Zuge der Gamestop-Spekulationen eine rasante Berg- und Talfahrt hingelegt. Im vergangenen Jahr hatte Konzernchef Lundmark betont, man wolle alles in die Waagschale werfen, um im hart umkämpften Rennen um den neuen Mobilfunkstandard 5G nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. "Wir haben entschieden, alles, was es braucht, zu investieren, um 5G zu gewinnen." Um künftig besser aufgestellt zu sein, bildet Nokia vier verschiedene Sparten, die sich beispielsweise um Telekomnetze oder Nokia-Technologien kümmern. Ziel sei es, besser und schneller auf Kundenwünsche und veränderte Marktanforderungen eingehen zu können.

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