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Konkurrenz durch Fernbusse : Die Bahn bläst zum Gegenangriff

Diese Angebote wird die Bahn allerdings immer nur für eine begrenzte Zahl von Tickets machen können, denn sie hat viel höhere Kosten als die Busbetreiber. „Aber sie muss auch nicht genau so günstig sein, denn sie kann mit dem Zeitvorteil einen Aufpreis rechtfertigen“, sagt Andreas Brenck vom Iges-Institut, einem unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastrukturfragen.

Sogar mit einem ihrer schärfsten Konkurrenten auf der Schiene, der privaten Gesellschaft HKX, arbeitet die Bahn inzwischen zusammen, um sich gegenüber den Buslinien zu behaupten. HKX betreibt einzelne Fernzüge zwischen Hamburg und Köln. In ihnen werden künftig auch Fahrkarten der Deutschen Bahn akzeptiert. Das steigere die Attraktivität des Schienenverkehrs, heißt es bei der Bahn.

Renaissance für den Interregio?

Für die besonders hart umkämpfte Strecke Berlin–Hamburg, die beliebteste Fernbusverbindung im Land, hat sich die Bahn etwas Besonderes ausgedacht. Sie schickt ihren eigenen Billigzug in das Duell. In aufgehübschten alten Wagen kostet die Fahrt nur 20 Euro zum Festpreis statt bis zu 78 Euro im ICE, dauert aber auch eineinhalb Stunden länger. Genauso lang braucht der Bus, der die Strecke schon ab acht Euro befährt, an Wochenenden oder bei später Buchung allerdings auch schon einmal für 17 Euro. Folgerichtig wird der Billigzug vor allem am Wochenende gut angenommen, von Dienstag bis Donnerstag aber weniger, wie die Bahn zugibt.

Interregio-Express (IRE) heißt der Zug. Das weckt Erinnerungen an den alten Interregio, der früher in ganz Deutschland unterwegs war und mittelgroße Städte untereinander verband und an die ICE-Bahnhöfe anschloss. Der Interregio war bei den Fahrgästen beliebt, aber nicht kostendeckend. Deshalb wurde er 2002 eingestellt. Jetzt erlebt er womöglich eine Renaissance. Denn die Bahn könnte im März weitere IRE-Strecken mit Festpreisen ankündigen. Das würde auch neue Direktverbindungen zwischen mittelgroßen Städten schaffen, auf denen die Busse bisher so erfolgreich sind, die Bahn aber nicht. Allerdings machte Bahnchef Grube auch klar, dass für eine flächendeckende Einführung in ganz Deutschland nicht genug Lokomotiven und Waggons zur Verfügung stehen.

Verzahnung von Bus und Bahn

Für den Konzern führt deshalb kein Weg daran vorbei, auch die eigenen Buslinien zu stärken. Auf Verbindungen, in denen der Zug nur mit einigen Umstiegen zu nutzen ist, fahren IC-Busse direkt. Rot-weiß im IC-Look lackiert, sind sie ab 9 Euro auf neun grenzüberschreitenden Strecken unterwegs. Erst vor einer Woche sind zwei Verbindungen nach Amsterdam und Brüssel hinzugekommen, weitere könnten folgen. Auch für die innerdeutschen Strecken von Berlin-Linien-Bus zeichnen sich Änderungen ab. Zur Diskussion stehen ein Ausbau des Netzes, möglicherweise sogar eine Kooperation mit einem Konkurrenten. Attraktiv könnte eine Verzahnung mit dem Zugangebot sein, zum Beispiel durch gemeinsame Tickets und eine Abstimmung der Fahrpläne. Der Bus könnte dann am Bahnhof die Weiterfahrt übernehmen.

All das könnte die Bahn wieder in eine bessere Position bringen. Etwas günstiger aber werden die Fernbusbetreiber wohl immer sein, denn das ist ihr wichtigster Wettbewerbsvorteil. Aber er schrumpft. Denn für die Busfirmen ist das Preisniveau zurzeit unrentabel. Erste Preiserhöhungen sind schon zu beobachten. Weitere werden für dieses Jahr erwartet. Was dazu wohl Grubes Tochter sagen würde?

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