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Konjunktureinbruch : Insolvenzschäden so hoch wie nie

  • -Aktualisiert am

Außenansicht der geschlossenen Kaufhoffiliale in der Essener Innenstadt Bild: Daniel Pilar

Der Bund hat die Pflicht zur Insolvenzanmeldung ausgesetzt. Die Folge: Weniger Fälle. Doch die Gläubiger müssen immer stärker bluten. Im nächsten Jahr werden mehr Insolvenzen erwartet.

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          Trotz eines starken Konjunktureinbruchs ist die Zahl der Insolvenzen in Deutschland in diesem Jahr stark gesunken. Der Verband der Vereine Creditreform geht für das gesamte Jahr von 16.300 Unternehmensinsolvenzen aus. Das sind 13,4 Prozent weniger als im Vorjahr, als 18.830 Unternehmen zum Insolvenzrichter gehen mussten. Zur Abfederung der Pandemiefolgen hatte die Bundesregierung Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen für die Unternehmen beschlossen und die Insolvenzantragspflicht für ein halbes Jahr ganz und den Rest des Jahres teilweise ausgesetzt. „Im laufenden Jahr hat sich das Insolvenzgeschehen als Seismograph für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung vom wirklichen Zustand der deutschen Wirtschaft entkoppelt“, kommentiert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform, diese Entwicklung.

          Vor allem Kleinbetriebe sind offenbar durch die Unterstützung am Leben gehalten worden. Bei Großunternehmen ist dagegen ein deutlicher Anstieg der Insolvenzfälle zu beobachten. So ist die Zahl der Insolvenzen bei Unternehmen mit bis zu 500.000 Euro Umsatz zweistellig gesunken. Aber je höher der Umsatz, umso signifikanter der Anstieg der Insolvenzen; bei Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz hat sich die Zahl der Insolvenzen gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

          Die größte Insolvenz war jene des Warenhausunternehmens Galeria Karstadt Kaufhof. Das durch Fusion entstandene Handelsunternehmen stellte im April Antrag auf ein sogenanntes Schutzschirmverfahren. Karstadt Kaufhof darf sich jetzt in Eigenverwaltung sanieren. Die Sanierung beinhaltet die Schließung von mehr als 43 (von insgesamt 129) Warenhäusern, einen deutlichen Personalabbau um 4500 Personen und den Verzicht auf mehr als 2 Milliarden Euro durch die Lieferanten und Vermieter.

          Zwar ist auch im Handel die Anzahl der Insolvenzen insgesamt gesunken; dennoch sind viele Großinsolvenzen eng mit dem Handel verknüpft. Prominentes Beispiel ist die in vielen Handelshäusern angesiedelte Friseurkette Klier. Auch dieses Unternehmen mit mehr als 9000 Beschäftigten schlupfte unter den Schutzschirm. Das Management arbeitet noch an einem Sanierungsplan. Daher ist auch noch offen, wie viele der 1200 Friseursalons geschlossen werden.

          Weitere Warenhausketten – vor allem im Bekleidungsgeschäft – mussten in diesem Jahr Insolvenz anmelden. Dazu zählen der Modehändler Esprit Holdings aus Ratingen bei Düsseldorf, die Sinn GmbH aus Hagen, die Bonita GmbH aus Hamminkeln (am Niederrhein) und Hallhuber aus München. Esprit plant jedes zweite der 100 Geschäft zu schließen. Die Damenoberbekldungskette Bonita betreibt mehrere hundert Läden in Deutschland. Von ihrem Zusammenbruch war auch die Muttergesellschaft Tom Tailor betroffen, die ebenfalls Insolvenz beantragte. Für sie ist inzwischen ein Investor gefunden worden. Die Modehauskette Sinn (vormals Sinn Leffers) ist kein Neuling in der Liste der Insolvenzen. Das Vorgängerunternehmen hatte schon 2008 und 2016 Insolvenz beantragt. Hallhuber aus München (ehemaliges Tochterunternehmen von Gerry Weber) betreibt 400 Läden.

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