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Verdacht auf Insiderhandel : Kommt Börsenchef Kengeter ohne Anklage davon?

  • Aktualisiert am

Carsten Kengeter Bild: AFP

Der Chef der Deutschen Börse wird verdächtigt, mit Insiderwissen Aktien gehandelt zu haben. Doch jetzt steht er offenbar vor einem Deal mit der Staatsanwaltschaft.

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          Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter könnte einem Zeitungsbericht zufolge einer Anklage wegen des Verdachts des Insiderhandels entgehen. Seine Anwälte verhandelten mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt darüber, das Verfahren gegen ihn einzustellen, berichtete das "Handelsblatt" (Montagausgabe) unter Berufung auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Der Verdacht, dass Kengeter Aktien der Deutschen Börse in dem Wissen um eine bevorstehende Übernahme der London Stock Exchange (LSE) gekauft hat, ist das größte Hindernis vor einer Vertragsverlängerung für den Börsen-Chef. Zugleich könnte die Deutsche Börse selbst mit einer Geldbuße den Vorwurf aus dem Weg räumen, dass sie den Kapitalmarkt zu spät über die Fusionspläne informiert hat, berichtete die Zeitung.

          Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, die Verfahren gegen die Börse und Kengeter würden in der Behörde gemeinsam bearbeitet. Die Ermittlungen wegen des Insiderhandel-Verdachts liefen weiter. Die Deutsche Börse äußerte sich zu dem Bericht nicht.

          Die Ermittlungen gegen die Börse gehen auf eine Anzeige der Finanzaufsicht Bafin vom Februar zurück. Das Unternehmen hatte die Fusionspläne im Februar 2016 erst bestätigt. Diese hatte den Aktienkurs massiv nach oben getrieben. Auf eine verspätete Pflichtmitteilung stehen mittlerweile Geldbußen von bis zu zehn Millionen Euro – allerdings nur, wenn dem Unternehmen Vorsatz nachgewiesen werden kann. Bis zu einer Einigung könnten laut der Zeitung aber noch viele Wochen vergehen.

          Kengeters Wohnung in Frankfurt und sein Büro bei der Börse waren Anfang Februar von Staatsanwälten und Polizisten durchsucht worden. Der Vorstandschef hatte im Dezember 2015 in großem Stil Aktien des Börsenbetreibers gekauft – zwei Monate, bevor die Fusionspläne öffentlich wurden. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gab es zu diesem Zeitpunkt bereits Gespräche mit der LSE. Kengeter hält die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft für haltlos, und auch die Deutsche Börse hat sich hinter ihn gestellt. Kengeter habe die Aktien im Rahmen eines Vergütungsprogramms gekauft, mit dem Aufsichtsratschef Joachim Faber den ehemaligen Investmentbanker langfristig an die Börse binden wollte.

          Auf der Hauptversammlung der Börse war Kritik an Kengeters Vorgehen laut geworden. Die meisten Großaktionäre haben sich aber hinter die Führungsspitze gestellt. Aus ihrer Sicht müsste der Firmenchef nur dann abtreten, wenn die Staatsanwälte im Insider-Verfahren Anklage gegen ihn erheben. Kengeters Vertrag läuft noch bis März 2018. Der Aufsichtsrat will ihn Insidern zufolge erst verlängern, wenn die Staatsanwaltschaft über den Fortgang des Insider-Verfahrens entschieden hat. Das Gremium habe noch einige Monate Zeit, um sich damit zu befassen, sagte Faber vor den Aktionären.

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