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Ein Jahr nach Militärputsch : Konzerne verlassen das Myanmar der Generäle

Vor rund einem Jahr übernahm das Militär die Macht in Myanmar. Das Foto wurde am 3. Februar 2021 aufgenommen. Bild: AFP

Nach den Energieriesen Total und Chevron kehrt nun auch der Gas- und Ölkonzern Woodside dem Land den Rücken. Die Australier akzeptieren eine Abschreibung von mehr als 200 Millionen Dollar.

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          Der nächste Weltkonzern verlässt Myanmar: Nach den Energieriesen Total Energies und Chevron geht auch der australische Gas- und Ölkonzern Woodside Petroleum. Andere, wie die malaysische Petronas, erklären „technische Probleme“, um ihre Förderung einzufrieren. Großunternehmen wie Sumitomo, die Deutsche Post DHL, Posco, die Brauerei Kirin und die Hotelkette Shangri-La arbeiten weiterhin im früheren Burma.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Seit 2013 waren wir ein verantwortungsvoller Auslandsinvestor in Myanmar“, sagte die neue Woodside-Vorstandschefin Meg O’Neill am Donnerstag. „Angesichts der aktuellen Lage in Myanmar können wir eine Beteiligung von Woodside an der Erschließung von Gasvorkommen oder an anderen zukünftigen Aktivitäten im Land nicht mehr in Betracht ziehen.“ Das in Myanmar geförderte Gas war für den lokalen Verbrauch und Lieferungen in die Nachbarländer Thailand und China gedacht. Die Militärregierung braucht die Einnahmen aus den Bodenschätzen, um sich zu finanzieren.

          Ende Februar vergangenen Jahres hatten die Australier ihre Operationen in Myanmar schon „aufgrund sich der verschlechternden Lage mit Blick auf die Menschenrechte“ ausgesetzt. Nun verlassen sie das einst reichste Land Südostasiens. Anfang Februar hatten die Generäle dort geputscht und halten die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi als gewählte Staatsrätin seitdem in Haft. Woodside sitzt auf mehreren Verträgen mit der staatlichen Myanma Oil and Gas Enterprise. Vor der Küste des Rakhine-Staates untersuchten die Australier Vorkommen gemeinsam mit der BG Group, die heute zu Shell zählt, der südkoreanischen Daewoo International und Total.

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          Der Rückzug führt zu einer Abschreibung von 138 Millionen Dollar auf das vergangene Jahr für Woodside. Hinzu kommen 71 Millionen Dollar für verlorene Investitionen für die Erforschung von Felder. Insgesamt kostet Woodside das Vertrauen auf einen friedlichen Aufbau in Myanmar knapp eine Viertelmilliarde Dollar.

          Die Weltbank schätzt, dass Myanmar in diesem Haushaltsjahr (30. September) allenfalls um ein Prozent wachsen werde. In den vergangenen zwölf Monaten war die Wirtschaftsleistung um 18 Prozent geschmolzen. Die Menschenrechtlerin Debbie Stothard wies am Donnerstag darauf hin, dass die wirtschaftliche Lage ein totales „Chaos“ sei. Mehr als 80 Prozent der Menschen lebten in Armut, 80 Prozent der Banken blieben geschlossen und Gelder im Wert von rund 15 Prozent der Wirtschaftsleistung blieben in Amerika eingefroren. „Der Coup ist gescheitert“, zieht sie ein Fazit.

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