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Konzernspitzen : Der Chefreport

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Wer glaubt, das Bremer Arbeiterkind Klaus Kleinfeld sei als Siemens-Chef ein Ausrutscher gewesen und das Großbürgertum hätte wieder die Zügel in der Hand, der irrt: Peter Löschers Familie in Kärnten gehört zwar ein ansehnlicher Waldbetrieb, der größte Grundbesitzer Österreichs ist er deswegen noch lange nicht. Und dann ist da noch die noble Deutsche Bank: Sie kürt aller Voraussicht nach den Bauern- und Wirtssohn Fitschen zu ihrem Chef, neben dem Inder Anshu Jain - dem ist alles Mögliche nachzusagen, nur nicht die Zugehörigkeit zum deutschen Bankeradel.

Die Herkunft macht's

Elitenforscher Hartmann lässt sich durch diese Karrieren nicht irritieren. "Ausreißer" nennt er die prominenten Fälle, kaum der Rede wert: "In den 200 größten Unternehmen kommen etwa 78 Prozent der Chefs aus bürgerlichen oder noch häufiger aus großbürgerlichen Familien." Wo oben ist, da ist der Forscher großzügig (das hilft seiner These): Alle höheren Beamten zählt er zur besseren Gesellschaft, alle leitenden Angestellten, alle Unternehmer, auch den Handwerksmeister (sofern er mehr als 20 Beschäftigte hat), alle freiberuflichen Akademiker sowieso. Der Dorfschullehrer geht ebenso als Elite durch wie der Feld-und-Wiesen-Anwalt. Unterschlagen wird im Urteil, dass der Anteil der Akademiker steigt. Und wenn es mehr Akademikerkinder gibt, werden auch mehr davon in der Führung von Unternehmen vertreten sein.

War das nicht das Ziel der Bildungsoffensive? "Wir sollten stolz darauf sein, wie durchlässig die deutsche Wirtschaft ist, nach oben wie nach unten", sagt deshalb Headhunter Christoph Zeiss, der gerade Ex-Bundesbankchef Axel Weber, einen Lehrersohn, zur Schweizer UBS gelotst hat. Aufstiegshungrige Mittelschichtskinder hätten hierzulande deutlich bessere Chancen als etwa in Großbritannien oder Frankreich. Typisch sind Lebensläufe wie der von Infineon-Chef Peter Bauer: Vater gewöhnlicher Angestellter in der Siemens-Werbeabteilung, Mutter Hausfrau. Als Judo-Trainer und Mathe-Nachhilfe verdient Bauer sein erstes Geld, früh angestachelt vom Ehrgeiz, "etwas Technisches zu studieren". Ein Gegenbeispiel mehr für die landläufige These: Die Herkunft macht's.

„Wer Hirn im Kopf hat, der wird auch was“

Voreingenommen nennt der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe deshalb die Schlüsse des Soziologen Hartmann: "Unternehmer geben ein extrem heterogenes Bild ab, auch ein Friedrich Flick war Sohn eines Landwirtes." Wenn eine Gesetzmäßigkeit festzustellen sei, dann diese: "In dynamischen Zeiten, wie dem Kaiserreich oder dem Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit, ist die soziale Mobilität besonders hoch." Wer die Aufstiegschancen generell leugnet, begründet dies mit den Mechanismen der Rekrutierung. Im Zweifel setzen sich demnach die geheimen Codes des Bürgertums durch: Einmal oben, immer oben. "Wer in den Vorstand will, muss vor allem eines besitzen: habituelle Ähnlichkeit mit den Personen, die dort schon sitzen", sagt Michael Hartmann. Damit unterschätzt er die Anpassungsleistungen der Aufsteiger und verkennt die Sitten in den Unternehmen. Gefragt sind dort auch: Gerissenheit, Rücksichtslosigkeit, Durchschlagskraft. "Großbürgerlicher Habitus und feingeistige Erziehung sind manchmal sogar hinderlich für die Karriere", sagt Professor Plumpe.

Nun wird niemand bestreiten, dass die Startbedingungen unterschiedlich sind, dass manches Talent vergeudet wird, weil niemand seine oder ihre Fähigkeiten erkennt. Wer aber die gröbsten Hürden genommen hat - Abitur, Studium, erster Job -, der dürfe die Herkunft heutzutage nicht mehr als Ausrede für unerfüllte Karriereträume anführen, sagt Dieter Rickert, Altmeister der Headhunter: "Wer Hirn im Kopf hat und einen Arsch in der Hose, der wird auch was."

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