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Konzernkooperation : General Electric gewinnt Schlacht um Alstom

Tor an Tor: Werksstandorte von GE und Alstom im französischen Belfort Bild: AFP

Frankreichs Regierung entscheidet sich für die Amerikaner und gegen die Offerte von Siemens und Mitsubishi. Siemens-Chef Kaeser gibt sich dennoch nicht geschlagen. Er zeigt sich weiter gesprächsbereit.

          Nach monatelangen Verhandlungen nähert sich die Übernahmeschlacht um den französischen Industriekonzern Alstom ihrem Ende. Die französische Regierung hat das Bietergefecht entschieden, indem sie sich für die Offerte des amerikanischen Wettbewerbers General Electric (GE) und gegen das Konsortium von Siemens und Mitsubishi ausgesprochen hat. Der französische Staat will zudem mit 20 Prozent größter Alstom-Aktionär werden.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Dafür wird die Regierung dem Alstom-Großaktionär Bouygues zwei Drittel seiner Anteile abkaufen und so zum größten Alstom-Eigner avancieren. An diesem Sonntag einigte sich das Wirtschaftsministerium in den Verhandlungen mit Bouygues. Der französische Mischkonzern hatte 2006 die Aktien dem Staat abgekauft. Nun verhandelte er hart, weil die Alstom-Papiere zu einem hohen Preis in seinen Büchern stehen.

          Das Ringen zwischen Bouygues und der Regierung erweckte bei Siemens zuvor noch einmal Hoffnungen auf ein Comeback. „Wir sind weiter gesprächsbereit“, sagte der Siemens-Vorstandsvorsitzende Kaeser der „Bild“-Zeitung. „Die Türen stehen Alstom und der französischen Regierung offen.“ Der Einstieg von GE bei den Franzosen sei noch nicht in trockenen Tüchern. „Die Arbeit für GE, Alstom und die französische Regierung geht jetzt erst richtig los“, sagte Kaeser weiter. „Die komplizierten Verträge werden Monate beanspruchen. Danach müssen die Kartellämter prüfen.“ Besonders bei Gasturbinen, wo GE stark ist, könnte es zu einer Marktdominanz kommen.

          Der Staat zahlt zwei Milliarden

          Zuvor hatte der Verwaltungsrat von Alstom das GE-Angebot einstimmig bewilligt. Danach erwerben die Amerikaner gegen eine Barzahlung von 7,3 Milliarden Euro das Gasturbinengeschäft von Alstom, einen Großteil des internationalen Geschäfts mit Dampfturbinen sowie Anteile an drei Joint Ventures. Zu diesen Gemeinschaftsunternehmen gehören die Dampfturbinen in Frankreich sowie die Turbinen für Kernkraftwerke, die GE und Alstom künftig zu je 50 Prozent halten.

          Der französische Staat erhält weitreichende Mitspracherechte, weil er um seine Souveränität im Nukleargeschäft fürchtete. Gleichgewichtige Joint Ventures wollen GE und Alstom zudem bei Turbinen für Wind- und Wasserkraftwerke sowie bei den Stromnetzen bilden. „Kraftvoll kehrt der Staat in die Wirtschaft zurück“, freute sich der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg in einem Interview mit der Zeitung „Le Parisien“. „So sanieren wir die Industrie.“

          Der Staat zahlt für die Alstom-Aktien zwischen 1,7 Milliarden und 2,1 Milliarden Euro. Er will die Aktien innerhalb von zwei Jahren erwerben, die Stimmrechte erhält er jedoch sofort. Die drei Gemeinschaftsunternehmen kommen nach Angaben des französischen Wirtschaftsministers auf einen Umsatz von 6 Milliarden Euro. Zudem verbleiben bei Alstom das Transportgeschäft mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV sowie die Signaltechnik, die GE für 600 Millionen Euro verkauft. Insgesamt behält Alstom nach der Transaktion knapp 60 Prozent seines alten Umsatzes.

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