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Nach Übernahme durch Chinesen : Kompletter Grammer-Vorstand tritt zurück

  • Aktualisiert am

Hartmut Müller, aufgenommen am 10.03.2017 in Kümmersbruck Bild: dpa

Beim Autozulieferer räumt die gesamte Führungsriege ihre Posten – obwohl Vorstandschef Müller das gute Verhältnis zum chinesischen Investor zuletzt lobte. Was heißt das für die Mitarbeiter?

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          Überraschende Wende beim bayerischen Autozulieferer Grammer: Nach der Übernahme durch den chinesischen Partner Ningbo Jifeng zieht sich der komplette Vorstand zurück. Sowohl der seit 2010 amtierende Vorstandschef Hartmut Müller also auch seine beiden Kollegen Gerard Cordonnier (Finanzen) und Manfred Pretscher (Technik) wollen ihre Ämter niederlegen, teilte das Unternehmen mit rund 13.000 Mitarbeitern am späten Montagabend in Amberg mit. Aufsichtsratschef Klaus Probst hat bereits die Nachfolgesuche eingeleitet und betonte, dass die mit Ningbo geschlossenen Vereinbarungen mit Garantien für Standorte und Arbeitsplätze erhalten blieben.

          Ende August – nach Abschluss der Übernahme – hatte Müller in einem Interview mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX noch gesagt: „Es ist jetzt eine positive Situation für uns, da wir unsere Strategie fortsetzen können, wie wir es wollen.“ Grammer habe jetzt einen stabilen Ankerinvestor, der die Pläne des Unternehmens unterstüze und beim Ausbau des Geschäfts in China helfe. Müller hatte in dem Gespräch zudem betont, dass er einen guten Draht zum neuen Eigentümer habe und regelmäßig mit dem Senior-Chef Yiping Wang telefoniere.

          Zudem setze er auf ein langfristiges Interesse der Chinesen an Grammer und vertraue darauf, dass diese es nicht vor allem auf Patente oder Technologien des deutschen Herstellers abgesehen hätten. „Ich sehe keine Gefahr eines Technologietransfers, da wir aufgrund der bei der Übernahme geschlossenen Vereinbarung weiter die volle Kontrolle haben.“ In der Mitteilung vom Montag hieß es dazu, dass die Investorenvereinbarung unabhängig vom Wechsel im Vorstand Bestand habe. Diese beinhaltet zum Beispiel umfassende Zusagen für nationale und internationale Standorte.

          Das Werksgelände des Autozulieferers Grammer in Kümmersbruck nahe Amberg

          Ferner unterstütze der chinesische Hauptaktionär die Wachstums- und Innovationsstrategie sowie die Finanzierungs- und Dividendenpolitik des Unternehmens. Die Börsennotierung soll ebenso erhalten bleiben wie die Marke Grammer und die Standorte. „Nach Angaben des Hauptaktionärs beabsichtigt er gegenwärtig nicht, mehr als zwei Mitglieder des Aufsichtsrats zu besetzen“, hieß es von Grammer. Das wäre auch unter den Vertretern der Anteilseigner die Minderheit. Zudem soll kein Beherrschungsvertrag abgeschlossen werden und es gebe einen weitreichenden Schutz für die Marke, Patente und andere Schutzrechte von Grammer.

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