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Kommerzialisiertes Bergsteigen : Das Geschäft mit dem Höhenrausch

„Besser mit ordentlichem Bergführer als allein“

Im Gegensatz dazu ist für Hauser Exkursionen in München der zweithöchste Berg kein Tabu. Der K2 wurde bereits für rund 14.000 Euro angeboten. Damit kostet dieser schwierige Gipfel weniger als der Everest, für dessen Besteigung mehr als 20.000 Euro verlangt werden. Geschäftsführer Michael Schott spricht von einem kleinen Marktsegment und weist Kritik am kommerzialisierten Höhenbergsteigen zurück: „Wenn da ordentliche Bergführer dabei sind, die auf die Umkehrzeit achten, ist das viel besser, als wenn die Leute allein hinaufgehen.“ Allerdings gibt er zu, dass die Sicherheit bei einem solchen Berg letztlich auf den Konsumenten überwälzt wird: „Garantieren für die Sicherheit kann bei einem solchen Berg kein einziger Bergführer. Jeder ist da oben mit sich selbst beschäftigt, auch der Bergführer. Dazu muss man stehen.“

Wenig hält Schott davon, alpine Laien zu so etwas zu verführen. „Jemand, der Achttausender besteigt, muss bereits im Höhenbergsteigen Erfahrung haben. Da wird eine lange Tourenliste gefordert, die auch die Erklimmung schwieriger Alpenwände belegt.“ An diesem Anforderungsprofil können sich entweder engagierte Hobbybergsteiger oder Bergführer messen, die sich dann für solche Touren interessieren. Der Berg dürfe kein Luxusgut sein, erklärt Schott sein Kalkulationsprinzip. Spannen zwischen 10 und 20 Prozent würden kalkuliert. Mehr verlangen wolle er nicht. Es gehe darum, interessierten und fähigen Alpinisten solche Abenteuer zu ermöglichen. „Einen Berg kann man sich nicht kaufen, sondern muss man sich hart erarbeiten.“ Oft kämen zwar Leute, die Geld hätten, jedoch nicht die Qualifikation. Umgekehrt hätten oft exzellente Bergsteiger nicht die finanziellen Mittel.

Die jungen Wilden wollen die Gipfel stürmen

Ebenso sieht Christoph Thoma, Sprecher des Summit Club, der Bergsteigerschule des Deutschen Alpenvereins, das Expeditionsbergsteigen nach wie vor als ein Randthema. Von 13.000 Kunden im Jahr gingen höchstens 100 auf Expeditionen in solche Höhen. Der Summit Club hat von den Achttausendern nur die leichteren im Programm, „sofern es in der Größenordnung überhaupt etwas Leichteres gibt“. Erstmals wurde in diesem Jahr eine Expedition zum Nanga Parbat für rund 8000 Euro angeboten. Es dürften nur ausgewiesene Bergsteiger mit: „Ein Hasardeur hat bei uns keine Chance. Wir geben keine Gipfelgarantie.“ Da dürfe man nicht auf das schnelle Geld aus sein, sondern müsse auf Sicherheit bedacht sein.

Thoma bedauert, dass die Mentalität des Alles-haben-Wollens immer stärker um sich greife. Während sich früher Alpinisten mit viel mehr Demut und erst nach hinreichender Erfahrung an einen Achttausender gewagt hätten, gebe es heute die jungen Wilden, die meinten, nach einem Sechstausender sofort einen Achttausender erklimmen zu müssen. Die in Katmandu lebende Publizistin und Mitarbeiterin des Himalaja-Archivs Billi Bierling weist darauf hin, dass allein im vergangenen Jahr der Everest 629 Mal bestiegen wurde. Der Andrang sei bemerkenswert, sagt Bierling, gab es doch in den ersten vierzig Jahren der Everest-Geschichte insgesamt nur 609 Besteigungen.

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