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Konflikt bei der Lufthansa : Unionsfraktion will Tarifstreits per Gesetz schlichten lassen

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Ein Großteil der Lufthansa-Maschinen bleibt in diesen Tagen am Boden. Bild: Reuters

Angesichts des andauernden Streiks bei der Lufthansa kommt aus der Union die Forderung nach einem Gesetz, das Tarifkonflikte zwangsweise schlichten soll. Grund dafür seien die immensen Kosten, die durch die Streiks entstünden.

          Im neuerlichen Piloten-Streik fordert der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs einem Zeitungsbericht zufolge ein Gesetz zur Zwangsschlichtung. Arbeitsministerin Andrea Nahles sei gefordert, endlich entsprechend zu handeln, sagte Fuchs der „Bild“-Zeitung. Durch den Streik entstünden der Lufthansa täglich Kosten von zehn Millionen Euro, berichtete die Zeitung weiter unter Berufung auf Firmenkreise.

          Die Vereinigung Cockpit (VC) verlängerte am Mittwochabend den Ausstand bis einschließlich Freitag. Dann sollten die Kurzstrecken-Piloten ihre Arbeit niederlegen. Allein für Donnerstag wurden 912 Flüge gestrichen, das sind etwa zwei Drittel der Lufthansa-Verbindungen.

          Die 14. Streikrunde der Lufthansa-Piloten zwingt auch am Donnerstag viele Passagiere zu improvisieren. Und am Freitag geht es weiter. Ein Ende des Konflikts zwischen Europas größtem Luftverkehrskonzern und der Vereinigung Cockpit ist noch nicht absehbar.

          In der gesamten Firmengruppe sollen am Donnerstag 2088 von rund 3000 geplanten Flügen stattfinden. Konzerngesellschaften wie Swiss, AUA oder Eurowings werden von den Piloten derzeit nicht bestreikt - es geht nur um die Kernmarke Lufthansa. Die dortigen Streichungen entsprechen etwa der Hälfte des regulären Flugprogramms. Es ist der 14. Ausstand in einer bis zum April 2014 zurückreichenden Serie.

          Die Lufthansa verlangte von der Pilotengewerkschaft, sich auf ein Schlichtungsverfahren einzulassen. „Die Forderung der VC nach einer Vergütungserhöhung von mehr als 20 Prozent geht weit über das hinaus, was andere Beschäftigtengruppen erhalten haben“, sagte Personalchefin Bettina Volkens. Der Konzern reservierte für gestrandete Kunden nach eigenen Angaben im Rhein-Main-Gebiet sowie im Raum München vorsorglich fast 4000 Hotelzimmer. Für Passagiere, die aufgrund fehlender Visa nicht nach Deutschland einreisen dürfen, seien im Frankfurter Terminal zudem rund 400 Feldbetten aufgebaut worden.

          Die VC verteidigte ihre Aktionen. „Das Lufthansa-Management zeigt weiterhin keinerlei Bewegung und hat kein verhandlungsfähiges Angebot übermittelt“, begründete Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg die erneute Verlängerung. „Der Vorstand lässt nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch die Kunden zunehmend unter dieser kompromisslosen Unternehmenspolitik leiden.“

          Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen, Ralph Beisel, kritisierte die VC scharf: „Piloten kämpfen für ihre Besitzstände und riskieren damit die Reputation der ganzen Branche. Hunderttausende Passagiere, tausende Mitarbeiter bei Flughäfen und Airlines sind die Leittragenden – die Millionenschäden für die Branche und Volkswirtschaft noch nicht mitgedacht.“

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