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Insolvenzen : Hart aber fair

Kleiderbügel mit der Aufschrift Gerry Weber hängen in Düsseldorf. Bild: dpa

Die Zahl der Insolvenzen wird niemals auf Null sinken – und das ist gut so. Denn bankrotte Unternehmen zwingen die Wirtschaft, sich von Fehlentwicklungen zu trennen.

          Für Betroffene ist jede Insolvenz schmerzhaft. Wer dadurch seine Forderungen nicht mehr eintreiben kann, sein Vermögen verliert oder seinen Arbeitsplatz, wird das verständlicherweise beklagen. Es ist daher gut, dass die Zahl der Insolvenzen in Deutschland seit dem Jahr 2003 sinkt. Ausnahmen waren nur die Jahre direkt nach der Finanzkrise.

          Aber die Zahl der Insolvenzen wird niemals auf Null sinken. Insolvenzen sind eine Möglichkeit der Wirtschaft, sich von Fehlentwicklungen zu trennen. Das zeigen gerade die jüngsten Insolvenzen. Nicht jeder Eigentümer ist so ehrlich wie der Modehändler Gerry Weber, der selbst zugab, einige Entscheidungen falsch getroffen zu haben. Die Expansion war vielleicht überstürzt, das neue Logistikzentrum zu groß ausgefallen. Bei der jüngsten Insolvenz des Autozulieferers Weber sind Querelen unter den Gesellschaftern eine Ursache für die Schieflage. Der Seifenhersteller Kappus hat zu spät erkannt, dass immer weniger Menschen eine Seife benutzen und sich lieber mit Flüssigseife oder mit einer Lotion waschen oder duschen.

          In all diesen Fällen sind es Managementfehler, die zur Insolvenz geführt haben. Man hat Marktentwicklungen zu lange ignoriert oder falsch eingeschätzt – und muss jetzt den Markt jenen Mitbewerbern überlassen, die rechtzeitig und richtig reagiert haben. So soll es sein in einer Marktwirtschaft.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

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