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Konto : Talanx fühlt sich nur bei der Bundesbank sicher

  • -Aktualisiert am

Die Hüter des Geldes: Eingangsportal der Deutschen Bundesbank in Frankfurt Bild: Michael Hauri

Der Versicherer Talanx klagt auf ein eigenes Bundesbank-Konto. Nur dort sei das Geld absolut sicher. Die Bankenbranche zeigt sich empört über das Misstrauen gegen das Einlagensicherungssystem.

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          Der Versicherungskonzern Talanx will vor Gericht das Recht auf ein eigenes Konto bei der Bundesbank erstreiten. Das Unternehmen hat im Herbst 2008 auf dem ersten Höhepunkt der Finanzkrise ein Konto beantragt, was von der Bundesbank seitdem abgelehnt wird. „Jetzt klagen wir auf die Zustellung eines formellen Bescheids der Bundesbank“, sagte ein Sprecher der Talanx AG am Mittwoch.

          Große Versicherer wie die Talanx benötigen liquide Mittel im Wert von mehreren hundert Millionen Euro, die sie bisher auf Konten der Banken halten. Doch in der Finanzkrise ist Misstrauen in die Stabilität der Banken aufgekommen. „Unser Ziel ist es, unsere Risikosituation in allen Disziplinen zu verbessern“, sagte der Talanx-Sprecher. Die Bundesbank habe das Monopol auf insolvenzsichere Konten, ein solches wolle der Versicherer.

          Misstrauensvotum gegen Einlagensicherungssystem

          Der Bundesverband der privaten Banken (BdB) wertet das Ansinnen als Misstrauensvotum gegen das Einlagensicherungssystem der Banken. „Der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken besteht seit 1976. Seitdem sind im Fall der Insolvenz eines Mitgliedsinstituts alle Einleger vollumfänglich entschädigt worden“, sagte eine Sprecherin des Verbandes am Mittwoch. „Die Unterstellungen der Talanx-Versicherung einer unzureichenden Einlagensicherung sind für uns daher nicht nachvollziehbar.“

          Die Versicherungsbranche beklagt dagegen die mangelhafte Kapitalausstattung des Fonds, die nicht einmal für die Insolvenz einer Bank mittlerer Größe ausreichen würde. Zudem hält sich seit Monaten das Gerücht, die privaten Banken bereiteten eine Reduzierung des Sicherungsversprechens für Großkunden vor. Bislang sind je Kunde Einlagen im Wert von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Bank gesichert. Bei großen Banken können das mehrere Milliarden Euro je Kunde sein. Die Banken planten nun, dieses Versprechen auf einen Betrag zu senken, der nur noch private Kunden ausreichend absichern würde, der aber für Versicherer und andere institutionelle Kunden der Banken zu klein sei, heißt es aus der Versichererbranche.

          Nach Auskunft des BdB beschäftigt sich der Bankenverband laufend mit der Zukunft der Einlagensicherung. Dabei gehe es auch immer wieder um die Höhe der Einlagensicherung für institutionelle Kunden. „Derzeit gibt es aber keine Pläne, die Absicherung zu ändern“, sagt die Verbandssprecherin.

          Das Verhältnis zwischen Banken und Assekuranz ist gestört. So ärgern sich die Versicherer auch über ein Detail der Rettungsaktion zugunsten der Hypo Real Estate. Gemeinsam mit Staat und Banken hatten die Versicherer der maroden Bank Geld geliehen und dafür Anleihen der Hypo Real Estate erhalten. Die Banken können diese Anleihen bei der Europäischen Zentralbank als Sicherheit nutzen, sich zu 1 Prozent Geld leihen und erzielen so eine positive Marge. Der Wunsch der Versicherer, ihre Teilnahme an der HRE-Rettung auf dem gleichen Weg zu finanzieren, wurde dagegen abgelehnt.

          Rumoren in der Industrie

          Auch in der deutschen Industrie rumort es. Schon vor einem Jahr haben eine Reihe Industrieunternehmen die Wiedereinführung von Konten bei den Landeszentralbanken gefordert. Sie empfinden es als unzumutbares Risiko, den Banken über Nacht Milliardensummen anzuvertrauen, für die es keine ausreichende Deckung gebe, damit diese ihren Zahlungsverkehr aufrechterhalten können. Bis zum Jahr 2003 bestand für deutsche Unternehmen noch die Möglichkeit, Konten bei der Bundesbank zu unterhalten. Diese gibt zu diesem Thema keine Auskunft und erläutert auch nicht, warum das Angebot wieder abgeschafft wurde. Die Bundesbank macht Ausnahmen. In ihrer Bilanz stehen sonstige Verbindlichkeiten von 646 Millionen Euro, die „im Wesentlichen auf Unternehmen und Privatpersonen“ entfallen. Nur in Ausnahmefällen – die nicht näher beschrieben sind – würden Konten für Wirtschaftsunternehmen und Privatpersonen geführt, heißt es in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Bundesbank. Dem Vernehmen nach werden die Ausnahmen vor allem für Geldtransporteure gemacht.

          Dass Versicherer und andere Unternehmen ohne Banklizenz Konten bei der Notenbank haben, ist in anderen Ländern nicht ungewöhnlich. So hat zum Beispiel die Schweizer Nationalbank diese Option gerade eingeführt. Seit diesem Monat können Gesellschaften, die nicht Banken sind, aber von der Aufsichtsbehörde Finma überwacht werden, an den Finanzierungsgeschäften der Zentralbank teilnehmen. Davon profitieren insbesondere Versicherer und Fondsgesellschaften.

          In der Schweiz können sich diese Finanzunternehmen ohne Banklizenz gegen Sicherheiten direkt Franken von der Nationalbank leihen. Und umgekehrt können sie überschüssige Liquidität – auf einem zwar unverzinsten, dafür aber uneingeschränkt sicheren Konto – der Notenbank anvertrauen. Es gehe der Schweizer Nationalbank mit der Neuerung vor allem um die Teilnahme der Versicherer an den Finanzierungsgeschäften, sagt ein Sprecher der SNB, und weniger um die Guthabenkonten. Durch die Ausweitung des Teilnehmerkreises für besicherte Ausleihungen der Notenbank (Repo-Geschäfte) solle die Stabilität und Krisenfestigkeit des Finanzsystems erhöht werden, erläutert der Sprecher.

          Ob die Bundesbank sich künftig wieder den Versicherern und Industrieunternehmen als letzter Hort der Sicherheit öffnen muss, darüber werden die Richter des Verwaltungsgerichts Frankfurt entscheiden. Der nächste Termin ist für den 11. Februar angesetzt.

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