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Konsum : Konjunktureintrübung? Nicht im Einzelhandel!

Blick in die Fußgängerzone „Roßmarkt“ in der Zeitzer Innenstadt Bild: dpa

Der deutsche Handelsverband feiert das zehnte Wachstumsjahr in Folge. Doch viele kleinere Geschäfte blicken besorgt in die Zukunft.

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          Der deutsche Einzelhandel steuert 2019 auf das zehnte Wachstumsjahr in Folge hin. Nach einer Prognose des Handelsverbandes Deutschland (HDE) werden die Einnahmen voraussichtlich rund 537 Milliarden Euro erreichen, etwa 2 Prozent mehr als im vorigen Jahr. „Die Konsumenten zeigen sich weitgehend unbeeindruckt von der konjunkturellen Eintrübung“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Während der stationäre Einzelhandel um nominal 1,3 Prozent wachsen dürfte, rechnet der Verband für den Online-Handel mit einem Plus von rund 9 Prozent auf 57,8 Milliarden Euro.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Hinter diesen Zahlen verbirgt sich in der Feineinstellung allerdings ein sehr unterschiedliches Bild. Wie die Frühjahrserhebung des Verbandes zeigt, befürchten viele in der Branche, mit einiger Verzögerung ebenfalls in den Sog der allgemeinen Wachstumsabschwächung zu geraten. Demnach erwarten nur noch 30 Prozent der befragten Unternehmen, vor allem solche mit mehr als 100 Beschäftigten, für das erste Halbjahr 2019 steigende Erlöse. Die vielen kleineren Händler schauen dagegen mit Sorge auf ihre Geschäftslage und rechnen mehrheitlich mit schrumpfenden Erlösen.

          Dass diese Gruppe verstärkt unter Druck gerät, erklärte Genth unter anderem mit den Verwerfungen durch das Online-Geschäft und der nachlassenden Besucherfrequenz in den Innenstädten. Auch wenn sich die Zuwachsraten für den E-Commerce zuletzt etwas abgeschwächt haben, sieht der Verband kein Ende des Booms. Auch Branchen wie Möbel und Baumärkte öffneten sich für den Online-Handel, bei Lebensmitteln werde es ebenfalls weiter nach oben gehen, meinte Genth. Diese Entwicklung dürfte das Ladensterben in den kommenden Jahren beschleunigen. Schätzungen zufolge wird ein Zehntel der verbliebenen 450.000 deutschen Geschäfte bis 2025 zumachen. In den vergangenen fünf Jahren haben schon rund 11.000 Läden die Türen für immer geschlossen. Genth sieht die Politik gefordert, damit der mittelständische Handel im Strukturwandel bestehen kann.

          Reformbedarf gebe es vor allem mit Blick auf die Unternehmensbesteuerung und die Energiewende, die den Handel übermäßig belaste. Während die Branche etwa 6 Prozent des Stroms verbrauche, zahle sie rund 10 Prozent der Ökostrom-Förderung nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). In dieser Kluft spiegelt sich, dass der Handel anders als energieintensive Branchen keine Abgabenbefreiungen genießt. Mit mehr als 6 Milliarden Euro im Jahr bildet die Stromrechnung für die deutschen Einzelhandelsunternehmen einen der größten Kostenblöcke. Er entspricht einem Drittel bis einem Viertel des vom HDE auf 18 bis 24 Milliarden Euro geschätzten Reingewinns der Branche.

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