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Konsumgüter : Unilever streicht 20.000 Stellen

  • Aktualisiert am

Miniknödel-Produktion bei Pfanni, einer Tochter des Unilever-Konzerns Bild: ZB

Zwar hat Konsumgüterhersteller Unilever für das Frühjahr einen Wachstumsschub gemeldet. Trotzdem wackeln viele Arbeitsplätze: Vor allem in Europa will das Unternehmen Stellen streichen. Ob und wie stark Deutschland betroffen ist, bleibt noch unklar.

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          Unilever will in den kommenden vier Jahren 20.000 Stellen streichen. Damit ist bei dem britisch-niederländischen Konsumgüterkonzern jeder zehnte Arbeitsplatz in Gefahr. Unilever teilte am Donnerstag mit, vor allem Stellen in Europa seien von den Einsparungen betroffen. Weitere Details - etwa ob auch einige der 6800 Jobs in Deutschland wackeln - wollte die Nummer drei der Branche nicht sagen.

          Konzernchef Patrick Cescau hat dem Unternehmen einen strengen Sparkurs verordnet. Auf der ganzen Welt beschäftigt Unilever derzeit knapp 180.000 Mitarbeiter. Von seinen insgesamt 300 Produktionsstätten will Unilever im Rahmen des Umbauprogramms 50 schließen oder rationalisieren. Wichtigste Standorte in Deutschland sind Heilbronn, Heppenheim, Ansbach und Mannheim.

          Auch in der Produktions- und Lieferkette will Unilever an der Kostenschraube drehen. Teil des Programms ist zudem der Verkauf von Aktivitäten mit einem Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro. Mit den Verkäufen, welche die Sparte North American Laundry einschließen, will Unilever das Portfolio auf Rendite trimmen. Zur riesigen Unilever-Produktpalette gehören unter anderem Magnum-Eis, Brotaufstriche wie Rama und Lätta sowie Axe-Deos und Knorr-Suppen.

          Wachstumsschub im Frühjahr

          Für das Frühjahr meldete Unilever allerdings einen Wachstumsschub: Der Quartalsumsatz stieg überraschend deutlich auf 10,53 Milliarden Euro. Abgesehen von Währungsschwankungen und anderen Sonderfaktoren wuchs der Konzern damit innerhalb eines Jahres um fast sechs Prozent. Auch den Gewinn konnte Unilever in die Höhe schrauben: Netto verdiente die Firma im Frühjahr mit 1,2 Milliarden Euro etwa ein Sechstel mehr als vor einem Jahr.

          Besonders rasant liefen die Geschäfte im abgelaufenen Quartal in Asien, wo Unilever über zehn Prozent mehr verkaufte. Angesichts der hiesigen Konsumschwäche ist Deutschland dagegen bislang eher ein Sorgenkind von Unilever. Doch auch hierzulande machte das Unternehmen erste Anzeichen für eine Besserung aus. Angesichts des guten Geschäfts im Frühjahr peilt der Konzern nun auch im Gesamtjahr etwas höhere Verkäufe an als bislang geplant. Angepeilt ist ein Zuwachs am oberen Ende der Zielspanne von drei bis fünf Prozent. Den rasanten Preisanstieg bei Milchprodukten will Unilever auch durch den Verkauf von weniger gewinnträchtigen Sparten bekämpfen.

          Börsianer reagierten erfreut auf den Geschäftsverlauf: Die Unilever-Aktie kletterte schon vor der Ankündigung der Stellenstreichungen um knapp sechs Prozent. Das gute Geschäftsergebnis schürte an der Börse Hoffnungen, dass der Konzern nach zwei schwächeren Jahren genau so schnell wachsen kann wie seine Konkurrenten Nestle aus der Schweiz und der amerikanische Gigant Procter& Gamble.

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