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Konzentrationsprozess : Die Zahl der Privatbankiers geht immer weiter zurück

Kunden vor verschlossener Tür: Privatbank Reithinger in Singen im Sommer 2006 Bild: dpa

Wenn die Deutsche Bank bei Sal. Oppenheim einsteigt, verliert wieder eine Privatbank ihre Unabhängigkeit. Diese Entwicklung gibt es seit langer Zeit. Wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch mehr als 1300 unabhängige Privatbanken gezählt, so sind es heute nur noch etwa ein Dutzend.

          Die Zahl der konzernunabhängigen privaten Bankhäuser nimmt in Deutschland seit langer Zeit ab. Wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch mehr als 1300 unabhängige Privatbanken gezählt, so sind es heute nur noch etwa ein Dutzend. Für diesen Rückgang gibt es mehrere Gründe: Das Wachstum der Wirtschaft seit der Industrialisierung verlangte nach großen Banken, da die kleinen Privatbanken die Finanzierungsbedürfnisse bedeutender Unternehmen nicht erfüllen konnten. Daneben haben die Bankenkrise des Jahres 1931 sowie die Vertreibung jüdischer Bankiers und die anschließende „Arisierung“ von Banken während des Nationalsozialismus den Konzentrationsprozess in der Branche befördert. Heute bedienen Privatbankiers häufig attraktive Nischen wie die Vermögensverwaltung für betuchte Kunden (zur aktuellen Entwicklung: Sal. Oppenheim flüchtet zur Deutschen Bank).

          Die älteste noch existierende Privatbank in Deutschland ist die Berenberg Bank in Hamburg, die ihren Ursprung auf das im Jahre 1590 gegründete Handelsgeschäft der aus Antwerpen vertriebenen Brüder Hans und Paul Berenberg zurückführt. Als der Familie im Jahre 1768 die männlichen Erben ausgingen, übernahm der mit einer Berenberg-Tochter verheiratete Johann Hinrich Gossler die Leitung des Unternehmens, das seitdem Joh. Berenberg, Gossler & Co. heißt. Die Familie Gossler nannte sich später in Berenberg-Gossler um. Heute gehören 33 Prozent der Anteile der Familie und den persönlich haftenden Gesellschaftern. Weitere Eigentümer sind die Nord LB mit 25 Prozent, Jan Philipp Reemtsma und das Fürstenhaus Fürstenberg (Donaueschingen) mit jeweils 15 Prozent sowie eine belgische Familie mit 12 Prozent.

          Metzlers hatten es unter Napoleon nicht leicht

          Nicht viel jünger ist das im Jahre 1674 in Frankfurt gegründete Bankhaus Metzler, wo man gelernt hat, auch schlechte Zeiten zu überstehen. „In der napoleonischen Zeit war es für uns nicht immer leicht“, erinnerte sich einmal Albert von Metzler, der Vater des jetzigen Bankchefs Friedrich von Metzler. Kein Wunder, dass die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise das Finanzhaus nicht erschüttern konnte. Die immer noch im Familienbesitz befindliche Bank wird seit jeher konservativ geführt. Daher schüttet sie auch nur einen kleinen Teil ihrer Gewinne aus. Der Rest bleibt in der Bank - um das Fundament für die nächsten 335 Jahre zu stärken.

          Mit der Aura des Noblen: Das Wappen der Familie Oppenheim auf einem Tellerrand

          Das in Frankfurt und München ansässige Bankhaus Hauck & Aufhäuser entstand im Jahre 1998 aus dem Zusammenschluss zweier Privatbanken. Georg Hauck & Sohn führte seine Geschichte bis auf den Kaufmann Friedrich Michael Hauck zurück, der sich im Jahre 1796 in Frankfurt niederließ. Das Münchener Bankhaus Aufhäuser war eine Gründung des jüdischen Bankiers Heinrich Aufhäuser (1842 bis 1917), dessen Nachfahren im Nationalsozialismus enteignet wurden. Heute gehört das Kapital von Hauck & Aufhäuser mehrheitlich im Besitz von Privatpersonen, darunter Mitgliedern der Familie Hauck sowie Unternehmern. Weitere Anteile werden von einem deutschen Versicherer sowie dem Kuweitischen Königshaus gehalten.

          Zu den traditionsreichen deutschen Geldadressen zählt auch das im Jahre 1798 in Hamburg von den Brüdern Marcus Moses und Gerson Warburg gegründete Privatbankhaus M.M. Warburg & CO, das sich immer in Privatbesitz befunden hat. Warburg hat sich in den vergangenen Jahren mit Marcard, Stein & Co (Hamburg), Carl F. Plump & Co. (Bremen), dem Bankhaus Hallbaum (Hannover) und Löbbecke (Berlin) mehrere kleinere Privatbankhäuser einverleibt.

          Die älteste Bank Bayerns ist die in Franken beheimatete Castell-Bank, oder ausführlich: Fürstlich Castell’sche Bank, Credit-Casse AG. Sie befindet sich jeweils zur Hälfte im Besitz der Fürstenhäuser Castell-Rüdenhausen und Castell-Castell. Im Unterschied zu den vielen anderen Privatbanken unterhält die Castell-Bank ein kleines Filialnetz.

          Den Eigentümer gewechselt, aber doch in Familienbesitz geblieben ist das Bankhaus Lampe, das im Jahre 1852 in Minden von Hermann Lampe gegründet wurde, aber sich seit 1963 im Besitz der Familie Oetker befindet. Die Bank ist seit langem in Bielefeld beheimatet. Außerhalb ihrer Heimat weniger bekannt ist die in Obergünzburg im Allgäu ansässige Gabler-Saliter Bankgeschäft KG, meist Saliterbank genannt. Sie betreibt seit dem Jahre 1828 Bankgeschäfte und gehört seitdem der Familie Gabler. Seit dem Jahre 1912 ist in Stuttgart das Bankhaus Ellwanger & Geiger tätig, während das Bankhaus C.L. Seeliger in Wolfenbüttel auf eine mehr als 200 Jahre währende Geschichte zurückblicken kann. Dagegen kann das in Hammelburg beheimatete Bankhaus Schilling & Co. erst auf eine Geschichte von 86 Jahren zurückblicken.

          In den vergangenen Jahrzehnten haben mehrere namhafte deutsche Privatbankhäuser ihre Unabhängigkeit verloren und wurden von großen Konzernen übernommen. Dies gilt unter anderem für Trinkaus & Burkhardt (im Besitz der HSBC), Bethmann und Delbrück (beide ABN Amro), Merck, Finck & Co. (KBC) und Schröder, Münchmeyer & Hengst (erst Lloyds Bank, danach UBS).

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