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Konjunktur : Deutsche Unternehmen wollen expandieren

Deutsche Unternehmen wollen im nächsten Jahr stärker expandieren Bild: dpa

Deutsche Unternehmer wollen ihre Firmen im kommenden Jahr vergrößern, indem sie andere Unternehmen im Ausland kaufen. Denn dank der sehr guten Auftragslage arbeiten viele von ihnen nahe oder an ihrer Kapazitätsgrenze.

          Die deutschen Unternehmen bereiten sich darauf vor, im kommenden Jahr stärker zu expandieren, und erwägen hierzu auch Käufe anderer Unternehmen vor allem im Ausland. Das berichten Investmentbanker und Unternehmensberater. „Abgesehen von punktuellen lokalen Möglichkeiten zur Konsolidierung im Binnenmarkt denken deutsche Unternehmen vor allem an Käufe in ihren ausländischen Absatzmärkten“, sagt David Cayet von der Unternehmensberatung Accuracy in einem Gespräch mit dieser Zeitung. „Das gilt für große Konzerne wie für den Mittelstand.“

          Die wirtschaftliche Begründung einer Expansionsstrategie liegt in der allmählichen Ausnutzung der internen Ressourcen begründet. Viele deutsche Unternehmen arbeiteten dank der sehr guten Auftragslage nahe oder an ihrer Kapazitätsgrenze, berichten Investmentbanker in Frankfurt. Um weiter zu wachsen, müssten diese Unternehmen entweder selbst neue Sachinvestitionen vornehmen oder aber vorhandene Kapazitäten von Konkurrenten erwerben, indem sie andere Unternehmen kauften.

          Anleihen von Unternehmen finden großes Interesse bei Anlegern

          Die finanziellen Voraussetzungen sind zumeist vorhanden. Banker berichten von mehreren Dax-Konzernen, die in kurzer Zeit mehr als 20 Milliarden Euro mobilisieren könnten, ohne fremde Mittel aufzunehmen. Daneben sind die Finanzierungsbedingungen derzeit sehr günstig. Bankkredit ist wieder zu erhalten, und auch Anleihen von Unternehmen finden großes Interesse bei Anlegern. Viele Unternehmen festigen zudem durch die Einbehaltung von Gewinnen ihre Eigenkapitalbasis.

          Dem Expansionsdrang entgegen steht nach Erfahrungen von Bankern am ehesten noch ein mangelndes Vertrauen vieler Manager in die Nachhaltigkeit des Aufschwungs. „Das finde ich nachvollziehbar“, sagt Karl-Georg Altenburg, der Deutschland-Geschäftsführer von J. P. Morgan. „Viele Unternehmen kommen gerade erst aus einer schweren Krise und denken zunächst an Wachstum aus eigener Kraft.“ Aber auch Altenburg stellt fest: „Die Frage nach dem externen Wachstum kommt jetzt wieder zunehmend auf die Tagesordnung.“

          Deutsche Unternehmen müssen mit Konkurrenz rechnen

          Die wachsende Hinwendung der deutschen Unternehmen zu fern liegenden Absatzmärkten zeigt sich auch in Veränderungen der von ihnen genutzten Bankenkonsortien. Dort spielen asiatische Banken, darunter bekannte japanische Adressen, aber auch immer häufiger chinesische Institute, eine stetig wachsende Rolle. Viele deutsche Unternehmen hielten es aus strategischen Gründen für sinnvoll, intensiver als bisher mit Banken aus ihren großen Absatzmärkten zusammenzuarbeiten, berichten Investmentbanker. Hinzu kommt, dass sich nicht wenige europäische Banken in den Nachwehen der Finanzkrise noch immer schwertun, Fremdwährungskredite bereitzustellen.

          Deutsche Unternehmen, die in Schwellenländern auf Einkaufstour gehen wollen, müssen mit Konkurrenz rechnen. Das Volumen der Fusionen und Übernahmen, bei denen Unternehmen aus Schwellenländern einbezogen sind, wächst seit Jahren sehr viel schneller als das Volumen bei Geschäften, an denen ausschließlich Unternehmen aus den Industrienationen beteiligt sind. Das zeigen auch die Gebühreneinnahmen der Banken aus Geschäften mit Unternehmen. Entstammten im Jahr 2007 nur 11 Prozent der Bankgebühren aus Geschäften mit Unternehmen aus dem asiatisch-pazifischen Raum (ohne Japan), so beträgt der Anteil im laufenden Jahr nach Schätzungen des Datenanbieters Dealogic schon 18 Prozent.

          Der Expansionsdrang der deutschen Unternehmen wird nach Einschätzung von Investmentbankern zur Trennung von Betriebseinheiten führen, die nicht länger als strategisch angesehen werden. Dies könnte auch den heimischen Markt für Fusionen und Übernahmen im kommenden Jahr beleben.

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