https://www.faz.net/-gqe-7a04k

Konsumelektronik und mehr : Schwitzkur für Sony

Lobby-Arbeit: 84 Zoll große TV-Geräte in der Eingangshalle der Tokioter Zentrale von Sony Bild: AFP

Vor acht Jahren hat Sony auf einen neuen Kurs und eine neue Führung gesetzt. Die tritt nun ab. Flops wie im TV-Geschäft konnte sie nicht abwenden. Geld verdient Sony heute vor allem mit Versicherungen.

          5 Min.

          Mit nichts als einem Handtuch bekleidet stiegen an einem Juliabend 2005 zwei ältere Männer in die dampfenden Quellen von Hakone. Es war heiß, es roch nach Schwefel, und es gab viel zu besprechen. Der japanische Kurort am Fuße des Berges Fuji diente ihnen zu einem ersten lockeren Arbeitstreffen. Auf der einen Seite des Beckens saß der 63 Jahre alte Wahlamerikaner und Oxford-Absolvent Howard Stringer, ein ehemaliger CBS-Journalist; auf der anderen Seite der 58 Jahre alte Ingenieur Ryoji Chubachi. Zwei Männer und ein Ziel.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Beide kannten sich nicht, beide mussten das ändern, denn beide waren gerade an die Spitze der Sony Corp. berufen worden. Stringer als Vorstandsvorsitzender, Chubachi als Präsident; Stringer war wichtig für die Strategie, Chubachi für die Taktik. Sie waren das neue Führungsduo, und sie hatten sich ein Wochenende freigenommen, waren in die Berge gefahren, machten Spaziergänge, gingen ins Konzert und ins Schwitzbad.

          Die Stimmung war gut, doch die Lage schlecht. Unten in der Tokioter Zentrale herrschte Krise, oben in Hakone brüteten Stringer und Chubachi aus, was zu tun war. Sie mussten Sony wieder flottmachen. Schnell. Stringer wird das ein Jahr später in seinem Büro als „Sisyphus-Aufgabe“ bezeichnen; Chubachi nannte es „muzukashii“ - schwierig.

          Nach Jahrzehnten mit schnellem Wachstum und globaler Expansion, nach Erfindungen wie neuartigen Fernsehgeräten, der Compactdisc, dem Walkman oder der Playstation hatte der Konzern viel von seinem Glanz verloren. Absatz, Umsatz und Gewinn standen unter Druck. Die Marge war dünn. Der Kurs der Aktie hatte sich binnen fünf Jahren halbiert. Das Geschäft mit Konsumelektronik rutschte ins Minus. Auf dem Videospielmarkt drängte Microsoft, im TV-Geschäft Samsung nach vorn. Analysten wie Kiyotaka Teranishi von der Citigroup sahen in Sony schon einen Sanierungsfall. Vor Stringer und Chubachi lag damals viel Arbeit. Die Arbeit ist heute noch da, doch die alten Manager sind auf Abschiedstour.

          Chubachi hatte 2009 das Amt des Präsidenten an Stringer übertragen, sich in den Verwaltungsrat zurückgezogen und Ende März das Ende seiner Sony-Karriere verkündet. Stringer hat das operative Geschäft abgegeben und wird in dieser Woche im Tokioter Grand Prince Hotel ein letztes Mal als Vorsitzender des Verwaltungsrates vor die Aktionäre treten. Ein schwieriger Auftritt. Denn er hat den Anteilseignern nicht viel zu bieten.

          2013 lagen Erlös und Nettogewinn unter den Ergebnissen von 2005. Der Kurs der Aktie hat sich trotz des jüngsten Aufschwungs noch einmal halbiert. Die Elektroniksparte ist im Minus. Sony verdient sein Geld vor allem mit dem Verkauf von Versicherungen. Das profitable Mediengeschäft wollen einige Aktionäre abgespalten wissen. Der neue Vorstand zeigt sich reserviert. Die neue Spitze hatte Stringer im vergangenen Jahr quasi eigenhändig installiert.

          Nun hat sein Schützling Kazuo Hirai den Vorstandsvorsitz und den Präsidentensessel von Sony inne. Der 52 Jahre alte Sohn eines Bankers soll es richten. Er gilt als Ästhet, hat an der Hochschule der Schönen Künste in Tokio studiert, sich im Hause Sony nach oben gearbeitet und nimmt Schlüsselprojekte gern selbst in die Hand. „Damit sie in der Bürokratie nicht wie früher verlorengehen“, wie er sagt. Als Japaner weiß er um die langwierigen Entscheidungsprozesse in japanischen Firmen. Als Zögling amerikanischer Managementschulen hat er eine Vorstellung, wo und wie sich Sony zu verändern hat. Hirai muss meistern, was sein Vorgänger nicht schaffte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wer hätte es ihnen zugetraut? Peter Tschentscher lässt sich von SPD-Landeschefin Melanie Leonhard (links) und seiner Frau beklatschen.

          Hamburg hat gewählt : Tschentschers Plan ist aufgegangen

          Hamburg beschert der SPD fast vergessene Glücksgefühle. Der Erste Bürgermeister bleibt im Amt. Er könnte sich sogar den Partner aussuchen. Würde er lieber mit dem Verlierer CDU regieren als mit kraftstrotzenden Grünen?

          Grüne in Hamburg : Zweiter Platz, erster Verlierer

          Die Grünen legen erheblich zu, verpassen aber schon wieder eine große Chance: in einem zweiten Bundesland zu regieren. Für Robert Habeck und Annalena Baerbock wird es damit nicht leichter, ihren Anspruch auf Platz eins bei der nächsten Bundestagswahl glaubwürdig zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.