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Konkurrenz aus dem Netz : Bonprix attackiert C&A und H&M

Catwalk beim Versender: Bonprix stellt auf einer Modenschau in Hamburg seine Damenkollektion vor. Bild: Picture-Alliance

Schrille Mode und Werbung per Smartphone sollen der Tochtergesellschaft der Otto-Gruppe frischen Schub geben. Der Versender zeigt sich für die Zukunft gewappnet - und die etablierten Textilhändler reagieren nervös.

          Streifen und wild kombinierte Muster mit Karos und Punkten, am besten in Pink und Blau: Das sind wichtige Trends für die Damenmode in diesem Sommer, zumindest, wenn man Marcus Ackermann glaubt. Der Manager muss es wissen. Schließlich ist er Chef des Versandhändlers Bonprix. Und in dieser Funktion muss er den Modemarkt genau im Blick haben.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Vor allem, weil die Bonprix Handelsgesellschaft mbH ihre Kleidung komplett in Eigenregie entwirft. 350 hauseigene Designer, Produktentwickler und Qualitätsmanager feilen jedes Jahr an zwölf Kollektionen, die jeweils bis zu 2000 einzelne Kleidungsstücke enthalten. „Unsere Taktzahl ist hoch, deshalb halten unsere Leute permanent Ausschau nach neuen Trends“, sagt er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Digitale Vorteile

          Bonprix gehört zur Otto-Gruppe aus Hamburg – und ist mit dem klaren Fokus auf Eigenmarken in den vergangenen Jahren gut vorangekommen. Das liegt vor allem an den niedrigen Preisen: Etwa 20 Euro kosten Produkte von Bonprix im Schnitt. Damit bewegt sich der Händler am unteren Ende des Bekleidungsmarktes. Den großen Internetversendern Amazon und Zalando, die vor allem auf Markenartikel setzen, kommt die Gruppe kaum ins Gehege. Die wirklichen Wettbewerber sitzen in den Fußgängerzonen: „Unser Geschäftsmodell ist vergleichbar mit C&A oder H&M“, sagt Ackermann. Auch die Preisstrukturen von Filialist und Versender ähneln sich.

          Dass diese Unternehmen sich wiederum schwertun, ihren Platz in der digitalen Welt zu finden, spielt Bonprix in die Hände: „Wir haben unser Angebot in den vergangenen Jahren deutlich verbessert und viele Kunden dazugewonnen, die früher nur zu den Filialisten gegangen sind.“ Der Erfolg der Strategie spiegelt sich in den Zahlen wieder. Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 (29. Februar) ist der Umsatz um 11 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gestiegen. Damit lag Bonprix deutlich über dem Durchschnitt im Mutterkonzern, der mit Marken wie Otto, Baur, Schwab, Sportscheck oder Manufactum in der Summe nur um gut 4 Prozent zugelegt hat.

          Vor allem in Amerika, wo Bonprix vor einigen Jahren die Bademodemarke Venus gekauft hat, geht es bergauf. „Auch in Deutschland und im übrigen Westeuropa haben wir weiter zugelegt“, sagt Ackermann. Nur in Osteuropa gab es einen harten Dämpfer: „Die Krise in Russland und der Ukraine hat uns schwer getroffen, dort bleiben die Marktbedingungen weiterhin schwierig.“ Vor Steuern erwirtschaftete das Unternehmen eine Umsatzrendite von 5 Prozent. Ackermann ist zuversichtlich, dass er dieses Niveau in den nächsten Jahren halten kann.

          Stationärer Handel soll ausgebaut

          Um den Versender für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten, steckt er viel Geld in die Digitalisierung. Schon heute kommt mehr als 70 Prozent des Umsatzes über die Website, der Katalog – einst der wichtigste Vertriebskanal – steht nur noch für etwa ein Viertel der Erlöse. Im Fokus steht vor allem das mobile Einkaufen über Smartphones und Tablets, auf diesem Gebiet will Bonprix noch besser werden: „Im Frühjahr bringen wir eine neue App für iOs und Android auf den Markt, davon verspreche ich mir sehr viel“, sagt Ackermann.

          Allerdings will das Unternehmen, das etwa 3000 Mitarbeiter beschäftigt und in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert, auch in der „realen“ Einkaufswelt zulegen: Bonprix versendet nicht nur Waren mit der Post, sondern hat auch etwa 30 Ladengeschäfte in Deutschland.

          Die Zahl der Filialen soll langfristig wieder steigen, nachdem die Gruppe über Jahre hinweg kleinere Läden geschlossen und sich auf größere Standorte konzentriert hatte: „Wir wollen unsere Läden zu Botschaftern für die Marke machen, das ist ein wichtiger Baustein unserer Wachstumsstrategie“, sagt der 50 Jahre alte Manager. Auch die weitere Internationalisierung bleibt auf der Tagesordnung. Bonprix ist heute in 29 Ländern rund um den Globus unterwegs und hält die Augen nach neuen Einstiegsmöglichkeiten offen.

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