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Illegale Leiharbeit : Wer nicht hören will

Frisch geschlachtete Schweine hängen am in einem Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies. Bild: dpa

Zeitarbeitsunternehmen schleusen illegal Arbeitskräfte in die deutsche Fleischindustrie ein. Die Betriebe müssten besser hinschauen.

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          Staatsanwaltschaft und Polizei konnten es am Mittwoch nicht oft genug betonen: Ermittelt wird gegen Zeitarbeitsunternehmen, die osteuropäische Arbeitskräfte illegal ins Land geschleust haben sollen – und nicht gegen die deutschen Fleischbetriebe, die den Arbeitern Messer und Säge zur Zerlegung der Schweinehälften in die Hand gaben.

          Den Unternehmen kann zumindest juristisch wohl kein Vorwurf gemacht werden: Die betroffenen Personen hatten allesamt gültige Papiere und eine Arbeitserlaubnis vorzuweisen, abgesegnet von den zuständigen deutschen Behörden. Den Unternehmen abzuverlangen, auch die Identität der ausgeliehenen Arbeitnehmer zu überprüfen, geht sicherlich zu weit.

          Und doch läge es gerade im Interesse der ohnehin schon in Verruf geratenen Branche, genauer hinzuschauen, wen sie da eigentlich beschäftigt. Ukrainische Studenten als Praktikanten in der Fleischerei? Da sollte doch schon der gesunde Menschenverstand ausreichen, um skeptisch zu werden.

          Doch genau wie Tönnies und Co. die unmenschlichen Arbeitsbedingungen ihrer Werkarbeiter lange Zeit billigend in Kauf genommen haben, scheint man auch hier beide Augen zugedrückt zu haben. Es ist gut, dass die Politik nun aktiv wird. Wer nicht hören will, muss eben fühlen.

          Jessica von Blazekovic
          Redakteurin in der Wirtschaft.

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